Das der GbR zur Nut­zung über­las­se­ne Grund­stück in der Zwangsverwaltung

Soll eine Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts auf gesell­schafts­recht­li­cher Basis (also ohne Miet­ver­trag) das im Eigen­tum eines (oder meh­re­rer) Gesell­schaf­ter ste­hen­de Grund­stück nut­zen kön­nen, so ist es nicht unbe­dingt erfor­der­lich, dass das Grund­stück an die GbR über­eig­net wird. Der Gesell­schaf­ter­ver­trag kann als Gesell­schaf­ter­bei­trag auch vor­se­hen, dass das Grund­stück der GbR zur Nut­zung über­las­sen wird (Ein­brin­gung „ad usum“). Die­se Nut­zungs­über­las­sung birgt jedoch Risi­ken in der Zwangs­voll­stre­ckung gegen den betref­fen­den Eigentümer/​Gesellschafter: So endet etwa durch die Beschlag­nah­me im Rah­men der Zwangs­ver­wal­tung die vom Grund­stücks­ei­gen­tü­mer an eine Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts als Gesell­schaf­ter­bei­trag gewähr­te Nutzungsüberlassung.

Das der GbR zur Nut­zung über­las­se­ne Grund­stück in der Zwangsverwaltung

Das zwi­schen den Eigen­tü­mern und der GbR begrün­de­te Besitz­mitt­lungs­ver­hält­nis endet mit der Beschlag­nah­me des Grund­stücks und Besitz­ein­wei­sung des Ver­wal­ters (§ 148 Abs. 2 ZVG). Denn mit der Beschlag­nah­me ver­lo­ren die Voll­stre­ckungs­schuld­ner die tat­säch­li­che Ver­wal­tungs- und Benut­zungs­be­fug­nis über das Grund­stück und konn­ten der GbR den berech­tig­ten Besitz nicht mehr gewähren.

Etwas ande­res folgt nicht aus § 152 Abs. 2 ZVG. Nach die­ser Aus­nah­me­vor­schrift ist ein bestehen­der Miet- oder Pacht­ver­trag auch dem Ver­wal­ter gegen­über wirk­sam, wenn das Grund­stück vor der Beschlag­nah­me einem Mie­ter oder Päch­ter über­las­sen wur­de. Die Rege­lung ergänzt den im bür­ger­li­chen Recht ver­an­ker­ten Schutz des Mie­ters und Päch­ters vor Eigen­tü­mer­wech­sel (§§ 566 Abs. 1, 581 Abs. 2 BGB). Eben­so wie im Fal­le der Zwangs­ver­stei­ge­rung (vgl. § 57 ZVG) soll der Mie­ter oder Päch­ter auch im Fal­le einer Zwangs­ver­wal­tung nicht schlech­ter gestellt sein als im Fal­le einer Ver­äu­ße­rung des Grund­stücks. Die­ser sys­te­ma­ti­sche Zusam­men­hang schließt es aller­dings aus, den Anwen­dungs­be­reich des § 152 Abs. 2 ZVG über sei­nen Wort­laut hin­aus auf ande­re Besitz­mitt­lungs­ver­hält­nis­se zu erstre­cken, wel­che im Fal­le der Ver­äu­ße­rung des Grund­stücks kei­nen dem § 566 BGB ver­gleich­ba­ren Schutz böten. Zu die­sen, auch vor Ver­äu­ße­rung nicht geschütz­ten Besitz­mitt­lungs­ver­hält­nis­sen gehört die Bei­trags­leis­tung nach §§ 705, 706 BGB.

Wie der Bun­des­ge­richts­hof bereits ent­schie­den hat, begrün­det nur ein Miet- und Pacht­ver­trag und nicht eine ande­re schuld­recht­li­che Ver­ein­ba­rung gegen den Erwer­ber eines Grund­stücks ein Recht zum Besitz [1]. Zwar mag die als Bei­trags­leis­tung an die Gesell­schaft erfol­gen­de Gebrauchs­über­las­sung einen „miet­ähn­li­chen“ Cha­rak­ter haben [2]. Jedoch kann der Erwer­ber oder Erste­her des Grund­stücks in die­ses Schuld­ver­hält­nis schon des­halb nicht ein­tre­ten, weil er mit der Ver­äu­ße­rung oder Ver­stei­ge­rung des Grund­stücks nicht Gesell­schaf­ter wird [3]. Eben­so kann nicht der Zwangs­ver­wal­ter Gesell­schaf­ter und Schuld­ner des Anspruchs auf Bei­trags­leis­tung werden.

Hin­zu kommt, dass § 152 Abs. 2 ZVG dem Zwangs­ver­wal­ter nicht nur die Pflich­ten aus dem Miet- oder Pacht­ver­hält­nis auf­er­legt, son­dern eben­so die Rech­te dar­aus ver­mit­telt, ins­be­son­de­re in Form von Miet- und Pacht­an­sprü­chen, die er zur Gläu­bi­ger­be­frie­di­gung ver­wen­den kann. Dies fän­de bei einer Ein­be­zie­hung von Bei­trags­leis­tun­gen an eine GbR in den Schutz­be­reich des § 152 Abs. 2 ZVG kei­ne Ent­spre­chung. Denn der Bei­trags­leis­tung an eine GbR steht kei­ne syn­al­lag­ma­ti­sche Gegen­leis­tung gegen­über, die der Zwangs­ver­wal­ter für den Gläu­bi­ger frucht­bar machen könn­te. Der mög­li­che Gewinn der Gesell­schaft ist nicht etwa die Gegen­leis­tung der Gesell­schaft für die Bei­trä­ge der Gesell­schaf­ter, son­dern Aus­druck der im Gesell­schafts­ver­hält­nis begrün­de­ten Erfolgs­be­tei­li­gung [4]. Auch des­halb kommt eine ent­spre­chen­de Anwen­dung des § 152 Abs. 2 ZVG auf eine als Bei­trags­leis­tung erfolg­te Nut­zungs­über­las­sung nicht in Betracht.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 15. Mai 2013 – XII ZR 115/​11

  1. BGH Urteil vom 29.06.2001 – V ZR 215/​00 NJW 2001, 2885; vgl. auch Münch­Komm-BGB/­Bal­dus 5. Aufl. § 986 Rn. 5; Münch­Komm-BGB/Em­me­rich 5. Aufl. § 566 Rn.19[]
  2. Staudinger/​Habermeier BGB [2003] § 706 Rn. 7[]
  3. vgl. Soergel/​Hadding/​Kießling BGB [2011] § 706 Rn. 23 ff.[]
  4. Münch­Komm-BGB/Ul­mer 5. Aufl. § 705 Rn. 162[]