Der per­sön­lich haf­ten­de Gesell­schaf­ter einer KGaA – und die geson­der­te Fest­stel­lung sei­nes Gewinn­an­teils

Hin­sicht­lich des Gewinn­an­teils per­sön­lich haf­ten­der Gesell­schaf­ter einer KGaA ist eine geson­der­te Fest­stel­lung erfor­der­lich.

Der per­sön­lich haf­ten­de Gesell­schaf­ter einer KGaA – und die geson­der­te Fest­stel­lung sei­nes Gewinn­an­teils

Ein Fest­stel­lungs­ver­fah­ren nach § 180 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. a AO ist bereits dann durch­zu­füh­ren, wenn zwei­fel­haft ist, ob die hier­für erfor­der­li­chen Vor­aus­set­zun­gen vor­lie­gen. Letz­te­res ergibt sich dar­aus, dass die Ent­schei­dung über das Erfor­der­nis oder Nicht­er­for­der­nis einer geson­der­ten Fest­stel­lung nach § 180 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. a AO ver­bind­lich nur in dem ‑vor­lie­gend noch ein­zu­lei­ten­den- Grund­la­gen­ver­fah­ren getrof­fen wer­den kann und dem­entspre­chend ein posi­ti­ver oder nega­ti­ver Fest­stel­lungs­be­scheid gemäß § 180 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. a AO schon dann zu erlas­sen ist, wenn eine geson­der­te Fest­stel­lung auf Grund des (ggf. strei­ti­gen) Sach­ver­halts mög­lich erscheint [1].

Hier­von ist auch mit Rück­sicht auf die Fra­ge aus­zu­ge­hen, ob die Ergeb­nis­an­tei­le des per­sön­lich haf­ten­den Gesell­schaf­ters einer KGaA Gegen­stand eines Ver­fah­rens zur ein­heit­li­chen und geson­der­ten Fest­stel­lung sind. Der Bun­des­fi­nanz­hof hat die­se Fra­ge ‑ohne hier­bei auf den den Streit­fall zusätz­lich kenn­zeich­nen­den Umstand einer Mehr­heit per­sön­lich haf­ten­der Gesell­schaf­ter ein­zu­ge­hen- erst jüngst aus­drück­lich offen­ge­las­sen [2]. Hin­zu kommt, dass sich dem Schrift­tum kein ein­heit­li­ches Mei­nungs­bild ent­neh­men lässt [3].

Schließ­lich ist ein Fest­stel­lungs­ver­fah­ren nach § 181 Abs. 5 AO auch dann durch­zu­füh­ren, wenn die Fest­stel­lung für die Steu­er­fest­set­zung gegen­über nur einem Betei­lig­ten von Bedeu­tung ist [4] und die­se Vor­aus­set­zung jeden­falls gegen­über dem per­sön­lich haf­ten­den Gesell­schaf­ter mit Rück­sicht auf die Ablauf­hem­mung nach § 171 Abs. 3a AO betref­fend die Fris­ten zur Fest­set­zung der Ein­kom­men­steu­er für die Streit­jah­re gewahrt wird.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 29. Juni 2016 – I B 32/​16

  1. vgl. BFH, Beschlüs­se vom 16.11.2006 – XI B 156/​05, BFH/​NV 2007, 401; vom 22.08.2013 – X B 16–17/13, BFH/​NV 2013, 1763[]
  2. BFH, Urteil vom 07.12 2011 – I R 5/​11, BFH/​NV 2012, 556; eben­so BFH, Urteil vom 21.06.1989 – X R 14/​88, BFHE 157, 382, BStBl II 1989, 881[]
  3. die Not­wen­dig­keit eines Fest­stel­lungs­ver­fah­rens beja­hend Bran­dis in Tipke/​Kruse, Abga­ben­ord­nung, Finanz­ge­richts­ord­nung, § 180 AO Rz 17; a.A. Klein/​Ratschow, AO, 13. Aufl., § 180 Rz 6[]
  4. Klein/​Ratschow, a.a.O., § 181 Rz 38, m.w.N.[]