Hin­ter­zie­hun­gen ver­schie­de­ner Steu­ern – als Tateinheit

Die Abga­be jeder ein­zel­nen unrich­ti­gen Steu­er­erklä­rung ist zwar grund­sätz­lich als selb­stän­di­ge Tat im Sin­ne von § 53 StGB zu werten.

Hin­ter­zie­hun­gen ver­schie­de­ner Steu­ern – als Tateinheit

Von Tat­mehr­heit ist also aus­zu­ge­hen, wenn die abge­ge­be­nen Steu­er­erklä­run­gen ver­schie­de­ne Steu­er­ar­ten, ver­schie­de­ne Besteue­rungs­zeit­räu­me oder ver­schie­de­ne Steu­er­pflich­ti­ge betreffen.

Jedoch liegt aus­nahms­wei­se Tat­ein­heit vor, wenn die Hin­ter­zie­hun­gen durch die­sel­be Erklä­rung bewirkt wer­den oder wenn meh­re­re Steu­er­erklä­run­gen durch eine kör­per­li­che Hand­lung gleich­zei­tig abge­ge­ben werden.

Ent­schei­dend dabei ist, dass die Abga­be der Steu­er­erklä­run­gen im äuße­ren Vor­gang zusam­men­fällt und über­dies in den Erklä­run­gen über­ein­stim­men­de unrich­ti­ge Anga­ben über die Besteue­rungs­grund­la­gen ent­hal­ten sind [1].

Über­ein­stim­men­de unrich­ti­ge Anga­ben im Sin­ne die­ser Recht­spre­chung lie­gen häu­fig im Ver­hält­nis von Ein­kom­men­steu­er, Gewer­be­steu­er- und Umsatz­steu­er­hin­ter­zie­hung vor [2]; denn hier wer­den über­ein­stim­men­de unrich­ti­ge Anga­ben regel­mä­ßig des­halb abge­ge­ben, weil der Täter sich bei unter­schied­li­chen Anga­ben über die steu­er­lich erheb­li­chen Tat­sa­chen in den ver­schie­de­nen Steu­er­erklä­run­gen, die letzt­lich jeweils den­sel­ben Lebens­sach­ver­halt betref­fen, einem erhöh­ten Ent­de­ckungs­ri­si­ko aus­set­zen wür­de [3].

Dies gilt auch für gleich­zei­tig hin­ter­zo­ge­ne Gewer­be- und Umsatz­steu­er: Bei Ein­künf­ten aus Gewer­be­be­trieb (§ 15 EStG) unter­liegt der Gewinn – auch Gewinn­an­tei­le – der Ein­kom­men­steu­er (§ 2 Abs. 1 EStG). Die Höhe des Umsat­zes, an den die Umsatz­steu­er anknüpft (§ 10 UStG), ist wie­der­um ein ent­schei­den­der Fak­tor für die Höhe des aus dem Gewer­be­be­trieb erziel­ten Gewinns. Der für die Gewer­be­steu­er maß­geb­li­che Gewer­be­er­trag knüpft wie­der­um an die Vor­schrif­ten des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes über die Gewinn­ermitt­lung an (§ 7 GewStG).

Bei mehr­fa­cher tat­ein­heit­li­cher Ver­wirk­li­chung des Tat­be­stan­des der Steu­er­hin­ter­zie­hung ist das „Aus­maß“ des jewei­li­gen Tat­er­fol­ges zu addie­ren, da in sol­chen Fäl­len eine ein­heit­li­che Hand­lung im Sin­ne des § 52 StGB vor­liegt, die für die Straf­zu­mes­sung einer ein­heit­li­chen Bewer­tung bedarf [4].

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 27. Okto­ber 2015 – 1 StR 373/​15

  1. BGH, Beschlüs­se vom 21.05.1985 – 1 StR 583/​84, BGHSt 33, 163; vom 05.03.1996 – 5 StR 73/​96, wis­tra 1996, 231; und vom 02.11.2010 – 1 StR 544/​09, NStZ 2011, 294; Urtei­le vom 28.10.2004 – 5 StR 276/​04, NStZ-RR 2005, 53, 56; und vom 24.11.2004 – 5 StR 220/​04, NStZ 2005, 516[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 05.03.1996 – 5 StR 73/​96, wis­tra 1996, 231[]
  3. BGH, Beschluss vom 05.03.1996 – 5 StR 73/​96, wis­tra 1996, 231[]
  4. BGH, Urteil vom 02.12 2008 – 1 StR 416/​08, BGHSt 53, 71, 85[]