Mar­ken­wa­re oder doch nur „Mar­ken­qua­li­tät“?

Die Wer­bung mit der Bezeich­nung „Mar­ken­qua­li­tät“ bringt – anders als die Bezeich­nung „Mar­ken­wa­re“ – nur zum Aus­druck, dass die ange­bo­te­ne Ware in qua­li­ta­ti­ver Hin­sicht den Pro­duk­ten kon­kur­rie­ren­der Mar­ken­her­stel­ler ent­spricht [1].

Mar­ken­wa­re oder doch nur „Mar­ken­qua­li­tät“?

Dage­gen ist Wer­bung mit den Aus­sa­gen „Star­ke Mar­ken güns­tig!“ und „Star­ke Mar­ken güns­tig! aus eige­ner Her­stel­lung“ irre­füh­rend, wenn der Wer­ben­de zwar eige­ne Ware, aber kei­ne „Mar­ken­wa­re“ ver­treibt.

„Star­ke Mar­ken güns­tig!“

Der Ver­kehr ver­bin­det mit dem Begriff der „Mar­ken­wa­re“ vor allem die Vor­stel­lung, dass die Ware im Gegen­satz zu einem ohne Her­kunfts­hin­weis ver­trie­be­nen Erzeug­nis durch die Kenn­zeich­nung mit einer Mar­ke ihrer Her­kunft nach legi­ti­miert ist [2]. Bei Ver­wen­dung der auf mar­ken­mä­ßig gekenn­zeich­ne­te Ware hin­wei­sen­den Aus­sa­gen „Star­ke Mar­ken güns­tig!“ und „Star­ke Mar­ken güns­tig! aus eige­ner Her­stel­lung“ für in Wirk­lich­keit mar­ken­lo­se (anony­me) Ware wird daher mit einer Bezeich­nung gewor­ben, mit der der Ver­brau­cher eine ande­re, güns­ti­ge­re Vor­stel­lung ver­bin­det, als dies tat­säch­lich der Fall ist. Das steht mit § 5 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 UWG nicht in Ein­klang. Die Revi­si­on zeigt kei­ne Beson­der­hei­ten auf, die im Streit­fall die Annah­me eines abwei­chen­den Ver­kehrs­ver­ständ­nis­ses recht­fer­ti­gen könn­ten.

Im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren ist das Han­sea­ti­sche Ober­lan­des­ge­richt Ham­burg in sei­nem Beru­fungs­ur­teil [3] von einem Begriff der „Mar­ken­wa­re“ (im wett­be­werbs­recht­li­chen Sin­ne) aus­ge­gan­gen, wonach die mit einer Mar­ke ver­se­he­ne Ware sich bereits „einen Namen gemacht“ haben, also im Ver­kehr bekannt und wegen ihrer gleich­blei­ben­den oder ver­bes­ser­ten Qua­li­tät aner­kannt sein müs­se [4]. Ob nach wie vor von die­sem Ver­ständ­nis aus­zu­ge­hen ist oder ob der Ver­kehr den Begriff der Mar­ken­wa­re mitt­ler­wei­le wei­ter ver­steht und die an die­sen Begriff geknüpf­ten Qua­li­täts­er­war­tun­gen auch bei einem noch nicht ein­ge­führ­ten, im Ver­kehr noch unbe­kann­ten Pro­dukt erfüllt sein kön­nen, kann nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs jedoch offen­blei­ben.

Denn mit den bean­stan­de­ten Aus­sa­gen „Star­ke Mar­ken güns­tig!“ und „Star­ke Mar­ken güns­tig! aus eige­ner Her­stel­lung“ wird sug­ge­riert, dass es sich nicht nur um mit einer Mar­ke ver­se­he­ne Matrat­zen han­delt. Viel­mehr wird der Ein­druck ver­mit­telt, als han­de­le es sich dabei um Pro­duk­te, denen auf­grund einer gestei­ger­ten Bekannt­heit eine her­aus­ge­ho­be­ne Markt­stel­lung zukom­me [5]. Auf eine sol­che gestei­ger­te Bekannt­heit konn­te sich die Beklag­te im vor­lie­gen­den Fall indes­sen nach den Fest­stel­lun­gen des Ober­lan­des­ge­richts Ham­burg nicht stüt­zen. Der Hin­weis, eine hin­rei­chen­de Ver­kehrs­be­kannt­heit für das Waren­sor­ti­ment der Beklag­ten erge­be sich dar­aus, dass sie die­ses in mehr als 500 Filia­len in Deutsch­land ver­trei­be, führt zu kei­ner ande­ren Beur­tei­lung, da die Beklag­te selbst nicht gel­tend macht, dass ihre Mar­ken eine gestei­ger­te Bekannt­heit erlangt hät­ten.

