Ver­trags­ur­kun­den – und die Heft­klam­mern

Gemäß § 416 ZPO begrün­den Pri­vat­ur­kun­den, sofern sie von den Aus­stel­lern unter­schrie­ben oder mit­tels nota­ri­ell beglau­big­ten Hand­zei­chens unter­zeich­net sind, vol­len Beweis dafür, dass die in ihnen ent­hal­te­nen Erklä­run­gen von den Aus­stel­lern abge­ge­ben sind.

Ver­trags­ur­kun­den – und die Heft­klam­mern

Die durch die Echt­heit der Unter­schrif­ten begrün­de­te Beweis­kraft einer Pri­vat­ur­kun­de kann aller­dings durch äuße­re Män­gel der Urkun­de auf­ge­ho­ben oder gemin­dert sein; beim Vor­lie­gen äuße­rer Män­gel einer Pri­vat­ur­kun­de hat das Gericht gemäß § 286 ZPO in frei­er Beweis­wür­di­gung zu ent­schei­den, ob die­se Män­gel die durch die Echt­heit der Unter­schrif­ten begrün­de­te Beweis­kraft der Urkun­de auf­he­ben oder min­dern [1].

Die durch die Echt­heit der Unter­schrif­ten begrün­de­te Beweis­kraft des Ori­gi­nal-Ver­trags wird nicht dadurch auf­ge­ho­ben oder ent­schei­dend her­ab­ge­setzt, dass die vor­ge­leg­te Urkun­de in der lin­ken obe­ren Ecke neben der Heft­klam­mer zahl­rei­che Löcher frü­he­rer Heft­klam­mern auf­weist. Dass lässt dar­auf schlie­ßen, dass die aus meh­re­ren Blät­tern bestehen­de Urkun­de mehr­fach aus­ein­an­der­ge­nom­men und wie­der zusam­men­ge­setzt wor­den ist. Das ist jedoch dadurch nach­voll­zieh­bar zu erklä­ren, dass der Ver­trag wie­der­holt, unter ande­rem zur Her­stel­lung von Kopien für das vor­lie­gen­de Ver­fah­ren auf Voll­streck­bar­er­klä­rung des Schieds­spruchs, ver­wen­det wor­den ist.

Dar­auf, ob die Sei­ten des Ver­tra­ges bei Unter­zeich­nung der letz­ten Sei­te nicht durch Heft­klam­mern oder auf ande­re Wei­se mit­ein­an­der ver­bun­den gewe­sen waren, kommt es eben­so­we­nig an, wie auf die Fra­ge, wer den vor­ge­leg­ten Ori­gi­nal-Ver­trag zuletzt mit Heft­klam­mern ver­se­hen hat. Selbst wenn die ein­zel­nen Blät­ter erst nach der Unter­zeich­nung des Ver­trags durch Heft­klam­mern mit­ein­an­der ver­bun­den wor­den wären, könn­te dar­in kein Anhalts­punkt dafür gese­hen wer­den, dass die vor­letz­te Sei­te des Ver­trags erst nach der Unter­zeich­nung des Ver­trags ein­ge­fügt wur­de.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 21. Febru­ar 2017 – I ZB 115/​15

  1. vgl. BGH, Urteil vom 15.11.1979 – III ZR 93/​78, NJW 1980, 893[]