Unter­las­sungs­er­klä­rung nach mar­ken­recht­li­cher Abmah­nung – und ihre spä­te­re Besei­ti­gung

Bei Unter­las­sungs­er­klä­run­gen, die nach mar­ken- oder wett­be­werbs­recht­li­chen Abmah­nun­gen abge­ge­ben wer­den, ent­spricht es in aller Regel dem objek­ti­ven Inter­es­se bei­der Ver­trags­par­tei­en, ihre Besei­ti­gung nur dann zuzu­las­sen, wenn auch der Durch­set­zung eines ent­spre­chen­den Voll­stre­ckungs­ti­tels ent­ge­gen­ge­tre­ten wer­den kann. Das setzt regel­mä­ßig Grün­de vor­aus, auf die sich auch eine Voll­stre­ckungs­ab­wehr­kla­ge stüt­zen lässt.

Unter­las­sungs­er­klä­rung nach mar­ken­recht­li­cher Abmah­nung – und ihre spä­te­re Besei­ti­gung

Dabei ist zu unter­schei­den zwi­schen den Vor­aus­set­zun­gen einer Kün­di­gung eines Dau­er­schuld­ver­hält­nis­ses aus wich­ti­gem Grund nach § 314 BGB und einer Kün­di­gung eines Dau­er­schuld­ver­hält­nis­ses wegen Weg­falls der Geschäfts­grund­la­ge nach § 313 BGB. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs unter­schei­den sich die Kün­di­gung aus wich­ti­gem Grund und wegen Weg­falls der Geschäfts­grund­la­ge im Anwen­dungs­be­reich und im Zumut­bar­keits­maß­stab. Wäh­rend die außer­or­dent­li­che Kün­di­gung eines Dau­er­schuld­ver­hält­nis­ses nach § 314 BGB ein ver­trags­im­ma­nen­tes Mit­tel zur Auf­lö­sung der Ver­trags­be­zie­hung dar­stellt, han­delt es sich bei der Auf­lö­sung eines Ver­trags wegen Weg­falls der Geschäfts­grund­la­ge nach § 313 BGB um eine von vorn­her­ein auf beson­de­re Aus­nah­me­fäl­le beschränk­te recht­li­che Mög­lich­keit, die zur Ver­mei­dung untrag­ba­rer, mit Recht und Gerech­tig­keit schlecht­hin unver­ein­ba­rer Fol­gen unab­weis­bar erschei­nen muss. An die Ver­trags­auf­lö­sung auf­grund Weg­falls der Geschäfts­grund­la­ge sind daher stren­ge­re Anfor­de­run­gen zu stel­len als an die außer­or­dent­li­che Kün­di­gung eines Dau­er­schuld­ver­hält­nis­ses [1]. Auch ohne Kün­di­gung kann einem ver­trag­li­chen Ver­trags­stra­fean­spruch aus­nahms­wei­se der Ein­wand unzu­läs­si­ger Rechts­aus­übung ent­ge­gen­ste­hen, wenn der Anspruch dem Gläu­bi­ger auf­grund einer erfolg­ten Geset­zes­än­de­rung unzwei­fel­haft, das heißt ohne wei­te­res erkenn­bar, nicht mehr zusteht [2]. An die­sen zu § 242 BGB ent­wi­ckel­ten Grund­sät­zen hat sich durch die Kodi­fi­zie­rung der Stö­rung der Geschäfts­grund­la­ge (§ 313 BGB) und des Kün­di­gungs­rechts von Dau­er­schuld­ver­hält­nis­sen aus wich­ti­gem Grund (§ 314 BGB) durch das Gesetz zur Moder­ni­sie­rung des Schuld­rechts vom 26.11.2001 [3] nichts geän­dert.

