Die ver­trag­lich quo­tal beschränk­te Haf­tung des GbR-Gesell­schaf­ter

Ist die Haf­tung der Gesell­schaf­ter einer Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts für eine Dar­le­hens­ver­bind­lich­keit der Gesell­schaft in dem Dar­le­hens­ver­trag auf den ihrer Betei­li­gungs­quo­te ent­spre­chen­den Teil der Gesell­schafts­schuld beschränkt wor­den, ist durch Aus­le­gung zu ermit­teln, ob sich ihre Haf­tung erhöht, wenn nicht alle Gesell­schafts­an­tei­le gezeich­net wer­den.

Die ver­trag­lich quo­tal beschränk­te Haf­tung des GbR-Gesell­schaf­ter

Die Haf­tung der Gesell­schaf­ter eines als Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts aus­ge­stal­te­ten geschlos­se­nen Immo­bi­li­en­fonds für Dar­le­hens­ver­bind­lich­kei­ten der GbR kann in dem Ver­trag zwi­schen der GbR und dem Dar­le­hens­ge­ber beschränkt wer­den [1]. Der Umfang die­ser Haf­tungs­be­schrän­kung ist durch Aus­le­gung des Dar­le­hens­ver­tra­ges zu ermit­teln [2].

Im vor­lie­gen­den Fall rich­tet sich die Haf­tungs­be­schrän­kung dem­nach nach dem aus­drück­lich in Bezug genom­me­nen Gesell­schafts­ver­trag. Danach beträgt die Haf­tungs­quo­te 1/​180. Der Gesell­schafts­ver­trag ent­hält kei­nen Anhalts­punkt dafür, dass der ein­zel­ne Gesell­schaf­ter mit einer höhe­ren Quo­te haf­tet, wenn weni­ger als 180 Anle­ger der Gesell­schaft bei­tre­ten.

In die­sem Zusam­men­hang kann sich nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs nicht mit Erfolg dar­auf beru­fen wer­den, nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­ho­fes [3] sol­le die per­sön­li­che Haf­tung der Gesell­schaf­ter den Kre­dit­ge­ber neben dem Gesell­schafts­ver­mö­gen zusätz­lich sichern, weil die Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts kein zuguns­ten ihrer Gläu­bi­ger gebun­de­nes Haft­ka­pi­tal besit­ze. Mit die­sem Leit­bild sei es nicht zu ver­ein­ba­ren, dass ein Gläu­bi­ger selbst dann einen Aus­fall erlei­de, wenn er sämt­li­che Gesell­schaf­ter erfolg­reich in Höhe des jeweils auf sie ent­fal­len­den Haf­tungs­an­teils in Anspruch neh­me.

Die­se Argu­men­ta­ti­on greift nicht durch.

Gesell­schafts­ver­trä­ge als GbR aus­ge­stal­te­ter Immo­bi­li­en­fonds sehen typi­scher­wei­se und, wie dar­ge­legt, auch im vor­lie­gen­den Fall die Beschrän­kung der per­sön­li­chen Haf­tung der Gesell­schaf­ter vor. Geschlos­se­ne Immo­bi­li­en­fonds sind Kapi­tal­an­la­ge­ge­sell­schaf­ten, deren Geschäfts­zweck auf die Errich­tung, den Erwerb und die Ver­wal­tung einer oder meh­re­rer Immo­bi­li­en­ob­jek­te mit einem im Vor­aus fest­ste­hen­den Inves­ti­ti­ons­vo­lu­men aus­ge­rich­tet ist. Um das bei einer Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts für den ein­zel­nen Anle­ger kaum ein­zu­schät­zen­de, ihn mög­li­cher­wei­se wirt­schaft­lich völ­lig über­for­dern­de Haf­tungs­ri­si­ko zu begren­zen, ent­hal­ten die Gesell­schafts­ver­trä­ge geschlos­se­ner Immo­bi­li­en­fonds, wenn sie ihrer Rechts­form nach Gesell­schaf­ten bür­ger­li­chen Rechts sind, übli­cher­wei­se Haf­tungs­be­schrän­kun­gen, nach denen ent­we­der die Haf­tung für rechts­ge­schäft­lich begrün­de­te Ver­bind­lich­kei­ten der Gesell­schaft auf das Fonds­ver­mö­gen begrenzt ist und die Gesell­schaf­ter nur mit ihrem Anteil am Gesell­schafts­ver­mö­gen haf­ten oder die Gesell­schaf­ter nur quo­tal, d.h. mit einem ihrer Geschäfts­be­tei­li­gung ent­spre­chen­den Anteil haf­ten [4]. Begnügt sich ein Gläu­bi­ger wie im Streit­fall die Dar­lehns­ge­be­rin abwei­chend von der gesetz­lich vor­ge­se­he­nen gesamt­schuld­ne­ri­schen Haf­tung der Gesell­schaf­ter mit deren quo­ta­ler Haf­tung „gemäß Gesell­schafts­ver­trag“, ohne eine Anpas­sung der Haf­tung an davon abwei­chen­de Betei­li­gungs­ver­hält­nis­se vor­zu­se­hen, muss er sich dar­an fest­hal­ten las­sen.

