Preis­an­ga­ben für Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­dienst­leis­tung – und ihre Lesbarkeit

Die Bestim­mung des § 66a Satz 2 TKG ist eine Ver­brau­cher­schutz­norm im Sin­ne von § 2 Abs. 1 Satz 1 UKlaG.

Preis­an­ga­ben für Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­dienst­leis­tung – und ihre Lesbarkeit

Für die Aus­le­gung des Erfor­der­nis­ses der guten Les­bar­keit der Preis­an­ga­be in § 66a Satz 2 TKG sind die­sel­ben Kri­te­ri­en maß­geb­lich wie für die Aus­le­gung des Merk­mals „deut­lich les­bar“ im Sin­ne des § 1 Abs. 6 Satz 2 PAngV. Nicht erfor­der­lich ist, dass für die Preis­an­ga­be die­sel­be Schrift­grö­ße wie für den Haupt­text ver­wen­det wird. An der nach § 66a Satz 2 TKG erfor­der­li­chen deut­li­chen Sicht­bar­keit der Preis­an­ga­be fehlt es, wenn die­se der Auf­merk­sam­keit des Betrach­ters ent­zo­gen wird. Das Erfor­der­nis des unmit­tel­ba­ren Zusam­men­hangs ist bei § 66a Satz 2 TKG in einem inhalt­li­chen Sinn zu verstehen.

Der hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Rechts­streit betraf die Wer­bung einer Bank für einen „Spar­brief mit Top-Kon­di­ti­on!“. In dem Wer­be­schrei­ben war rechts oben eine Ser­vice­te­le­fon­num­mer mit einem Stern­chen­hin­weis ange­ge­ben. Unten auf der Sei­te fan­den sich zu dem Stern­chen­hin­weis die Anga­ben „14 Ct/​Min aus dt Fest­net­zen, max 42 Ct/​Min aus Mobil­funk­net­zen“. Das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf hat eine hier­ge­gen gerich­te­te Unter­las­sungs­kla­ge abge­wie­sen [1], der Bun­des­ge­richts­hof bestä­tig­te dies:

Die Bestim­mung des § 66a Satz 2 TKG ist aller­dings eine Ver­brau­cher­schutz­norm im Sin­ne von § 2 Abs. 1 Satz 1 UKlaG, obwohl sie nicht in der nicht abschlie­ßen­den Lis­te der Ver­brau­cher­schutz­ge­set­ze gemäß § 2 Abs. 2 UKlaG auf­ge­führt ist. Nach die­ser Vor­schrift des Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­ge­set­zes muss der Preis für Ser­vice-Diens­te gut les­bar, deut­lich sicht­bar und in unmit­tel­ba­rem Zusam­men­hang mit der Ruf­num­mer ange­ge­ben wer­den. Die Rege­lung dient dem Schutz der Ver­brau­cher, die vor Inan­spruch­nah­me der in § 66a TKG genann­ten kos­ten­pflich­ti­gen Diens­te in nicht zu über­se­hen­der Wei­se über die Kos­ten infor­miert wer­den sol­len, um eine fun­dier­te Ent­schei­dung über die Inan­spruch­nah­me die­ser Diens­te tref­fen zu kön­nen [2].

Die Vor­schrift des § 66a Satz 2 TKG ist nach wie vor in Kraft und kann daher Grund­la­ge eines Unter­las­sungs­an­spruchs sein. Zwar sind die §§ 66a bis 66c TKG nach Art. 5 Abs. 2 Satz 2 des Geset­zes zur Ände­rung tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­recht­li­cher Rege­lun­gen vom 03.05.2012 [3] mit dem Inkraft­tre­ten einer Rechts­ver­ord­nung nach § 45n Abs. 1 in Ver­bin­dung mit Abs. 6 Nr. 1 TKG nicht mehr anzu­wen­den. Eine ent­spre­chen­de Rechts­ver­ord­nung ist bis­lang aber nicht in Kraft getre­ten. Die Bun­des­netz­agen­tur, auf die die Kom­pe­tenz zum Erlass einer ent­spre­chen­den Ver­ord­nung über­tra­gen wor­den ist [4], hat von die­ser Kom­pe­tenz im Blick auf die §§ 66a bis 66c TKG noch kei­nen Gebrauch gemacht [5].

