Die Hin- und Herzahlung der Stammeinlage — und die Beweislast

Nach der ständi­gen Recht­sprechung des Bun­des­gericht­shofs1 ist in einem Rechtsstre­it um die Erfül­lung ein­er Ein­lageschuld (§ 19 Abs. 1 Gmb­HG, § 362 BGB) grund­sät­zlich der Infer­ent dar­legungs- und beweispflichtig dafür, dass die Ein­lage voll­ständig erbracht ist. Das gilt im Grund­satz auch bei einem län­geren Zeitab­stand seit der behaupteten Zahlung und späterem Erwerb des Geschäft­san­teils durch den nun­mehri­gen Gesellschafter, wie hier dem Beklagten zu 22.

Die Hin- und Herzahlung der Stammeinlage — und die Beweislast

Dabei unter­liegt es der — revi­sion­srechtlich nur eingeschränkt über­prüf­baren — Entschei­dung des Tatrichters, ob der Nach­weis geführt wor­den ist. Ste­ht die Ein­zahlung — wie hier — fest, dann ist es nach Ansicht des Bun­des­gericht­shofs aus Rechts­grün­den nicht zu bean­standen, wenn der Tatrichter ver­langt, dass der Insol­ven­zver­wal­ter für einen aus­nahm­sweise nicht zur Tilgung der Ein­lageschuld führen­den Umstand Vor­trag hält. Ins­beson­dere nach einem lan­gen Zeitraum wäre es einem Gesellschafter schw­er­lich möglich, alle denkbaren, der Erfül­lungswirkung ent­ge­gen­ste­hen­den Umstände als nicht vorhan­den darzule­gen.

Nichts anderes fol­gt aus dem Beschluss des Bun­des­gericht­shofs vom 8. Novem­ber 20043. Dort ist nicht etwa entsch­ieden, dass der Insol­ven­zver­wal­ter die Beweis­last dafür trägt, dass ein Hin- und Herzahlen tat­säch­lich stattge­fun­den hat. Vielmehr äußert sich der Bun­des­gericht­shof in dieser Entschei­dung lediglich zur Vor­tragslast des Insol­ven­zver­wal­ters, wenn er aus­führt, dass bei unstre­it­iger oder bewiesen­er Ein­lageleis­tung auf ein Kon­to der Gesellschaft von der Erfül­lung der Ein­lageschuld (als bewiesen­er Haupt­tat­sache) jeden­falls solange auszuge­hen sei, als nicht vom Insol­ven­zver­wal­ter konkrete Anhalt­spunk­te dafür dar­ge­tan sind, dass die Gesellschaft daran gehin­dert war, über den eingezahlten Betrag zu ver­fü­gen4. Danach obliegt dem Insol­ven­zver­wal­ter lediglich eine gesteigerte Vor­tragslast. Mit dem Beweis ist der Insol­ven­zver­wal­ter in diesen Fällen jedoch nicht belastet, vielmehr verbleibt die Beweis­last bei dem Infer­enten, wenn der Insol­ven­zver­wal­ter sein­er gesteigerten Vor­tragslast nachgekom­men ist.

Auf den Fall des “Hin- und Herzahlens” über­tra­gen bedeutet das, dass der Insol­ven­zver­wal­ter — angesichts der unstre­it­i­gen Ein­zahlung der Stam­mein­lage auf das Kon­to der Schuld­ner­in — Anhalt­spunk­te dafür aufzeigen muss, dass trotz der Ein­zahlung der Wert der Stam­mein­lage nicht in das freie Ver­mö­gen der GmbH gelangt ist. Kommt er dem nach, muss der Infer­ent (und/oder der Erwer­ber) sein­er­seits dar­legen und beweisen, dass der Betrag im Ver­mö­gen der GmbH verblieben und nur für eigene Aufwen­dun­gen der GmbH ver­wen­det wor­den ist.

Im Übri­gen bet­rifft die Bes­tim­mung des § 19 Abs. 5 Gmb­HG nicht alle Fälle gegen­läu­figer Zahlun­gen, son­dern nur solche, bei denen die Gesellschaft mit der Rück­zahlung einen — dazu noch voll­w­er­ti­gen und liq­uiden — Anspruch gegen den Gesellschafter erwirbt5. Dies ist nicht der Fall, wenn eine reine Schein­zahlung vor­liegt, bei der die im Voraus abge­sproch­ene Rück­zahlung keinen außer­halb dieser Abrede liegen­den Rechts­grund hat6.

Bun­des­gericht­shof, Beschluss vom 17. Sep­tem­ber 2013 — II ZR 142/12

  1. siehe nur BGH, Urteil vom 22.06.1992 — II ZR 30/91, ZIP 1992, 1303, 1305; Urteil vom 13.09.2004 — II ZR 137/02, ZIP 2005, 28, 29 []
  2. BGH, Beschluss vom 09.07.2007 — II ZR 222/06, ZIP 2007, 1755 Rn. 2 []
  3. BGH, Beschluss vom 08.11.2004 — II ZR 202/03, DStR 2005, 297 []
  4. vgl. BGH, Urteil vom 03.12 1990 — II ZR 215/89, ZIP 1991, 445, 446 f.; s. auch Goette, DStR 2005, 297 f. sowie Leitzen, RNotZ 2010, 254, 255 mwN []
  5. siehe hierzu BGH, Beschluss vom 10.07.2012 — II ZR 212/10, ZIP 2012, 1857 Rn. 18; Urteil vom 20.07.2009 — II ZR 273/07, BGHZ 182, 103 Rn. 11, 26 ff. — Cash­Pool II []
  6. vgl. insoweit BGH, Urteil vom 18.02.1991 — II ZR 104/90, BGHZ 113, 335, 347; Urteil vom 22.03.2004 — II ZR 7/02, ZIP 2004, 1046, 1047 []