Das Unter­neh­mens­kenn­zei­chen des Lizenznehmers

Ein vom Lizenz­ge­ber wäh­rend der Ver­trags­be­zie­hung erwor­be­nes Kenn­zei­chen­recht geht dem Kenn­zei­chen­recht des Lizenz­neh­mers vor, das die­ser eben­falls wäh­rend des Laufs des Lizenz­ver­trags erlangt hat, weil die Stel­lung des Lizenz­neh­mers im Ver­hält­nis zum Lizenz­ge­ber nach Been­di­gung des Lizenz- oder Gestat­tungs­ver­trags nicht bes­ser als die­je­ni­ge eines Drit­ten ist, der erst­mals ein mit dem lizen­zier­ten Kenn­zei­chen­recht iden­ti­sches oder ähn­li­ches Zei­chen nutzt. An den Nach­weis eines Lizenz- oder Gestat­tungs­ver­trags, aus dem der Lizenz­ge­ber einen Vor­rang sei­nes Kenn­zei­chen­rechts im Ver­hält­nis zum Kenn­zei­chen­recht des Lizenz­neh­mers ablei­tet, sind regel­mä­ßig kei­ne gerin­gen Anfor­de­run­gen zu stellen.

Das Unter­neh­mens­kenn­zei­chen des Lizenznehmers

Die Beur­tei­lung der Ver­wechs­lungs­ge­fahr im Sin­ne von § 14 Abs. 2 Nr. 2 Mar­kenG ist – eben­so wie bei § 9 Abs. 1 Nr. 2 Mar­kenG – unter Berück­sich­ti­gung aller rele­van­ten Umstän­de des Ein­zel­falls vor­zu­neh­men. Dabei besteht eine Wech­sel­wir­kung zwi­schen den in Betracht zu zie­hen­den Fak­to­ren, ins­be­son­de­re der Iden­ti­tät oder der Ähn­lich­keit der Zei­chen und der Iden­ti­tät oder der Ähn­lich­keit der mit ihnen gekenn­zeich­ne­ten Waren oder Dienst­leis­tun­gen sowie der Kenn­zeich­nungs­kraft der älte­ren Mar­ke, so dass ein gerin­ge­rer Grad der Ähn­lich­keit der Waren oder Dienst­leis­tun­gen durch einen höhe­ren Grad der Ähn­lich­keit der Zei­chen oder durch eine erhöh­te Kenn­zeich­nungs­kraft der älte­ren Mar­ke aus­ge­gli­chen wer­den kann und umge­kehrt. Bei die­ser umfas­sen­den Beur­tei­lung der Ver­wechs­lungs­ge­fahr ist auf den durch die Zei­chen her­vor­ge­ru­fe­nen Gesamt­ein­druck abzu­stel­len, wobei ins­be­son­de­re ihre unter­schei­dungs­kräf­ti­gen und domi­nie­ren­den Ele­men­te zu berück­sich­ti­gen sind [1].

Grund­sätz­lich kön­nen der Kla­ge­mar­ke im Ver­let­zungs­pro­zess aller­dings prio­ri­täts­äl­te­re Kenn­zei­chen­rech­te ein­re­de­wei­se ent­ge­gen­ge­hal­ten wer­den [2]. Das setzt vor­aus, dass die Par­tei, die sich ein­re­de­wei­se auf ein sol­ches Recht beruft, über ein eige­nes prio­ri­täts­äl­te­res oder zumin­dest koexis­tenz­be­rech­tig­tes Kenn­zei­chen­recht ver­fügt oder zur ein­re­de­wei­sen Gel­tend­ma­chung eines ent­spre­chen­den Kenn­zei­chen­rechts eines Drit­ten ermäch­tigt ist und durch die Kla­ge­mar­ke in den Schutz­be­reich des ande­ren Kenn­zei­chen­rechts ein­ge­grif­fen wird.

Zwar kann ein Klä­ger einem Gegen­recht des Beklag­ten ein wie­der­um älte­res Kenn­zei­chen­recht ent­ge­gen­hal­ten, durch das er dem Beklag­ten die Benut­zung sei­nes Kenn­zei­chens ver­bie­ten las­sen kann [3].

Nach § 5 Abs. 2 Mar­kenG ent­steht der Schutz eines Kenn­zei­chen­rechts durch die tat­säch­li­che Benut­zung des Zei­chens im geschäft­li­chen Ver­kehr zur Kenn­zeich­nung des Geschäfts­be­triebs. Dar­aus folgt, dass grund­sätz­lich nur die Bezeich­nung eines Unter­neh­mens schutz­fä­hig ist, unter der es sich am geschäft­li­chen Ver­kehr betei­ligt. Der Schutz des Unter­neh­mens­kenn­zei­chens greift nur dann ein, wenn der Gebrauch einer Bezeich­nung durch einen ande­ren geeig­net ist, Ver­wechs­lun­gen mit dem Zei­chen des Berech­tig­ten her­vor­zu­ru­fen. Die­ser Schutz ent­fällt mit­hin regel­mä­ßig, wenn der Berech­tig­te ent­we­der den Betrieb des von ihm geführ­ten Unter­neh­mens auf­gibt oder das Unter­neh­mens­kenn­zei­chen in sei­ner cha­rak­te­ris­ti­schen Eigen­art ändert. Aus­nahms­wei­se geht der Schutz des Unter­neh­mens­kenn­zei­chens nicht ver­lo­ren, wenn der Geschäfts­be­trieb nur zeit­wei­se still­ge­legt wird, jedoch in sei­nem für die Wie­der­eröff­nung wesent­li­chen Bestand erhal­ten bleibt und wenn die Absicht und die Mög­lich­keit gege­ben sind, ihn inner­halb eines sol­chen Zeit­raums fort­zu­set­zen, so dass die Still­le­gung nach der dafür maß­geb­li­chen Ver­kehrs­auf­fas­sung noch als vor­über­ge­hen­de Unter­bre­chung erscheint [4].

