Die Haf­tung des Admin‑C

Die Haf­tung des auf Löschung des Domain­na­mens in Anspruch genom­me­nen Admin‑C als Stö­rer setzt vor­aus, dass ihn aus­nahms­wei­se eine eige­ne Pflicht trifft zu prü­fen, ob mit der beab­sich­tig­ten Regis­trie­rung Rech­te Drit­ter ver­letzt wer­den. Vor­aus­set­zung ist inso­fern das Vor­lie­gen beson­de­rer gefah­rer­hö­hen­der Umstän­de, die dar­in bestehen kön­nen, dass vor allem bei Regis­trie­rung einer Viel­zahl von Domain­na­men die mög­li­chen Kol­li­sio­nen mit bestehen­den Namens­rech­ten Drit­ter auch vom Anmel­der nicht geprüft wer­den. Eine abs­trak­te Gefahr, die mit der Regis­trie­rung einer Viel­zahl von Domain­na­men ver­bun­den sein kann, reicht inso­fern nicht aus [1].

Die Haf­tung des Admin‑C

Der Bun­des­ge­richts­hof hat in der Ent­schei­dung „Bas­ler Haar-Kos­me­tik“ den die Prü­fungs­pflicht des Admin‑C aus­lö­sen­den gefah­rer­hö­hen­den Umstand zum einen dar­in gese­hen, dass die Domain­in­ha­be­rin frei­wer­den­de Domain­na­men in einem auto­ma­ti­sier­ten Ver­fah­ren ermit­telt und daher kei­ner­lei Prü­fung vor­ge­nom­men hat­te, ob die von ihr auf die­se Wei­se ermit­tel­ten und nach­fol­gend ange­mel­de­ten Domain­na­men mög­li­cher­wei­se Rech­te Drit­ter ver­letz­ten. Zum ande­ren hat der Bun­des­ge­richts­hof in die­ser Ent­schei­dung dar­auf abge­stellt, dass die DENIC die ange­mel­de­ten Domain­na­men in einem wie­der­um auto­ma­ti­sier­ten Ver­fah­ren ein­trägt. Die beson­de­re Gefah­rerhö­hung hat der Bun­des­ge­richts­hof unter die­sen Umstän­den dar­in gese­hen, dass bei dem dort gewähl­ten Ver­fah­ren eine mög­li­che Ver­let­zung von Rech­ten Drit­ter zu kei­nem Zeit­punkt geprüft wor­den war [2].

Sol­che gefah­rer­hö­hen­den Umstän­de, die die Annah­me einer Prü­fungs­pflicht des Admin‑C recht­fer­tig­ten, sah der Bun­des­ge­richts­hof in der vor­lie­gen­den Ent­schei­dung hin­sicht­lich des für den 23.10.2009 ange­mel­de­ten streit­ge­gen­ständ­li­chen Domain­na­mens nicht:

An die­sem Tag konn­ten erst­mals Domain­na­men, die aus nur einem oder zwei Buch­sta­ben oder aber aus drei Buch­sta­ben bestan­den, die einem Kraft­fahr­zeug­kenn­zei­chen ent­spra­chen, bei der DENIC zur Ein­tra­gung ange­mel­det wer­den. Zwar begrün­de­te die­se neue Mög­lich­keit – zumal im Blick auf das für die Ver­ga­be von Domain­na­men gel­ten­de Prio­ri­täts­prin­zip sowie dar­auf, dass die rechts­ver­let­zen­de Ein­tra­gung eines Domain­na­mens grund­sätz­lich kei­ne Mar­ken­rechts­ver­let­zung dar­stellt [3] und der Anmel­der daher in einem sol­chen Fall regel­mä­ßig nur ris­kiert, die Kos­ten einer auf das Namens­recht gestütz­ten Abmah­nung und Löschung tra­gen zu müs­sen – die durch­aus nicht uner­heb­li­che Gefahr, dass am 23.10.2009 eine Viel­zahl von Domain­na­men rein spe­ku­la­tiv ange­mel­det wur­den.

Das Beru­fungs­ge­richt hat die­se Gefahr in tatrich­ter­li­cher Wür­di­gung des Sach­ver­halts zwar als ernst­zu­neh­mend ange­se­hen. Die von ihm in die­sem Zusam­men­hang ver­wen­de­ten Begrif­fe „Streu­zu­griff“ und „unter­schieds­lo­ses Abfi­schen“ las­sen jedoch erken­nen, dass es inso­weit bereits die damals im Hin­blick auf die erwei­ter­ten Mög­lich­kei­ten für die Anmel­dung von Domain­na­men sicher­lich gege­be­ne abs­trak­te Gefahr der Anmel­dung namens­ver­let­zen­der und des­halb rechts­wid­ri­ger Anmel­dun­gen als aus­rei­chend ange­se­hen hat.

Eine sol­che Sicht­wei­se trägt jedoch dem Umstand nicht hin­rei­chend Rech­nung, dass den Admin‑C nur bei tat­säch­lich vor­lie­gen­den gefah­rer­hö­hen­den Umstän­den Prü­fungs­pflich­ten tref­fen sol­len, die im Fal­le ihrer Nicht­er­fül­lung zu sei­ner Haf­tung als Stö­rer füh­ren.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 13. Dezem­ber 2012 – I ZR 150/​11

  1. Fort­füh­rung von BGH, Urteil vom 09.11.2011 – I ZR 150/​09, GRUR 2012, 304 = WRP 2012, 330 Bas­ler Haar-Kos­me­tik[]
  2. BGH, GRUR 2012, 304 Rn. 63 – Bas­ler Haar-Kos­me­tik[]
  3. vgl. BGH, GRUR 2012, 304 Rn. 26 – Bas­ler Haar-Kos­me­tik[]