Die in den §§ 66a ff. TKG ent­hal­te­nen Rege­lun­gen beru­hen nicht auf einer ent­spre­chen­den Vor­ga­be im Richt­li­ni­en­recht der Euro­päi­schen Uni­on [6].

Die Preis­an­ga­be im Stern­chen­hin­weis am Fuß des streit­ge­gen­ständ­li­chen Wer­be­schrei­bens ent­spricht den Anfor­de­run­gen des § 66a Satz 2 TKG.

Dabei ver­wirft der Bun­des­ge­richts­hof im vor­lie­gen­den Fall auch die Rüge, die Preis­an­ga­be sei ent­ge­gen der Ansicht des Ober­lan­des­ge­richts Düs­sel­dorf schon nicht als „gut les­bar“ im Sin­ne von § 66a Satz 2 TKG anzu­se­hen: Die Unter­las­sungs­klä­ge­rin macht hier­zu gel­tend, das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf habe die Kri­te­ri­en, die der Bun­des­ge­richts­hof in der Ent­schei­dung „Grund­preis­an­ga­be im Super­markt“ [7] für die Aus­le­gung des Merk­mals „deut­lich les­bar“ im Sin­ne des § 1 Abs. 6 Satz 2 PAngV als maß­geb­lich ange­se­hen habe, zu Recht zur Aus­le­gung des Erfor­der­nis­ses der guten Les­bar­keit im Sin­ne von § 66a Satz 2 TKG her­an­ge­zo­gen. Die­se Grund­sät­ze habe es aber auf den Streit­fall rechts­feh­ler­haft ange­wandt. An der „guten Les­bar­keit“ des Stern­chen­hin­wei­ses der Bank bestün­den nach der Lebens­er­fah­rung erheb­li­che Zwei­fel, weil dort allein die Zah­len und die Groß­buch­sta­ben eine Schrift­grö­ße von (knapp) 2 mm auf­wie­sen, die der Bun­des­ge­richts­hof in der Ent­schei­dung „Grund­preis­an­ga­be im Super­markt“ als gera­de noch les­ba­re Preis­an­ga­be ange­se­hen habe. Die klei­nen Buch­sta­ben sei­en dage­gen ledig­lich 1 mm groß. Außer­dem sei die Preis­an­ga­be in der Fuß­no­ten­an­mer­kung des Wer­be­schrei­bens im Gegen­satz zu der Grund­preis­an­ga­be im der zitier­ten BGH, Ent­schei­dung zugrun­de lie­gen­den Fall weder kon­trast­reich noch in einem umran­de­ten Käst­chen über­sicht­lich zusam­men­ge­fasst dargestellt.