„Mar­ken­qua­li­tät zu nied­ri­gen Prei­sen“

Mit der Ver­wen­dung des Begriffs „Mar­ken­qua­li­tät“ wird weder sug­ge­riert, dass die ange­bo­te­nen Waren (durch­weg) mit Mar­ken gekenn­zeich­net sind, noch, dass es sich dabei um im Ver­kehr bekann­te und aner­kann­te Pro­duk­te han­delt. Die Bezeich­nung als „Mar­ken­wa­re“ ist aus der Sicht des ange­spro­che­nen Ver­brau­chers nicht mit dem Begriff „Mar­ken­qua­li­tät“ iden­tisch [6]. Mit der Bezeich­nung „Mar­ken­qua­li­tät“ wird (ledig­lich) zum Aus­druck gebraucht, die ange­bo­te­nen Waren ent­sprä­chen in qua­li­ta­ti­ver Hin­sicht den Pro­duk­ten kon­kur­rie­ren­der (Marken-)Hersteller. Dass die­se Aus­sa­ge mit den tat­säch­li­chen Ver­hält­nis­sen nicht über­ein­stimmt, wur­de im vor­lie­gen­den Fall nicht fest­ge­stellt.

Soweit der Bun­des­ge­richts­hof in einer Ent­schei­dung aus dem Jah­re 1989 ange­nom­men hat, es sei mit § 1 UWG aF nicht zu ver­ein­ba­ren, für eine Ware, die nicht mit einer Mar­ke gekenn­zeich­net sei, mit der auf den Begriff der „Mar­ken­wa­re“ hin­deu­ten­den Bezeich­nung „Mar­ken­qua­li­tät“ zu wer­ben, auch wenn die Ware aus der Pro­duk­ti­on von Mar­ken­ar­ti­keln stam­me oder sol­chen Arti­keln qua­li­ta­tiv gleich­wer­tig sei [7], ist dar­an nicht mehr fest­zu­hal­ten [8]. Schon im Blick auf die – in den Gren­zen des § 6 Abs. 2 UWG – weit­ge­hen­de Zuläs­sig­keit ver­glei­chen­der Wer­bung ist es einem Her­stel­ler mar­ken­lo­ser (anony­mer) oder im Ver­kehr (noch) unbe­kann­ter Ware nicht ver­wehrt, die qua­li­ta­ti­ve Ver­gleich­bar­keit sei­ner Pro­duk­te wer­bend mit der soge­nann­ten Mar­ken­wa­re dar­zu­stel­len, auch wenn er sich damit an den guten Ruf und die Wer­be­kraft der Mar­ken­pro­duk­te anlehnt [9].

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 24. Sep­tem­ber 2013 – I ZR 89/​12

  1. Auf­ga­be von BGH, Urteil vom 29.06.1989 – I ZR 88/​87, GRUR 1989, 754 = Mar­ken­qua­li­tät[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 29.06.1989 – I ZR 88/​87, GRUR 1989, 754, 755 f. = WRP 1989, 794 – Mar­ken­qua­li­tät; Urteil vom 13.07.2000 – I ZR 203/​97, GRUR 2000, 1084, 1086 = WRP 2000, 1253 – Unter­neh­mens­kenn­zeich­nung[]
  3. OLG Ham­burg, Urteil vom 18.04.2012 – 5 U 189/​10[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 15.01.1960 – I ZR 169/​58 – Inver­tan; OLG Düs­sel­dorf, GRUR 1978, 543 f.; OLG Karls­ru­he, GRUR 1984, 744, 745; OLG Stutt­gart, WRP 1984, 508, 509; Born­kamm in Köhler/​Bornkamm aaO § 5 Rn.04.79; Groß­komm-UWG/­Lin­dacher aaO § 5 Rn. 430[]
  5. vgl. – auf eine beson­de­re Qua­li­täts­er­war­tung abstel­lend – OLG Düs­sel­dorf, GRUR 1984, 887, 888; Groß­komm-UWG/­Lin­dacher aaO § 5 Rn. 431[]
  6. eben­so Groß­komm-UWG/­Lin­dacher aaO § 5 Rn. 435[]
  7. BGH, Urteil vom 29.06.1989 – I ZR 88/​87, GRUR 1989, 754, 755 = WRP 1989, 794 – Mar­ken­qua­li­tät[]
  8. aA Sos­nitza in Piper/​Ohly/​Sosnitza aaO § 5 Rn. 282; Wei­dert in Harte/​Henning aaO § 5 Rn. C 57[]
  9. eben­so Groß­komm-UWG/­Lin­dacher aaO § 5 Rn. 435, aller­dings nur bezo­gen auf den Fall, dass die Ware aus der Pro­duk­ti­on eines Mar­ken­ar­ti­kels stammt[]