Aus­ge­hend von die­sen Grund­sät­zen ist im Streit­fall vor­ran­gig zu prü­fen, ob die Unter­las­sungs­schuld­ner die Unter­las­sungs­er­klä­run­gen außer­or­dent­lich kün­di­gen konn­ten. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs bil­det der Weg­fall des dem ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Ver­bot zugrun­de­lie­gen­den gesetz­li­chen Unter­las­sungs­an­spruchs einen wich­ti­gen Grund, der die Kün­di­gung des Unter­las­sungs­ver­trags wegen Unzu­mut­bar­keit der Ver­trags­fort­set­zung recht­fer­tigt [4]. Maß­geb­lich dafür ist, dass der Schuld­ner in einem sol­chen Fall die Zwangs­voll­stre­ckung aus einem ent­spre­chen­den gericht­li­chen Titel im Wege einer Voll­stre­ckungs­ab­wehr­kla­ge nach § 767 ZPO für unzu­läs­sig erklä­ren las­sen kann. Der Gläu­bi­ger hat an der Fort­set­zung des Unter­las­sungs­ver­trags kein schüt­zens­wer­tes Inter­es­se mehr, wenn ein ent­spre­chen­der Unter­las­sungs­ti­tel mit der Voll­stre­ckungs­ab­wehr­kla­ge aus der Welt geschafft wer­den könn­te [5]. Einer Geset­zes­än­de­rung steht der Fall gleich, dass das dem Schuld­ner auf­grund eines wett­be­werbs­recht­li­chen Unter­las­sungs­an­spruchs unter­sag­te Ver­hal­ten auf­grund einer höchst­rich­ter­li­chen Leit­ent­schei­dung nun­mehr ein­deu­tig als recht­mä­ßig zu beur­tei­len ist [6].

Aller­dings ist eine vom Deut­schen Patent- und Mar­ken­amt im Löschungs­ver­fah­ren geäu­ßer­te Rechts­an­sicht aber nicht mit die­sen Fäl­len ver­gleich­bar. Ihre Aus­wir­kun­gen ent­spre­chen in kei­ner Wei­se einer Geset­zes­än­de­rung oder einer die Rechts­la­ge all­ge­mein ver­bind­lich klä­ren­den höchst­rich­ter­li­chen Leit­ent­schei­dung [7]. Nach Zurück­wei­sung des Löschungs­an­trags hat die Wort-Bild-Mar­ke des Unter­las­sungs­gläu­bi­gers nach wie vor Bestand. Auf die Begrün­dung der Zurück­wei­sung durch das Deut­sche Patent- und Mar­ken­amt lie­ße sich auch kei­ne Voll­stre­ckungs­ab­wehr­kla­ge gegen einen gericht­li­chen Unter­las­sungs­ti­tel stüt­zen, der inhalt­lich den Unter­las­sungs­er­klä­run­gen ent­spricht.

Ände­run­gen in der recht­li­chen Beur­tei­lung des gesetz­li­chen Unter­las­sungs­an­spruchs, der dem Unter­las­sungs­ver­trag zugrun­de liegt, die für eine außer­or­dent­li­che Kün­di­gung nicht aus­rei­chen, sind regel­mä­ßig nicht geeig­net, einen Weg­fall der Geschäfts­grund­la­ge zu begrün­den oder die Gel­tend­ma­chung des ver­trag­li­chen Unter­las­sungs­an­spruchs rechts­miss­bräuch­lich erschei­nen zu las­sen.