Die Klä­ge­rin wen­det sich mit die­sen Aus­füh­run­gen gegen die Wür­di­gung des Ober­lan­des­ge­richts Düs­sel­dorf, das zu dem bean­stan­de­ten Wer­be­schrei­ben fest­ge­stellt hat, dass der Fuß­no­ten­text, der die frag­li­che Preis­an­ga­be ent­hält, auf die (beim Lesen eines sol­chen Schrei­bens) übli­che Lese­ent­fer­nung von ca. 40 cm ohne Hilfs­mit­tel mühe­los und damit gut les­bar ist. Die­se Beur­tei­lung liegt im Wesent­li­chen auf tatrich­ter­li­chem Gebiet. Sie kann daher im Revi­si­ons­ver­fah­ren nur dar­auf geprüft wer­den, ob der Tatrich­ter einen zutref­fen­den Rechts­be­griff zugrun­de gelegt und ent­spre­chend den Denk­ge­set­zen und der all­ge­mei­nen Lebens­er­fah­rung geur­teilt hat und das gewon­ne­ne Ergeb­nis von den Fest­stel­lun­gen getra­gen wird. Rechts­feh­ler des Ober­lan­des­ge­richts Düs­sel­dorf sind inso­weit nicht ersicht­lich. Das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf hat auch kei­nen unzu­tref­fen­den Maß­stab ange­wandt. Die Gegen­an­sicht lässt die Fest­stel­lung des Ober­lan­des­ge­richts Düs­sel­dorf unbe­rück­sich­tigt, die Les­bar­keit der Preis­an­ga­ben wer­de im Streit­fall dadurch erleich­tert, dass es sich um einen kur­zen, nur eine ein­zi­ge Zei­le umfas­sen­den Text han­delt, der sich auf­grund sei­ner schwar­zen Schrift auch ohne Her­vor­he­bung durch Fett­druck aus­rei­chend deut­lich von dem wei­ßen Papier abhebt. Die­se Beur­tei­lung steht im Ein­klang mit der Bun­des­ge­richts­hofs­recht­spre­chung, nach der die Fra­ge, ob eine Preis­an­ga­be deut­lich les­bar im Sin­ne von § 1 Abs. 6 Satz 2 PAngV ist, unter Berück­sich­ti­gung der Umstän­de des jewei­li­gen Ein­zel­falls zu beant­wor­ten ist, wes­halb neben dem Abstand, aus dem der Ver­brau­cher die Anga­be liest, und der Schrift­grö­ße das Druck­bild und daher auch die Wort- und Zah­len­an­ord­nung, die Glie­de­rung, das Papier, die Far­be sowie der Hin­ter­grund von Bedeu­tung sind [8]. Das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf hat inso­weit fest­ge­stellt, der Fuß­no­ten­text mit sei­ner schwar­zen Schrift hebe sich, auch wenn er nicht fett­ge­druckt sei, aus­rei­chend deut­lich von dem für das Wer­be­schrei­ben ver­wen­de­ten wei­ßen Papier ab.

Die­se Fest­stel­lun­gen des Ober­lan­des­ge­richts Düs­sel­dorf ste­hen nicht in Wider­spruch zu der Ent­schei­dung des Ober­lan­des­ge­richts Köln [9]. Das Ober­lan­des­ge­richt Köln ist in jenem Fall davon aus­ge­gan­gen, ein Schrift­grad von 5, 5 Punkt, das heißt von 1, 94 mm, sei als unter nor­ma­len Vor­aus­set­zun­gen gera­de noch les­bar anzu­se­hen. Das Ober­lan­des­ge­richt Köln hat in die­ser Ent­schei­dung eben­falls nicht allein das Merk­mal der Schrift­grö­ße als maß­geb­lich ange­se­hen, son­dern auf die gesam­ten Umstän­de des von ihm zu ent­schei­den­den Fal­les abgestellt.

Die Gegen­an­sicht ver­weist für ihren Stand­punkt schließ­lich ohne Erfolg auf die Ent­ste­hungs­ge­schich­te des § 66a Satz 2 TKG, wonach die­se Bestim­mung gewähr­leis­ten soll, dass der Preis bei sei­ner Anga­be in der­sel­ben Dar­stel­lung kon­trast­reich und in unmit­tel­ba­rem Zusam­men­hang mit der Ruf­num­mer ange­ge­ben wer­den muss, damit eine in kaum les­ba­rer oder ver­steck­ter Form erfol­gen­de Preis­an­ga­be ver­hin­dert wird [10]. Die­ser Zweck der Vor­schrift erfor­dert nicht, dass für die Preis­an­ga­be die­sel­be Schrift­grö­ße ver­wen­det wird wie für den Haupt­text [11].

Die Unter­lass­sungs­klä­ge­rin wen­det sich des Wei­te­ren ohne Erfolg gegen die Beur­tei­lung des Ober­lan­des­ge­richts Düs­sel­dorf, die Kos­ten, die dem Ver­brau­cher bei Inan­spruch­nah­me der in dem streit­ge­gen­ständ­li­chen Wer­be­schrei­ben ange­ge­be­nen Ser­vice­ruf­num­mer ent­stün­den, sei­en deut­lich sicht­bar im Sin­ne von § 66a Satz 2 TKG angegeben.

