Kapi­tal­erhö­hung – und die gefälsch­te Bankbestätigung

Wird dem mit der Anmel­dung der Kapi­tal­erhö­hung beim Han­dels­re­gis­ter beauf­trag­ten Notar eine gefälsch­te Bank­be­stä­ti­gung als Beleg vor­ge­legt und bean­tragt die­ser ohne die Fäl­schung zu bemer­ken, die Durch­füh­rung der Kapi­tal­erhö­hung in das Han­dels­re­gis­ter ein­zu­tra­gen, so liegt hier­in kei­ne mit­tel­ba­re Falsch­be­ur­kun­dung (§ 271 Abs. 1 StGB).

Kapi­tal­erhö­hung – und die gefälsch­te Bankbestätigung

Zwar han­delt es sich bei dem Han­dels­re­gis­ter um ein öffent­li­ches Regis­ter im Sin­ne des § 271 Abs. 1 StGB [1]. Auch war die Erklä­rung über die voll­zo­ge­ne Kapi­tal­erhö­hung unrich­tig. Indes wird nicht durch jede in einem öffent­li­chen Regis­ter ent­hal­te­ne unrich­ti­ge Anga­be, die ein Außen­ste­hen­der durch Täu­schung des gut­gläu­bi­gen Amts­trä­gers bewirkt, der Tat­be­stand des § 271 Abs. 1 StGB erfüllt.

Straf­be­wehrt beur­kun­det im Sin­ne der Vor­schrift sind viel­mehr nur die­je­ni­gen Erklä­run­gen, Ver­hand­lun­gen oder Tat­sa­chen, auf die sich der öffent­li­che Glau­be, das heißt die „vol­le Beweis­wir­kung für und gegen jeder­mann“ erstreckt. Wel­che Anga­ben dies im ein­zel­nen Fal­le sind, kann sich, wenn es an einer aus­drück­li­chen Vor­schrift fehlt, mit­tel­bar aus den gesetz­li­chen Bestim­mun­gen erge­ben, die für Errich­tung und Zweck des Regis­ters maß­geb­lich sind. Dabei ist auch die Anschau­ung des Rechts­ver­kehrs zu beachten.

Bei der Prü­fung, ob es gerecht­fer­tigt ist, die erhöh­te Beweis­kraft des Regis­ters auf eine dar­in ange­führ­te Tat­sa­che zu bezie­hen, ist ein stren­ger Maß­stab anzu­le­gen. Eine Beweis­wir­kung für und gegen jeder­mann kann nur dann ange­nom­men wer­den, wenn kein Zwei­fel besteht, dass dies unter Berück­sich­ti­gung der Ver­kehrs­an­schau­ung dem Sinn und Zweck des Geset­zes ent­spricht [2].

Gemes­sen an die­sen Maß­stä­ben besteht hin­sicht­lich der Ein­tra­gung im Han­dels­re­gis­ter über die Durch­füh­rung der Erhö­hung des Grund­ka­pi­tals (§ 188 AktG) der beson­de­re öffent­li­che Glau­be nur dahin, dass der die Ein­tra­gung Anmel­den­de die­se Erklä­run­gen abge­ge­ben hat; auf die inhalt­li­che Rich­tig­keit des Erklär­ten erstreckt er sich hin­ge­gen nicht [3].

Eine gesetz­li­che Bestim­mung, die dem Han­dels­re­gis­ter hin­sicht­lich der inhalt­li­chen Rich­tig­keit der ein­ge­tra­ge­nen Tat­sa­che eine Beweis­wir­kung für und gegen jeder­mann bei­misst, fehlt. Die­se folgt ins­be­son­de­re auch nicht aus der Publi­zi­tät des Han­dels­re­gis­ters gemäß § 15 HGB [4].

Die in § 15 Abs. 2 HGB gere­gel­te posi­ti­ve Publi­zi­täts­wir­kung wirkt nur zuguns­ten des Unter­neh­mens­trä­gers und setzt über­dies die inhalt­li­che Rich­tig­keit der ein­ge­tra­ge­nen Tat­sa­che vor­aus [5]. Dem­ge­gen­über knüpft § 15 Abs. 3 HGB zwar an die inhalt­li­che Unrich­tig­keit der – wie hier – ein­tra­gungs­pflich­ti­gen Tat­sa­che an; der aus der Ein­tra­gung fol­gen­de Rechts­schein wirkt jedoch nicht gegen­über jeder­mann, son­dern aus­schließ­lich gegen den Unternehmensträger.

Die vom Regis­ter­ge­richt im Rah­men der Ein­tra­gung zu beach­ten­den Ver­fah­rens­grund­sät­ze und des­sen hier­aus fol­gen­de Prü­fungs­in­ten­si­tät strei­ten dage­gen, den öffent­li­chen Glau­ben auf die inhalt­li­che Rich­tig­keit des Erklär­ten zu erstre­cken. Denn dem Regis­ter­ge­richt obliegt gemäß §§ 26, 382 FamFG zwar die Kon­trol­le, ob die gesetz­li­chen Bedin­gun­gen für die Ein­tra­gung der Durch­füh­rung der Kapi­tal­erhö­hung vor­lie­gen, was nach all­ge­mei­ner Auf­fas­sung auch deren mate­ri­el­le Vor­aus­set­zun­gen umfasst [6].