Der Schutz des Unter­neh­mens­kenn­zei­chens nach § 5 Abs. 2 Satz 1 Mar­kenG ent­steht bei von Haus aus unter­schei­dungs­kräf­ti­gen Bezeich­nun­gen zu denen die Bezeich­nung „Bau­mann“ zu rech­nen ist [5] – mit der Auf­nah­me der Benut­zung im Inland im geschäft­li­chen Ver­kehr [6].

Aus der Recht­spre­chung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on folgt, dass ein rein fir­men­mä­ßi­ger Gebrauch kei­ne Benut­zungs­hand­lung im Sin­ne von Art. 5 Abs. 1 Mar­kenRL ist [7]. Die­se Recht­spre­chung ist auf den umge­kehr­ten Fall einer Kol­li­si­on eines älte­ren Unter­neh­mens­kenn­zei­chens mit einer jün­ge­ren Mar­ke nicht über­trag­bar. Der Schutz des Unter­neh­mens­kenn­zei­chens nach § 5 Abs. 2, § 15 Abs. 2 und 4 Mar­kenG setzt nur eine kenn­zei­chen­mä­ßi­ge Ver­wen­dung der kol­li­die­ren­den Bezeich­nung vor­aus [8].

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 27. März 2013 – I ZR 93/​12 – „Bau­mann“

  1. vgl. EuGH, Urteil vom 24.06.2010 – C‑51/​09, Slg. 2010, I5805 = GRUR 2010, 933 Rn. 33 – Bar­ba­ra Becker; BGH, Urteil vom 09.02.2012 – I ZR 100/​10, GRUR 2012, 1040 Rn. 25 = WRP 2012, 1241 – pjur/​pure[]
  2. BGH, Urteil vom 28.02.2002 – I ZR 177/​99, BGHZ 150, 82, 92 – Hotel Adlon; Urteil vom 09.10.2003 – I ZR 65/​00, GRUR 2004, 512, 513 = WRP 2004, 610 – Ley­sief­fer; Urteil vom 14.05.2009 – I ZR 231/​06, GRUR 2009, 1055 Rn. 52 = WRP 2009, 1533 – airdsl[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 17.05.2001 – I ZR 187/​98, GRUR 2002, 59, 63 = WRP 2001, 1211 – ISCO; BGH, GRUR 2004, 512, 514 – Ley­sief­fer; BGH, Urteil vom 24.02.2005 I ZR 161/​02, GRUR 2005, 871, 872 = WRP 2005, 1164 – Sei­com; Büscher in Büscher/​Dittmer/​Schiwy, Gewerb­li­cher Rechts­schutz Urhe­ber­recht Medi­en­recht, 2. Aufl., § 14 Mar­kenG Rn. 60; Ingerl/​Rohnke, Mar­ken­ge­setz, 3. Aufl., § 14 Rn. 32[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 05.06.1997 – I ZR 38/​95, BGHZ 136, 11, 21 f. – L’Oran­ge; BGHZ 150, 82, 89 – Hotel Adlon; BGH, GRUR 2002, 972, 974 – FROMMIA; GRUR 2005, 871, 872 – Sei­com[]
  5. vgl. BGH, Urteil vom 30.01.2008 – I ZR 134/​05, GRUR 2008, 801 Rn. 14 = WRP 2008, 1189 Han­sen-Bau[]
  6. BGH, Urteil vom 19.02.2009 – I ZR 135/​06, GRUR 2009, 685 Rn. 17 = WRP 2009, 803 – ahd.de; Urteil vom 31.05.2012 – I ZR 135/​10, GRUR 2012, 832 Rn. 44 = WRP 2012, 940 – ZAPPA[]
  7. vgl. EuGH, Urteil vom 21.11.2002 C23/​01, Slg. 2002, I10913 = GRUR 2003, 143 Rn. 34 – Robeco/​Robelco; Urteil vom 16.11.2004 – C‑245/​02, Slg. 2004, I10989 = GRUR 2005, 153 Rn. 60 und 64 – Anheu­ser Busch; Urteil vom 11.09.2007 – C‑17/​06, Slg. 2007, I7041 = GRUR 2007, 971 Rn. 21 – Céli­ne[]
  8. vgl. BGH, Urteil vom 16.12.2004 – I ZR 177/​02, GRUR 2005, 419, 422 = WRP 2005, 605 – Räu­cher­ka­te; BGH, GRUR 2004, 512, 513 f. – Ley­sief­fer; BGH, Urteil vom 14.04.2011 – I ZR 41/​08, GRUR 2011, 623 Rn. 44 = WRP 2011, 886 – Peek & Clop­pen­burg II[]