Die Gegen­an­sicht führt hier­zu aus, die­ses Merk­mal sei unter Berück­sich­ti­gung der Ent­ste­hungs­ge­schich­te der Norm eben­falls dahin aus­zu­le­gen, dass der Preis kon­trast­reich und in der­sel­ben Wei­se abzu­bil­den sei wie die bewor­be­ne Ruf­num­mer. Das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf gehe zwar zu Recht davon aus, dass eine Preis­an­ga­be nicht deut­lich sicht­bar sei, wenn sie durch die Gesamt­wir­kung einer Anzei­ge erdrückt und damit der Auf­merk­sam­keit des Betrach­ters ent­zo­gen wer­de. Zu Unrecht habe es aber ange­nom­men, im Streit­fall blei­be die Preis­an­ga­be auch unter Berück­sich­ti­gung der Gesamt­wir­kung der Anzei­ge deut­lich les­bar. Soweit das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf auf die ins­ge­samt gese­hen sehr über­sicht­li­che Gestal­tung des Wer­be­schrei­bens hin­wei­se, las­se es die Beein­träch­ti­gung der Auf­merk­sam­keit und der Bereit­schaft des Ver­kehrs, die Preis­an­ga­be zu lesen, unbe­rück­sich­tigt. Die­se Beein­träch­ti­gung erge­be sich dar­aus, dass die dafür gewähl­te Buch­sta­ben­grö­ße und die Plat­zie­rung am unters­ten Rand des Schrei­bens in einem unge­wöhn­li­chen und mit dem Auf­klä­rungs- und Schutz­zweck des § 66a TKG unver­ein­ba­ren Miss­ver­hält­nis zum übri­gen Schrift­bild und zur Gesamt­ge­stal­tung der Wer­bung stehe.

Die Unter­las­sungs­klä­ge­rin wen­det sich mit die­sen Aus­füh­run­gen gegen die vom Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf eben­falls in tatrich­ter­li­cher Wür­di­gung des Sach­ver­halts vor­ge­nom­me­ne Beur­tei­lung, die Preis­an­ga­be für den in dem Wer­be­schrei­ben ange­bo­te­nen Ser­vice-Dienst ent­spre­che dem Erfor­der­nis der deut­li­chen Sicht­bar­keit in § 66a Satz 2 TKG, weil das Schrei­ben sehr über­sicht­lich gestal­tet und der Text der Fuß­no­te deut­lich von dem kur­zen Anschrei­ben abge­setzt sei. Des­halb kön­ne der Leser auch unter Berück­sich­ti­gung des Umstands, dass die Auf­merk­sam­keit des Betrach­ters wegen der mode­ra­ten Schrift­grö­ße der in dem Schrei­ben ent­hal­te­nen Anga­ben nicht ein­sei­tig abge­lenkt wer­de klar zwi­schen dem Text und der Fuß­no­te unter­schei­den. Mit ihren gegen­tei­li­gen Angrif­fen bewer­tet die Unter­las­sungs­klä­ge­rin den Sach­ver­halt ledig­lich anders als der Tatrich­ter, ohne einen Rechts­feh­ler auf­zu­zei­gen. Damit ist sie im Revi­si­ons­ver­fah­ren aus­ge­schlos­sen. Das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf hat zudem mit Recht berück­sich­tigt, dass der Ver­kehr an den Ein­satz von Stern­chen­hin­wei­sen gewöhnt ist, die Auf­lö­sung sol­cher Hin­wei­se in einer Fuß­no­te am unte­ren Ende einer Sei­te durch­aus üblich ist, der Ver­brau­cher daher erwar­tet, nähe­re Anga­ben zu dem Stern­chen­hin­weis im Fuß­no­ten­text zu fin­den, und er des­halb bereit ist, sich mit den dort gemach­ten Anga­ben zu befas­sen, wenn sie für ihn von Inter­es­se sind. Der Umstand, dass die Schrift des Fuß­no­ten­tex­tes klei­ner ist als die sonst in der Anzei­ge ver­wen­de­te Schrift, recht­fer­tigt nicht die Annah­me, die Fuß­no­te wer­de vom sons­ti­gen Inhalt des Schrei­bens über­la­gert. Die Bank weist hier­zu mit Recht dar­auf hin, dass einer sol­chen Gefahr zum einen der Abstand zwi­schen dem Text des Schrei­bens und den Fuß­no­ten, zum ande­ren die durch­aus kla­re Struk­tur des gesam­ten Schrei­bens sowie das ver­hält­nis­mä­ßig homo­ge­ne Schrift­bild ent­ge­gen­wir­ken. Die vom Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf vor­ge­nom­me­ne Beur­tei­lung lässt daher in die­ser Hin­sicht eben­falls kei­nen Rechts­feh­ler erkennen.