Indes begrenzt und been­det die Vor­la­ge einer ent­spre­chen­den Bank­be­stä­ti­gung (§ 188 Abs. 2 Satz 1, § 37 Abs. 1 Satz 3 AktG) regel­mä­ßig die regis­ter­ge­richt­li­che Kon­trol­le hin­sicht­lich der zur Kapi­tal­erhö­hung geleis­te­ten Bar­ein­la­ge [7].

In den Fäl­len, in denen die Vor­la­ge einer Bank­be­stä­ti­gung zum Nach­weis der geleis­te­ten Bar­ein­la­ge nicht mög­lich ist, genügt eine Plau­si­bi­li­täts­prü­fung des Regis­ter­ge­richts auf Grund­la­ge der mit der Anmel­dung abge­ge­be­nen Erklä­run­gen und Nach­wei­se, sofern kei­ne begrün­de­ten Zwei­fel an der Rich­tig­keit der mit­ge­teil­ten Tat­sa­chen bestehen [8].

Vor die­sem Hin­ter­grund kann auch unter Berück­sich­ti­gung der Anschau­un­gen des Rechts­ver­kehrs nicht davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass der Ein­tra­gung im Han­dels­re­gis­ter über die Durch­füh­rung der Kapi­tal­erhö­hung hin­sicht­lich ihrer inhalt­li­chen Rich­tig­keit der beson­de­re öffent­li­che Glau­be zukommt [9].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 14. Juni 2016 – 3 StR 128/​16

  1. OLG Ham­burg, Beschluss vom 22.04.2015 – 1 Ws 47/​15, Stra­Fo 2015, 284, 285[]
  2. vgl. für öffent­li­che Urkun­den BGH, Urtei­le vom 12.10.1995 – 4 StR 259/​95, NJW 1996, 470; vom 16.04.1996 – 1 StR 127/​96, BGHSt 42, 131[]
  3. vgl. bereits RG, Urtei­le vom 05.11.1888 – Rep. 2113/​88, RGSt 18, 179, 180; vom 11.02.1904 – D 3658/​03, GA 51 (1904), 187; Beck­OK StGB/​Weidemann, § 271 Rn. 8; LK/​Zieschang, StGB, 12. Aufl., § 271 Rn. 46; S/​S‑Heine/​Schuster, StGB, 29. Aufl., § 271 Rn. 22; KK-Akt­G/Al­ten­hain, 3. Aufl., § 399 Rn.203 mwN[]
  4. aA OLG Stutt­gart, Urteil vom 09.08.2012 – 4 Ss 198/​12, NStZ-RR 2013, 14[]
  5. vgl. etwa Ebenroth/​Boujong/​Joost/​Strohn/​Gehrlein, HGB, 3. Aufl., § 15 Rn. 17 mwN[]
  6. Bay­O­bLG, Beschluss vom 09.04.2002 – 3Z BR 39/​02, RNotZ 2002, 407; Grigoleit/​Rieder/​Holzmann, AktG, § 188 Rn. 37; Elser in: Hei­del, Akti­en­recht, 4. Aufl., § 188 Rn. 30; Hüffer/​Koch, AktG, 12. Aufl., § 188 Rn.20; Münch­Komm-Akt­G/­Schürn­brand, 4. Aufl., § 188 Rn. 47; Spindler/​Stilz/​Servatius, AktG, 3. Aufl., § 188 Rn. 33[]
  7. BGH, Urteil vom 18.02.1991 – II ZR 104/​90, NJW 1991, 1754, 1758[]
  8. vgl. BGH, Beschluss vom 21.06.2011 – II ZB 15/​10, NZG 2011, 907, 908 mwN zur all­ge­mei­nen Prü­fungs­pflicht des Regis­ter­ge­richts; Grigoleit/​Rieder/​Holzmann aaO, Rn. 38; Hüffer/​Koch aaO; Elser aaO; Münch­Komm-Akt­G/­Schürn­brand aaO, Rn. 48[]
  9. vgl. KK-Akt­G/Al­ten­hain, 3. Aufl., § 399 Rn.203; Münch­Komm-StGB/­Kie­the, 2. Aufl., § 399 AktG Rn. 161; Münch­Komm-Akt­G/­Schaal, § 399 Rn. 245; Park/​Südbeck, Kapi­tal­markt­straf­recht, 3. Aufl., § 399 AktG Rn. 56; Spindler/​Stilz/​Hefendehl, AktG, 3. Aufl., § 399 Rn. 255; all­ge­mein zur feh­len­den Beweis­kraft des Han­dels­re­gis­ters vgl. Baumbach/​Hopt, HGB, 36. Aufl., § 9 Rn. 14 sowie § 15 Rn. 16; Koch/​Rudzio, ZZP 122 (2009), 37, 38 ff.[]