Die Digitalisierung der Arbeit für das eigene Unternehmen nutzen

26. Februar 2018 | Allgemeines
Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Die Mitarbeiter schreibt aus Tokio, der neue Auftrag kommt aus Boston und das Büro befindet sich in London. Die Arbeitswelt ist global und mobil – dank modernster Software-Lösungen und neuen Arbeitsmethoden. Kleine und handliche Geräte wie Ultrabooks oder Tabletts machen es möglich, dass sich das Büro im Zug, Flugzeug oder im Fond der Limousine befindet (Christian Lindner lässt grüßen). Neue digitale IT-Lösungen synchronisieren unsere Daten und speichern sie gesichert in der Cloud. Arbeiten ist bald nicht mehr ortsabhängig, sondern technologiegetrieben. Willkommen in der digitalen Arbeitswelt.

Neue Formen der Arbeit

Dieses Café hat vor mehr als zehn Jahren Geschichte geschrieben und markierte den Beginn einer neuen Arbeitswelt: Das Sankt Oberholz am Rosenthaler Platz 72a in Berlin. Gegründet von Ansgar Oberholz war es einer der ersten Cafés mit freiem WLAN und großen Tischen, an denen mit Laptop und Espresso gearbeitet werden konnte. Das Bild des digitalen Arbeiters wurde geschaffen. In dem Buch „Wir nennen es Arbeit“ gehen Holm Friebe und Sascha Lobo den Anfängen der digitalen Arbeit auf den Grund. Ihr Fazit: Die Art und Weise, wie wir arbeiten hat sich in den letzten Jahren fundamental geändert. Home Office, Coworking Spaces und eine ständige Erreichbarkeit machen den Ort, wo wir arbeiten, obsolet. Seit der Eröffnung des legendären Sankt Oberholz sind viele andere Coworking Spaces entstanden und ziehen vermehrt Entwickler und freie Journalisten an. Das Büro ist überall und macht uns frei von Arbeitszeiten oder stickigen Büros. Unter netzaffinen Berufstätigen sind die drei schlimmsten Feinde mittlerweile: kein WLAN, leerer Akku und keine Steckdose für den Laptop. Dass wir heute so unabhängig arbeiten können, verdanken wir nicht nur neuen Technologien und damit immer leistungsfähigen Computern. Auch die Wirtschaft hat erkannt, dass starre Arbeitszeiten und Präsenzzeiten in engen Büros eher schaden als einen Nutzen bringen.

Nutzen Sie die Digitalisierung für sich

Wer im Jahr 2018 keine digitalen Tools nutzt, hat schon verloren. Dieser Satz mag für eingefleischte Unternehmer ein Schock sein. Aber die Digitalisierung ist – auch wenn es wie eine Binsenweisheit klingt – nicht mehr aufzuhalten. Doch bevor sich Unternehmen in den vielen Tools und cloudbasierten Lösungen verirren, sollte mit Ruhe und Bedacht untersucht werden, welche Tools und Plattformen genutzt werden sollten. Eine mögliche Hilfe sind Fragen, die Sie sich vor den Einsatz der Tools stellen sollten:

  • Welche Arbeitsprozesse gibt es im Unternehmen?
  • Wie viele Mitarbeiter hat das Unternehmen?
  • Welche Art von Daten liegen vor?
  • Wie wird mit Kunden überwiegend kommuniziert?
  • Wie werden Daten archiviert?
  • Welche Probleme sollen die Tools lösen?
Sind diese Fragen geklärt, kann mit der Suche nach digitalen Tools begonnen werden.

Wichtig ist zu wissen, dass es Tools für die unterschiedlichen Arbeitsprozesse gibt:

  • Interne Kommunikation
  • Externe Kommunikation
  • Datensicherung
  • Verwalten und Bearbeitung von Daten
  • Zeiterfassung für Projekte
  • Protokollierung von Arbeitsabläufen
Da Unternehmer in der Regel die neuesten Tools gar nicht kennen, lohnen sich oftmals Testaccounts oder Erfahrungsberichte von Usern. Da die monatlichen Kosten einiger Tools im dreistelligen Bereich liegen, sollte nicht übereilt entschieden werden. Vergleichen Sie unterschiedliche Tools und verschiedenen Preisklassen, damit Sie später keine unangenehme Überraschung erleben.