Die Unter­las­sungs­klä­ge­rin wen­det sich schließ­lich ohne Erfolg gegen die Beur­tei­lung des Ober­lan­des­ge­richts Düs­sel­dorf, die Preis­an­ga­be in dem Wer­be­schrei­ben sei in unmit­tel­ba­rem Zusam­men­hang mit der Ser­vice­ruf­num­mer erfolgt.

Die Gegen­an­sicht macht gel­tend, die Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs, nach der der Grund­preis einer Ware nur dann gemäß § 2 Abs. 1 Satz 1 PAngV in „unmit­tel­ba­rer Nähe“ des End­prei­ses ange­ge­ben sei, wenn bei­de Prei­se auf einen Blick wahr­ge­nom­men wer­den könn­ten [12], sei auf § 66a TKG zu über­tra­gen. Soweit das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf ange­nom­men habe, das Erfor­der­nis der unmit­tel­ba­ren Nähe in § 2 Abs. 1 Satz 1 PAngV sei schon begriff­lich enger gefasst als das Kri­te­ri­um des unmit­tel­ba­ren Zusam­men­hangs in § 66a Satz 2 TKG, ver­ken­ne es, dass bereits das Wort „unmit­tel­bar“ für sich genom­men „ohne ört­li­chen oder zeit­li­chen Zwi­schen­raum“ oder „durch kei­nen oder kaum einen räum­li­chen oder zeit­li­chen Abstand getrennt“ oder auch „in nächs­ter Nähe, direkt, nicht durch jeman­den oder etwas Drit­tes ver­mit­telt, ohne Zwi­schen­stu­fe“ bedeu­te. Die Wen­dung „unmit­tel­ba­re Nähe“ in § 2 Abs. 2 Satz 1 PAngV brin­ge daher nichts ande­res zum Aus­druck als die For­mu­lie­rung „unmit­tel­ba­rer Zusam­men­hang“ in § 66a Satz 2 TKG. Die Begrün­dung des Ober­lan­des­ge­richts Düs­sel­dorf, § 2 Abs. 1 Satz 1 PAngV zie­le mehr auf die Ver­gleich­bar­keit von Prei­sen und § 66a TKG mehr auf die Preis­trans­pa­renz, über­zeu­ge eben­falls nicht. Da die Ver­gleich­bar­keit von Prei­sen deren Trans­pa­renz vor­aus­set­ze, bezweck­ten bei­de Vor­schrif­ten die Preis­trans­pa­renz; zu die­ser aber tra­ge das Erfor­der­nis der Preis­an­ga­be „in unmit­tel­ba­rem Zusam­men­hang“ mit der Ruf­num­mer in § 66a Satz 2 TKG eben­so bei wie das Erfor­der­nis gemäß § 2 Abs. 1 Satz 1 PAngV, den Grund­preis „in unmit­tel­ba­rer Nähe“ des End­prei­ses anzu­ge­ben. Dem kann nicht zuge­stimmt werden.

Die Gegen­an­sicht lässt bei die­sen Aus­füh­run­gen unbe­rück­sich­tigt, dass das Adjek­tiv „unmit­tel­bar“ eine räum­li­che, eine zeit­li­che oder eine inhalt­li­che Bedeu­tung haben kann. Dem­entspre­chend ist es für den Sinn­ge­halt, der die­sem Wort zukommt, ent­schei­dend, in wel­chem Kon­text es im Ein­zel­fall ver­wen­det wird. Danach ist „unmit­tel­bar“, soweit es in § 2 Abs. 1 Satz 1 PAngV der nähe­ren Bestim­mung des Wor­tes „Nähe“ dient, im räum­li­chen Sinn und, soweit es in § 66a Satz 2 TKG zur Ein­gren­zung des danach erfor­der­li­chen Zusam­men­hangs ver­wen­det wird, in einem inhalt­li­chen Sinn zu verstehen.

