Eva B. und die Hin­ter­blie­be­nen­ren­te nach dem Bundesentschädigungsgesetz

Nach dem Verster­ben eines Ehe­part­ners, der als Ver­folg­ter im Sin­ne des BEG aner­kannt war, steht dem Über­le­ben­den dann eine Hin­ter­blie­be­nen­ren­te gem. § 41 BEG zu, wenn mit der erfor­der­li­chen über­wie­gen­den Wahr­schein­lich­keit davon aus­zu­ge­hen ist, dass der Tod des Ehe­part­ners auf einer durch die Ver­fol­gung beru­hen­den Schä­di­gung sei­nes Kör­pers oder sei­ner Gesund­heit beruht.

Eva B. und die Hin­ter­blie­be­nen­ren­te nach dem Bundesentschädigungsgesetz

Ob die­se Vor­aus­set­zung in dem hier vor­lie­gen­den Fall der Eva B. erfüllt sind, hat­te das Land­ge­richt Düs­sel­dorf zu ent­schei­den. Anton B. war Ende 2009 im Alter von 84 Jah­ren an einer Lun­gen­ar­te­rien­em­bo­lie ver­stor­ben. Zwei Wochen zuvor war ihm ein Herz­schritt­ma­cher ein­ge­setzt wor­den. Sei­ne Wit­we ver­trat die Auf­fas­sung, dass die in den 1950er Jah­ren erst­mals dia­gnos­ti­zier­te Herz­er­kran­kung ihres Man­nes auf die kör­per­li­chen und psy­chi­schen Belas­tun­gen wäh­rend sei­ner in den Jah­ren 1943 bis 1945 erfolg­ten Inter­nie­rung in Kon­zen­tra­ti­ons­la­gern und der ihm in die­ser Zeit abver­lang­ten Zwangs­ar­beit zurück­zu­füh­ren sei. Da die­se Herz­er­kran­kung die Ope­ra­ti­on zum Ein­set­zen des Herz­schritt­ma­chers erfor­der­lich gemacht und die­se wie­der­um zu der todes­ur­säch­li­chen Lun­gen­ar­te­rien­em­bo­lie geführt habe, sei der Tod ihres Man­nes im Ergeb­nis auf die durch die Ver­fol­gung beding­te Schä­di­gung sei­nes Her­zens zurückzuführen.

Der Antrag der Eva B., ver­tre­ten durch den Ver­band Deut­scher Sin­ti und Roma, auf Hin­ter­blie­be­nen­ren­te gem. § 41 BEG ist vom Land NRW, ver­tre­ten durch die Bezirks­re­gie­rung Düs­sel­dorf, mit der Begrün­dung abge­lehnt wor­den, dass die hier­für vom Gesetz­ge­ber gefor­der­ten Vor­aus­set­zun­gen nicht vor­lä­gen. Es sei nicht mit der erfor­der­li­chen über­wie­gen­den Wahr­schein­lich­keit davon aus­zu­ge­hen, dass der Tod des Ehe­man­nes der Klä­ge­rin auf einer durch die Ver­fol­gung beru­hen­den Schä­di­gung sei­nes Kör­pers oder sei­ner Gesund­heit beruhe.

Nach Auf­fas­sung des Lan­des hat nach Prü­fung der bis in die 1950er Jah­re zurück­rei­chen­den ärzt­li­chen Unter­la­gen bereits kein über­wie­gend wahr­schein­li­cher Zusam­men­hang zwi­schen der Ver­fol­gung von Anton B. in den Jah­ren 1943 bis 1945 und sei­ner Herz­er­kran­kung fest­ge­stellt wer­den kön­nen. Auch sei es nicht über­wie­gend wahr­schein­lich, dass die todes­ur­säch­li­che Lun­gen­ar­te­rien­em­bo­lie Fol­ge der Herz­schritt­ma­cher­ope­ra­ti­on und damit der Herz­er­kran­kung gewe­sen sei. Ein zu die­sen Fra­gen vom Gericht ein­ge­hol­tes medi­zi­ni­sches Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten bestä­tig­te zunächst die­se Auf­fas­sung der Beklagten.

Alter­na­tiv hat­te die Klä­ge­rin im Ver­wal­tungs­ver­fah­ren Ansprü­che auf Bei­hil­fe­leis­tun­gen gem. § 41a BEG gel­tend gemacht. Nach § 41a BEG ste­hen den Hin­ter­blie­be­nen eines Ver­folg­ten Bei­hil­fe­leis­tun­gen in Höhe von 2/​3 der Hin­ter­blie­be­nen­ren­ten gem. § 41 BEG zu, wenn der Ver­stor­be­ne eine Erwerbs­min­de­rungs­ren­te in Höhe von min­des­tens 70% des Maxi­mal­be­tra­ges bezo­gen hat­te. Der Ehe­mann der Klä­ge­rin erhielt bis zu sei­nem Tod eine Erwerbs­min­de­rungs­ren­te in ent­spre­chen­der Höhe. Bei der Bemes­sung der Höhe sei­ner Ren­te wur­de u. a. sei­ne Herz­er­kran­kung als durch die Ver­fol­gung bedingt aner­kannt und berücksichtigt. 

Das Land­ge­richt Düs­sel­dorf hat­te den Par­tei­en eine ver­gleichs­wei­se Eini­gung auf Grund­la­ge der Bei­hil­fe­leis­tun­gen gem. § 41a BEG vor­ge­schla­gen. Sei­tens der Beklag­ten bestan­den zunächst Beden­ken, ob auf­grund der im Ver­fah­ren gewon­ne­nen medi­zi­ni­schen Erkennt­nis­se die Höhe der Ren­te des Ver­stor­be­nen zutref­fend bemes­sen wor­den sei. Wür­de näm­lich die Herz­er­kran­kung des Ehe­manns der Klä­ge­rin kei­nen ver­fol­gungs­be­ding­ten Gesund­heits­scha­den dar­stel­len, wäre auch eine Erwerbs­min­de­rungs­ren­te von 70% der Höhe nach nicht ange­mes­sen gewe­sen. Dies hät­te, so die Beklag­te, wie­der­um zur Fol­ge haben kön­nen, dass der Klä­ge­rin auch kei­ne Bei­hil­fe­leis­tun­gen gem. § 41a BEG zustün­den. Auf die­se Argu­men­ta­ti­on hat die Bekla­ge im Lau­fe der münd­li­chen Ver­hand­lung kei­nen Bezug mehr genom­men, son­dern der Klä­ge­rin die im Ver­gleich ver­ein­bar­ten Bei­hil­fe­leis­tun­gen zuge­stan­den. Nun soll Eva B. rück­wir­kend zum 01.03.2009 Bei­hil­fe­leis­tun­gen in Höhe von monat­lich 600,00 EUR erhal­ten. Dar­über hin­aus über­nimmt das Land – vor­be­halt­lich einer gesetz­li­chen Rechts­grund­la­ge – auch die zukünf­ti­gen Kos­ten der Kran­ken­ver­sor­gung der Klägerin. 

Da die Klä­ge­rin bei der Ver­hand­lung nicht anwe­send sein konn­te, haben sich ihre Ver­tre­ter ein drei­wö­chi­ges Wider­rufs­recht vorbehalten. 

Land­ge­richt Düs­sel­dorf, Pres­se­mit­tei­lung vom 7. August 2012 – 27 O 10/​09 E