Mar­ken­recht­li­che Pro­ble­me beim Han­del mit gebrauch­ten Computerprogrammen

Der Mar­ken­in­ha­ber muss es nach Art. 13 Abs. 2 GMV nicht hin­neh­men, dass sei­ne Mar­ke für den wei­te­ren Ver­trieb der von ihm oder mit sei­ner Zustim­mung unter die­ser Mar­ke in Ver­kehr gebrach­ten Kopie eines Com­pu­ter­pro­gramms ver­wen­det wird, wenn die ernst­li­che Gefahr besteht, dass der Erwer­ber der Kopie das Urhe­ber­recht am Com­pu­ter­pro­gramm ver­letzt [1].

Mar­ken­recht­li­che Pro­ble­me beim Han­del mit gebrauch­ten Computerprogrammen

Die Wei­ter­ver­käu­fe­rin hat bei der Über­sen­dung des Pro­dukt­schlüs­sels und der Rech­nung an den Kun­den die mit den Mar­ken der Mar­ken­in­ha­be­rin iden­ti­schen Zei­chen „Syman­tec“ und „Nor­ton 360“ ohne deren Zustim­mung zur Bezeich­nung von Com­pu­ter­soft­ware und damit für Waren benutzt, die mit denen iden­tisch sind, für die die Mar­ken der Mar­ken­in­ha­be­rin ein­ge­tra­gen sind (Art. 9 Abs. 1 Satz 2 Buchst. a GMV).

Die Wei­ter­ver­käu­fe­rin kann sich nicht mit Erfolg auf den Erschöp­fungs­ein­wand nach Art. 13 Abs. 1 GMV beru­fen. Nach die­ser Bestim­mung hat der Inha­ber einer Mar­ke nicht das Recht, einem Drit­ten zu ver­bie­ten, die Mar­ke für Waren zu benut­zen, die unter die­ser Mar­ke von ihm oder mit sei­ner Zustim­mung in der Gemein­schaft in den Ver­kehr gebracht wor­den sind. Soweit – wie im vor­lie­gen­den Fall – das Ver­brei­tungs­recht des Urhe­bers in Bezug auf kör­per­li­che oder nicht­kör­per­li­che Kopien sei­nes Com­pu­ter­pro­gramms erschöpft ist, ist danach grund­sätz­lich auch das Recht des Mar­ken­in­ha­bers erschöpft, sei­ne Mar­ke für sol­che Pro­duk­te zu benut­zen [2].

Es lie­gen jedoch berech­tig­te Grün­de vor, die es gemäß Art. 13 Abs. 2 GMV recht­fer­ti­gen, dass die Mar­ken­in­ha­be­rin sich als Mar­ken­in­ha­be­rin dem wei­te­ren Ver­trieb der Com­pu­ter­pro­gram­me unter Ver­wen­dung ihrer Mar­ke wider­setzt. Der Mar­ken­in­ha­ber muss es nicht hin­neh­men, dass sei­ne Mar­ke für den wei­te­ren Ver­trieb der von ihm oder mit sei­ner Zustim­mung in Ver­kehr gebrach­ten Pro­duk­te ver­wen­det wird, wenn die­ser Ver­trieb – wie im vor­lie­gen­den Fall der Ver­trieb des Com­pu­ter­pro­gramms durch Über­mitt­lung der Seri­en­num­mer unter Zurück­be­hal­tung der Pro­gramm­ko­pie – die ernst­li­che Gefahr begrün­det, dass der Erwer­ber des Pro­dukts das Urhe­ber­recht an die­sem Pro­dukt ver­letzt (vgl. zu Art. 7 Abs. 2 Mar­kenRL und § 24 Abs. 2 Mar­kenG BGH, Urteil vom 06.10.2011 – I ZR 6/​10, GRUR 2012, 392 Rn.19 = WRP 2012, 469 – Echtheitszertifikat).

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 19. März 2015 – I ZR 4/​14

  1. Anschluss an BGH, Urteil vom 06.10.2011 – I ZR 6/​10, GRUR 2012, 392 = WRP 2012, 469 – Echt­heits­zer­ti­fi­kat[]
  2. vgl. BGH, GRUR 2014, 264 Rn. 50 – Used­Soft II; GRUR 2015, 772 Rn. 75 – Used­Soft III[]