Die Gegen­an­sicht geht bei ihrer Argu­men­ta­ti­on zudem zu Unrecht davon aus, dass die Rege­lung des § 2 Abs. 1 Satz 1 PAngV dem­sel­ben Zweck dient wie die des § 66a Satz 2 TKG. Sie über­sieht, dass die Her­stel­lung von Preis­trans­pa­renz bei § 2 Abs. 1 Satz 1 PAngV anders als bei § 66a Satz 2 TKG nicht der (End)Zweck der Rege­lung, son­dern ledig­lich ein Mit­tel ist, Preis­ver­glei­che zu ermög­li­chen oder zu erleich­tern. Dabei müs­sen Preis­an­ga­ben ver­gli­chen wer­den, die für unter­schied­li­che Pro­duk­te und daher regel­mä­ßig auch nicht in unmit­tel­ba­rer Nähe zuein­an­der gemacht wer­den. Die­se nach der Natur der Sache gege­be­ne Behin­de­rung des Preis­ver­gleichs wür­de ver­stärkt, wenn auch bei den zu ver­glei­chen­den Pro­duk­ten der Grund­preis nicht in einem engen räum­li­chen Zusam­men­hang mit dem End­preis ange­ge­ben wäre. Dem­ge­gen­über kann der Zweck der in § 66a Satz 2 TKG getrof­fe­nen Rege­lung auch durch einen Stern­chen­hin­weis erreicht wer­den. Der Ver­brau­cher ist an sol­che Hin­wei­se gewöhnt und weiß, dass mit ihnen ver­se­he­ne Ange­bo­te beson­de­ren Beschrän­kun­gen unterliegen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 23. Juli 2015 – I ZR 143/​14

  1. OLG Düs­sel­dorf, Urteil vom 28.05.2014 – I15 U 54/​14, WRP 2014, 1094[]
  2. vgl. Schmitz/​Brodkorb in Säcker, TKG, 3. Aufl., § 66a Rn. 2; Sod­tal­bers in Spindler/​Schuster, Recht der elek­tro­ni­schen Medi­en, 3. Aufl., § 66a TKG Rn. 1[]
  3. BGBl. I, S. 958, 997[]
  4. vgl. Sod­tal­bers in Spindler/​Schuster aaO § 45n TKG Rn. 5[]
  5. vgl. Sod­tal­bers in Spindler/​Schuster aaO Vor §§ 66a ff. Rn. 4[]
  6. Dit­scheid, MMR 2007, 210[]
  7. BGH, Urteil vom 07.03.2013 – I ZR 30/​12, GRUR 2013, 850 = WRP 2013, 1022[]
  8. vgl. BGH, GRUR 2013, 850 Rn. 13 Grund­preis­an­ga­be im Super­markt[]
  9. OLG Köln, GRUR-RR 2012, 32[]
  10. vgl. Begrün­dung des Regie­rungs­ent­wurfs eines Geset­zes zur Ände­rung tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­recht­li­cher Vor­schrif­ten, BT-Drs. 15/​5213, S. 25; eben­so Begrün­dung des Regie­rungs­ent­wurfs eines Geset­zes zur Ände­rung tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­recht­li­cher Vor­schrif­ten, BT-Drs. 16/​2581, S. 30[]
  11. Sod­tal­bers in Spindler/​Schuster aaO § 66a TKG Rn. 11; aA Ditscheid/​Rudloff in Beck’scher TKG-Kom­men­tar, 4. Aufl., § 66a Rn. 13 und in Spindler/​Schuster, Recht der elek­tro­ni­schen Medi­en, 2. Aufl., § 66a TKG Rn. 7[]
  12. vgl. BGH, Urteil vom 26.02.2009 – I ZR 163/​06, GRUR 2009, 982 Rn. 13 bis 15 = WRP 2009, 1247 Dr. Clauder’s Huf­pfle­ge[]