IHK-Bei­trä­ge – und das über­höh­te Eigen­ka­pi­tal der Kammer

Die Bei­trags­be­schei­de zwei­er nie­der­säch­si­scher Indus­trie- und Han­dels­kam­mern sind wegen über­höh­ter Rück­la­gen und unzu­läs­sig erhöh­ten Eigen­ka­pi­tals rechts­wid­rig. Das hat jetzt das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig entschieden.

Die beklag­ten Indus­trie- und Han­dels­kam­mern zogen die kla­gen­den Unter­neh­mer u.a. zur Zah­lung von Bei­trä­gen für die Jah­re 2011, 2014 und 2016 her­an. Den durch Bei­trä­ge zu decken­den Finanz­be­darf ver­an­schlag­ten sie in jähr­li­chen Wirt­schafts­plä­nen, die eine Zusam­men­stel­lung der geplan­ten Ein­nah­men und Aus­ga­ben ent­hiel­ten. Die Kam­mern sahen für die Jah­re 2011, 2014 und 2016 jeweils eine Rück­la­ge zum Aus­gleich von Bei­trags­aus­fäl­len und sons­ti­gen ergeb­nis­re­le­van­ten Schwan­kun­gen vor und behiel­ten ihre in den Vor­jah­ren erhöh­te Net­to­po­si­ti­on (fest­ge­setz­tes Kapi­tal) bei. 

Das erst­in­stanz­lich mit den Kla­gen befass­te Ver­wal­tungs­ge­richt Braun­schweig hat die gegen die­se Bei­trags­fest­set­zun­gen gerich­te­ten Kla­gen abge­wie­sen [1]. Dage­gen hat­ten die Beru­fun­gen der Unter­neh­mer vor dem Nie­der­säch­si­schen Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Erfolg [2]. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat das Beru­fungs­ur­teil nun bestä­tigt und die Revi­sio­nen der beklag­ten Indus­trie- und Han­dels­kam­mern zurückgewiesen: 

Die Bil­dung von Ver­mö­gen ist den Kam­mern gesetz­lich ver­bo­ten. Rück­la­gen dür­fen sie nur bil­den, soweit sie hier­für einen sach­li­chen Zweck im Rah­men zuläs­si­ger Kam­mer­tä­tig­keit anfüh­ren kön­nen. Auch der Umfang der Rück­la­gen muss von die­sem sach­li­chen Zweck gedeckt sein. Die Pro­gno­se über die Höhe des Mit­tel­be­darfs muss dem Gebot der haus­halts­recht­li­chen Schätz­ge­nau­ig­keit genü­gen, also bezo­gen auf den Zeit­punkt ihrer Erstel­lung sach­ge­recht und ver­tret­bar aus­fal­len. An die­sen Maß­stä­ben ist nicht nur die Bil­dung von Rück­la­gen, son­dern gene­rell jede Bil­dung von Ver­mö­gen – also auch die Erhö­hung der Net­to­po­si­ti­on – zu mes­sen. Dies müs­sen die Kam­mern bei der jähr­li­chen Auf­stel­lung ihres Wirt­schafts­plans beach­ten. Über­höh­te Rück­la­gen und Net­to­po­si­tio­nen müs­sen die Kam­mern bald­mög­lichst auf ein zuläs­si­ges Maß zurückführen.

Das von den beklag­ten Kam­mern in den Jah­ren 2011, 2014 und 2016 vor­ge­hal­te­ne Ver­mö­gen war über­höht. Teils über­stie­gen die geplan­ten Rück­la­gen den jeweils pro­gnos­ti­zier­ten Mit­tel­be­darf. Bei den übri­gen Rück­la­gen fehl­te es eben­so wie bei den erhöh­ten Net­to­po­si­tio­nen an einer schlüs­si­gen Dar­le­gung des jewei­li­gen Finanzbedarfs.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urtei­le vom 22. Janu­ar 2020 – 8 C 9.198 C 10.19 und 8 C 11.19

  1. VG Braun­schweig, Urtei­le vom 20.04.2017 – 1 A 59/​16, 1 A 40/​16 und 1 A 221/​16[]
  2. Nds. OVG, Urtei­le vom 17.09.2018 – 8 LB 130/​17, 8 LB 128/​17 und 8 LB 129/​17[]