Digitale Tools für die Arbeit 4.0

Im Durchschnitt versenden Berufstätige bis zu 120 E-Mails am Tag. Und nur jede vierte Mail wird laut der Forschungsgruppe Workplace Studies der Universität Bielefeld innerhalb von drei Stunden beantwortet. Keine Frage: Die E-Mail ist immer noch eines der wichtigsten Kommunikationstools in der Arbeitswelt, aber andere Anbieter drängen auf diesen heißumkämpften Markt und haben nur ein Ziel: Die Kommunikation verbessern und beschleunigen. In der Agenturszene nimmt diese Entwicklung merkwürdige Formen. So gibt es in einer Digitalagentur in Köln bis zu 13 Tools, die neue Mitarbeiter beherrschen und anwenden müssen. Die Spannweite reicht von Kommunikationstools wie Slack und Telegram über Trello, Jira und Hootsuite. Dazu kommen noch private Dienste wie der Facebook Messenger oder Whatsapp. Sie alle sollen dabei helfen, dass Arbeitsabläufe schneller und besser ablaufen. Forscher warnen vor diesen Trend und befürchten, dass unsere kognitiven Fähigkeiten dadurch leiden. Denn die vielen Tools setzen uns permanent unter Stress und zwingen uns, auf jede Benachrichtigung und Veränderung sofort zu reagieren.

Zeitalter der Plattformen

Digitale Plattformen lösen mehr und mehr gängige Software-Lösungen ab. Plattformen wie Facebook, Hubspot oder Trello bestimmen unser Arbeitsleben und ermöglichen das digitale Arbeiten. Wir kommunizieren und arbeiten digital. Das schafft eine Abhängigkeit, die es aber auch bei Software-Lösungen gab. Viele Anbieter wie Adobe haben das System sogar perfektioniert: So gibt es seit 2015 keine physischen Software-Lösungen mehr. Programme wie Photoshop oder InDesign werden aus der Cloud geladen und haben CD-Rohlinge und Raubkopien obsolet gemacht. Apple hat diesen Schritt schon vor Jahren erkannt und bietet in vielen Modellen seiner MacBook-Reihe keine CD-Laufwerke mehr an. Die Beispiele von Adobe und Apple waren erste Anzeichen dafür, dass wir immer mehr plattformabhängig arbeiten. Auch Facebook hat das vor einigen Jahren erkannt und für Unternehmen die Funktion „Workplace“ entwickelt.

Zukunft der digitalen Arbeit

Wie werden wir in Zukunft arbeiten? Werden Roboter unsere Arbeit übernehmen und Millionen von Berufstätige arbeitslos machen, wie jüngst der Verband BITKOM prophezeite? Fakt ist, dass in vielen Arbeitsbereichen schon heute Roboter im Einsatz sind. In der Automobilindustrie sind sie seit Jahren Standard und in der Kommunikation sollen Roboter – auch Bots genannt – ab 2018 den Kundenservice effizienter und kostengünstiger machen. Denn Bots brauchen keinen Urlaub und arbeiten 24 Stunden am Tag. Aber bisher ist der Einsatz solcher Bots noch sehr sporadisch und die Effizienz eher gering. Menschen sind nach wie vor in diesem Bereich im Einsatz. Aber die Digitalisierung ähnelt dem Mooreschem Gesetz und kann in den kommenden Jahren neue, bisher ungeahnte, Möglichkeiten offenbaren. Ob Roboter unsere Arbeit demnächst ist möglich – fragt sich nur wann und in welcher Form.

Für Café-Besitzer Oberholz hat die Digitalisierung der Arbeit wirtschaftliche Vorteile mit sich gebracht. Längst hat der umtriebige Unternehmer auch einen Coworking Space oberhalb des Cafés eröffnet und hält Vorträge zum Thema digitale Arbeit. Dass das Buch von Sascha Lobo und Holm Friebe über die Digitalisierung der Arbeit, welches vor mehr als zehn Jahren einen neuen Arbeitstypus schuf, seiner Zeit weit voraus war, beweisen die vielen Vorträge und Seminare, die es seitdem gibt. Digitale Arbeit ist in der Gesellschaft angekommen und nicht mehr wegzudenken.

 

 

Weiterlesen auf der Wirtschaftslupe

Weiterlesen auf der Wirtschaftslupe:

Weitere Beiträge aus diesem Rechtsgebiet: Allgemeines

 

Zum Seitenanfang