Die Beur­tei­lung der Fra­ge, ob der vom Unter­las­sungs­gläu­bi­ger ver­folg­te gesetz­li­che Unter­las­sungs­an­spruch bestand, fiel nach der ver­trag­li­chen Unter­las­sungs­ver­ein­ba­rung in den Risi­ko­be­reich der Unter­las­sungs­schuld­ner. Nach dem Grund­satz inter­es­sen­ge­rech­ter Aus­le­gung [8] ist die von der Erwar­tung bei­der Par­tei­en abwei­chen­de Begrün­dung der Schutz­fä­hig­keit der Kla­ge­mar­ke durch das Deut­sche Patent- und Mar­ken­amt allein der Risi­ko­sphä­re der Unter­las­sungs­schuld­ner zuzu­ord­nen, die die Unter­las­sungs­er­klä­run­gen abge­ge­ben haben. Im Hin­blick auf die strei­ter­le­di­gen­de, befrie­den­de und einen gericht­li­chen Titel erset­zen­de Funk­ti­on von Unter­las­sungs­er­klä­run­gen ent­spricht es in aller Regel dem objek­ti­ven Inter­es­se bei­der Ver­trags­par­tei­en, ihre Besei­ti­gung nur dann zuzu­las­sen, wenn der Grund für die Besei­ti­gung bei einem Voll­stre­ckungs­ti­tel als Ein­wen­dung nach § 767 ZPO gel­tend gemacht wer­den könn­te. Beson­de­re Umstän­de, die aus­nahms­wei­se zu einer ande­ren Beur­tei­lung füh­ren könn­ten, sind im Streit­fall nicht ersicht­lich. Die Unter­las­sungs­schuld­ner hat­ten im Gegen­teil von Anfang an erheb­li­che Beden­ken, ob die Kla­ge­mar­ke Bestand haben wür­de. Sie haben sich nach den Fest­stel­lun­gen des Beru­fungs­ge­richts gleich­wohl zur Unter­las­sung ver­pflich­tet, weil sie kein wirt­schaft­li­ches Inter­es­se an einer gericht­li­chen Aus­ein­an­der­set­zung hat­ten. Als auf­lö­sen­de Bedin­gung haben sie nur den Fort­fall der Mar­ke ver­ein­bart.

Lie­gen die Vor­aus­set­zun­gen für eine Kün­di­gung nicht vor, ver­hält sich der Unter­las­sungs­gläu­bi­ger auch nicht rechts­miss­bräuch­lich, wenn er die Unter­las­sungs­schuld­ner an der Kün­di­gungs­er­klä­rung fest­hält.

Die Unter­las­sungs­schuld­ner waren im vor­lie­gen­den Fall auch zur Kün­di­gung der Unter­las­sungs­ver­ein­ba­run­gen der Par­tei­en aus wich­ti­gem Grund nach § 314 Abs. 1 BGB nicht berech­tigt. Nach die­ser Vor­schrift liegt ein wich­ti­ger Grund zur Kün­di­gung eines Dau­er­schuld­ver­hält­nis­ses vor, wenn dem kün­di­gen­den Teil unter Berück­sich­ti­gung aller Umstän­de des Ein­zel­falls und unter Abwä­gung der bei­der­sei­ti­gen Inter­es­sen die Fort­set­zung des Ver­trags­ver­hält­nis­ses bis zur ver­ein­bar­ten Been­di­gung oder bis zum Ablauf einer Kün­di­gungs­frist nicht zuge­mu­tet wer­den kann. Das ist im All­ge­mei­nen nur anzu­neh­men, wenn die Grün­de, auf die die Kün­di­gung gestützt wird, im Risi­ko­be­reich des Kün­di­gungs­geg­ners lie­gen [9]. Das ist vor­lie­gend nicht der Fall.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 8. Mai 2014 – I ZR 210/​12

  1. vgl. BGH, Urteil vom 26.09.1996 – I ZR 265/​95, BGHZ 133, 316, 320, 327 Alt­un­ter­wer­fung I[]
  2. BGHZ 133, 316, 329 Alt­un­ter­wer­fung I; Urteil vom 06.07.2000 – I ZR 243/​97, GRUR 2001, 85, 86 = WRP 2000, 1404 Alt­un­ter­wer­fung IV[]
  3. BGBl. I S. 3138[]
  4. BGHZ 133, 316, 321 Alt­un­ter­wer­fung I[]
  5. BGHZ 133, 316, 323 Alt­un­ter­wer­fung I[]
  6. BGH, Urteil vom 02.07.2009 – I ZR 146/​07, BGHZ 181, 373 Rn. 17 ff. Mescher weis[]
  7. vgl. BGH, Urteil vom 09.03.2010 – VI ZR 52/​09, GRUR 2010, 946 Rn. 22 = WRP 2010, 772[]
  8. vgl. BGH, Urteil vom 27.03.2013 – I ZR 9/​12, GRUR 2013, 1213 Rn. 32 = WRP 2013, 1620 Sumo, mwN[]
  9. BGH, Urteil vom 07.03.2013 – III ZR 231/​12, NJW 2013, 2021 Rn. 17, mwN[]