Kai­man oder Kro­ko­dil?

Das Gericht der Euro­päi­schen Uni­on sieht in der Bekannt­heit des Kro­ko­dils von Lacos­te ein mög­li­ches Ein­tra­gungs­hin­der­nis für For­men von Kro­ko­di­len oder Kai­ma­nen in Bezug auf Leder­wa­ren, Beklei­dungs­stü­cke und Schu­he.

Kai­man oder Kro­ko­dil?

kaimanIm Jahr 2007 mel­de­te die pol­ni­sche Gesell­schaft Euge­nia Mocek und Jad­wi­ga Wen­ta KAJMAN Fir­ma Hand­lo­wo-Uslugo­wo-Pro­duk­cy­j­na (Mocek und Wen­ta) beim Har­mo­ni­sie­rungs­amt für den Bin­nen­markt (HABM) das nach­ste­hend wie­der­ge­ge­be­ne Bild­zei­chen für ver­schie­de­ne Waren und Dienst­leis­tun­gen (u. a. Taschen, Beklei­dungs­stü­cke und Kis­sen für Tie­re, Schu­he und Ver­mie­tung von Immo­bi­li­en) als Gemein­schafts­mar­ke an:

lacosteDie fran­zö­si­sche Gesell­schaft Lacos­te trat die­ser Anmel­dung ent­ge­gen, wobei sie sich auf eine älte­re Gemein­schafts­mar­ke berief, deren Inha­be­rin sie ist:

Das HABM gab dem Wider­spruch von Lacos­te teil­wei­se statt und lehn­te die Ein­tra­gung des Zei­chens von Mocek und Wen­ta für Leder­wa­ren, Beklei­dungs­stü­cke und Schu­he ab. Mocek und Wen­ta klag­te dar­auf­hin beim Gericht der Euro­päi­schen Uni­on auf Auf­he­bung der Ent­schei­dung des HABM. Mit sei­nem jetzt ver­kün­de­ten Urteil weist das Gericht der Euro­päi­schen Uni­on die Kla­ge ab und bestä­tigt damit die Ableh­nung der Ein­tra­gung des Zei­chens von Mocek und Wen­ta für Leder­wa­ren, Beklei­dungs­stü­cke und Schu­he:

Das Uni­ons­ge­richt prüft zunächst, ob die Gefahr einer Ver­wechs­lung der ein­an­der gegen­über­ste­hen­den Zei­chen besteht, was der Fall sein könn­te, wenn sie einen gewis­sen Grad an bild­li­cher, klang­li­cher und begriff­li­cher Ähn­lich­keit auf­wei­sen. Das Uni­ons­ge­richt kommt wie das HABM ers­tens zu dem Ergeb­nis, dass die ein­an­der gegen­über­ste­hen­den Zei­chen eine gerin­ge bild­li­che Ähn­lich­keit auf­wei­sen, da bei­de ein Rep­til der Ord­nung der Kro­ko­di­le abbil­den und da die brei­te Öffent­lich­keit nor­ma­ler­wei­se nur ein unvoll­kom­me­nes Bild einer Mar­ke im Gedächt­nis behält (in bei­den Fäl­len die Abbil­dung eines Rep­tils der Ord­nung der Kro­ko­di­le im Pro­fil mit gebo­ge­nem Schwanz). Das Gericht hält fer­ner den klang­li­chen Aspekt für irrele­vant, da die Mar­ke von Lacos­te, anders als die ange­mel­de­te Mar­ke, kei­ne Wort­be­stand­tei­le ent­hält. Schließ­lich bestä­tigt das Uni­ons­ge­richt, dass die ein­an­der gegen­über­ste­hen­den Zei­chen zumin­dest durch­schnitt­li­che begriff­li­che Ähn­lich­keit auf­wei­sen, da die Bild­be­stand­tei­le jedes die­ser Zei­chen begriff­lich einem Rep­til der Ord­nung der Kro­ko­di­le ent­spre­chen.

Das Uni­ons­ge­richt prüft sodann, ob die schwa­che bild­li­che Ähn­lich­keit und die durch­schnitt­li­che begriff­li­che Ähn­lich­keit der ein­an­der gegen­über­ste­hen­den Zei­chen ange­sichts der unbe­strit­te­nen Tat­sa­che, dass die Mar­ke Lacos­te für Leder­wa­ren (ins­be­son­de­re Taschen), Beklei­dungs­stü­cke und Schu­he durch Benut­zung erhöh­te Kenn­zeich­nungs­kraft erlangt hat, den Schluss zulas­sen, dass die Gefahr einer Ver­wechs­lung die­ser Zei­chen besteht. Das Gericht bejaht für die­se drei Waren­ar­ten eine Ver­wechs­lungs­ge­fahr, da die brei­te Öffent­lich­keit glau­ben könn­te, dass die Waren mit den ein­an­der gegen­über­ste­hen­den Zei­chen aus dem­sel­ben Unter­neh­men oder aus wirt­schaft­lich mit­ein­an­der ver­bun­de­nen Unter­neh­men stam­men. Ins­be­son­de­re könn­te die Abbil­dung des Kai­m­ans von Mocek und Wen­ta als Vari­an­te der Abbil­dung des Kro­ko­dils von Lacos­te wahr­ge­nom­men wer­den, da Letz­te­re in der brei­ten Öffent­lich­keit weit­hin bekannt ist.

Gericht der Euro­päi­schen Uni­on, Urteil vom 30. Sep­tem­ber 2015 – T ‑364/​13