Die britische Limited – und ihre Beteiligtenfähigkeit im Finanzgerichtsverfahren

Eine britische Limited ist auch nach dem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union als Körperschaftsteuersubjekt zu qualifizieren und daher fähig, Beteiligte eines finanzgerichtlichen Verfahrens zu sein.

Durch den Austritt des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Nordirland (UK) aus der Europäischen Union („Brexit“) hat sich zwar der zivilrechtliche Status einer nach dem Recht des UK gegründeten Kapitalgesellschaft in Form der Limited geändert. Denn als Gesellschaft eines Drittstaats mit inländischem Verwaltungssitz kann sich die Limited fortan nicht mehr auf die Niederlassungsfreiheit berufen und die Frage ihrer Rechtsfähigkeit bestimmt sich nach der sog. Sitztheorie[1]. Dies führt zwar zum Verlust der (zivilrechtlichen) Rechtsfähigkeit[2], lässt aber die Qualifikation einer britischen Limited als Körperschaftsteuersubjekt i.S. der §§ 1 Abs. 1, 2 Nr. 1 KStG unberührt, was von § 8 Abs. 1 Satz 4 KStG i.d.F. des Gesetzes zur Abwehr von Steuervermeidung und unfairem Steuerwettbewerb und zur Änderung weiterer Gesetze (StAbwG) vom 25.06.2021[3] in allen offenen Fällen (§ 34 Abs. 3c KStG i.d.F. des StAbwG) für ertragsteuerrechtliche Zwecke nochmals klargestellt wird. Zur Begründung ist darauf hinzuweisen, dass es für die körperschaftsteuerrechtliche Behandlung einer ausländischen Gesellschaft nach ständiger Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs nicht auf die zivilrechtliche Rechtsfähigkeit, sondern auf den sog. Typenvergleich ankommt[4]. Aus diesem Vergleich folgt aber, dass eine britische Limited als Körperschaftsteuersubjekt zu behandeln ist[5].

Verfahrensrechtlich folgt aus der Qualifizierung der Limited als Körperschaftsteuersubjekt deren Fähigkeit, Beteiligte in einem finanzgerichtlichen Verfahren zu sein[6]. Denn die Beteiligtenfähigkeit richtet sich nicht nach der zivilrechtlichen Rechtsfähigkeit, sondern nach der Steuerrechtsfähigkeit[7]. Dabei entspricht es ständiger höchstrichterlicher Rechtsprechung, dass die Beteiligtenfähigkeit -selbst bei zivilrechtlicher Vollbeendigung einer Gesellschaft- bis zur Abwicklung der steuerrechtlichen Rechtsbeziehungen andauert[8]. Nach alledem kann die Limited ihr rechtliches Begehren im vorliegenden Verfahren selbst geltend machen.

Bundesfinanzhof, Beschluss vom 13. Oktober 2021 – I B 31/21

  1. BGH, Urteil vom 27.10.2008 – II ZR 158/06, BGHZ 178, 192, DStR 2009, 59; vgl. Pfirrmann in Brandis/Heuermann, § 12 KStG Rz 122[]
  2. vgl. BGH, Urteil in BGHZ 178, 192, DStR 2009, 59, zu einer Schweizer Aktiengesellschaft; OLG München, Urteil vom 05.08.2021 – 29 U 2411/21 Kart, Der Betrieb 2021, 2349, zur britischen Limited[]
  3. BGBl I 2021, 2056, BStBl I 2021, 895[]
  4. BFH, Urteile vom 20.08.2008 – I R 34/08, BFHE 222, 521, BStBl II 2009, 263; vom 24.10.2018 – I R 69/16, BFHE 263, 146, BStBl II 2019, 401, zur britischen Limited[]
  5. vgl. BFH, Urteil in BFHE 263, 146, BStBl II 2019, 401; Pfirrmann in Brandis/Heuermann, § 12 KStG Rz 124; Hackemann in Bott/Walter, KStG, § 12 Rz 82; Kolbe in Herrmann/Heuer/Raupach, § 12 KStG Rz 70, 73; Kudert/Kahlenberg, Finanz-Rundschau 2019, 250[]
  6. vgl. FG Münster, Beschluss vom 11.05.2011 – 9 – V 3872/10 K, EFG 2011, 1443[]
  7. Gräber/Levedag, Finanzgerichtsordnung, 9. Aufl., § 57 Rz 11, m.w.N.[]
  8. vgl. z.B. BFH, Beschluss vom 28.01.2004 – I B 210/03, BFH/NV 2004, 670[]