Dass im vor­lie­gen­den Fall in dem Dar­le­hens­ver­trag nicht nur auf den Gesell­schafts­ver­trag, son­dern auch auf das Ver­hält­nis des Gesell­schafts­an­teils zum Gesell­schafts­ka­pi­tal ver­wie­sen wird, recht­fer­tigt kei­ne ande­re Beur­tei­lung. Die­ser Ver­wei­sung ist nicht zu ent­neh­men, dass eine ande­re als die im Gesell­schafts­ver­trag ver­ein­bar­te Haf­tungs­quo­te gel­ten soll. Die Haf­tungs­quo­te, die sich, wie dar­ge­legt, auf­grund der im Gesell­schafts­ver­trag genau bezif­fer­ten Beträ­ge des Gesell­schafts­ka­pi­tals, der ein­zel­nen Ein­la­gen, des Gesamt­dar­le­hens und der auf die ein­zel­nen Antei­le ent­fal­len­den Dar­le­hens­rück­zah­lungs­ver­pflich­tung ergibt, stellt die Ober­gren­ze der Haf­tung dar [5].

Ob die Dar­lehns­ge­be­rin und die GbR bei Abschluss des Dar­le­hens­ver­tra­ges Kennt­nis von den tat­säch­li­chen Betei­li­gungs­ver­hält­nis­sen hat­ten, ist für die Aus­le­gung des Dar­le­hens­ver­tra­ges uner­heb­lich.

Eine sol­che Kennt­nis der Ver­trags­part­ner bei Abschluss des Dar­le­hens­ver­trags ist vom Beru­fungs­ge­richt nicht fest­ge­stellt und von den Par­tei­en in den Tat­sa­chen­in­stan­zen nicht vor­ge­tra­gen wor­den. Auch die Revi­si­on macht dies nicht gel­tend, son­dern führt ledig­lich aus, dass aus einer ent­spre­chen­den Kennt­nis der Dar­lehns­ge­be­rin nicht gefol­gert wer­den könn­te, dass sie sich annä­hernd der Hälf­te ihres Rück­zah­lungs­an­spru­ches bege­ben woll­te. Hier­auf kommt es indes nicht an, weil, wie dar­ge­legt, bereits unab­hän­gig von einer etwai­gen Kennt­nis der Dar­lehns­ge­be­rin von einer Haf­tungs­quo­te von 1/​180 aus­zu­ge­hen ist.

Die – unter­stell­te – Kennt­nis der Ver­trags­part­ner von den tat­säch­li­chen Betei­li­gungs­ver­hält­nis­sen im Zeit­punkt des Ver­trags­schlus­ses wür­de auch nicht zu einer ande­ren Aus­le­gung des Dar­le­hens­ver­trags füh­ren. Für die Dar­lehns­ge­be­rin war erkenn­bar, dass die Haf­tung der ein­zel­nen Gesell­schaf­ter im Gesell­schafts­ver­trag quo­tal begrenzt war. Für sie war auch erkenn­bar, dass die Gesell­schaf­ter als Kapi­tal­an­le­ger ein berech­tig­tes Inter­es­se an einer Haf­tungs­be­gren­zung hat­ten, deren Höhe genau fest­stand und nicht von der künf­ti­gen Ent­wick­lung, ins­be­son­de­re von der Anzahl der gezeich­ne­ten Betei­li­gun­gen, abhing. Vor die­sem Hin­ter­grund konn­te sie die in den Dar­le­hens­ver­trag auf­ge­nom­me­ne Haf­tungs­be­gren­zung nur so ver­ste­hen, dass die­sel­be Haf­tungs­quo­te wie im Gesell­schafts­ver­trag ver­ein­bart wer­den soll­te. Der Dar­le­hens­ver­trag ent­hält kei­nen aus­rei­chen­den Anhalts­punkt dafür, dass die Haf­tungs­quo­te, abwei­chend vom Gesell­schafts­ver­trag, von der Anzahl der gezeich­ne­ten Betei­li­gun­gen abhän­gen und bei einer nur teil­wei­sen Plat­zie­rung höher als nach dem Gesell­schafts­ver­trag sein soll­te.

Der Fonds­pro­spekt und die dar­in vor­ge­se­he­ne Plat­zie­rungs­ga­ran­tie kön­nen bei der Beur­tei­lung der Haf­tungs­quo­te nicht berück­sich­tigt wer­den. Der Umfang der Haf­tungs­be­schrän­kung rich­tet sich nach dem Dar­le­hens­ver­trag. Für das Rechts­ver­hält­nis der Dar­le­hens­ver­trags­par­tei­en kommt es auf den Fonds­pro­spekt grund­sätz­lich nicht an [6]. Der Fonds­pro­spekt wird anders als der Gesell­schafts­ver­trag im Dar­le­hens­ver­trag auch nicht in Bezug genom­men.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 27. Novem­ber 2012 – XI ZR 144/​11

  1. BGH, Urtei­le vom 21.01.2002 – II ZR 2/​00, BGHZ 150, 1, 5 f. und vom 08.02.2011 – II ZR 263/​09, BGHZ 188, 233 Rn. 24 mwN[]
  2. BGH, Urteil vom 08.02.2011 aaO Rn. 31[]
  3. BGH, Urtei­le vom 07.04.2003 – II ZR 56/​02, BGHZ 154, 370, 373; und vom 08.02.2011 – II ZR 243/​09, WM 2011, 889 Rn. 25[]
  4. BGH, Urteil vom 21.01.2002 – II ZR 2/​00, BGHZ 150, 1, 4 f.[]
  5. vgl. BGH, Urteil vom 08.02.2011 – II ZR 263/​09, BGHZ 188, 233 Rn. 34[]
  6. BGH, Urteil vom 08.02.2011 – II ZR 243/​09, WM 2011, 889 Rn. 34[]