Wareneingangsbücher für Analphabeten

Die Verpflich­tung zur Aufze­ich­nung des Warenein­gangs gilt auch dann, wenn der Unternehmer des Lesens und Schreibens nicht mächtig war.

Wareneingangsbücher für Analphabeten

§ 143 Abs. 1 AO sieht bere­its von seinem Wort­laut her keine Aus­nahme vor. Vielmehr ver­langt die Norm die Aufze­ich­nung des Warenein­gangs von allen gewerblichen Unternehmern.

Aus­ge­hend vom Sinn und Zweck der Vorschrift, es ger­ade der Finanzbe­hörde zu ermöglichen, das Betrieb­sergeb­nis zu über­prüfen und Dat­en für eine Nachkalku­la­tion bere­itzustellen1, ist allein auf die Tätigkeit des Steuerpflichti­gen und nicht auf seine Ken­nt­nisse und per­sön­lichen Fähigkeit­en abzustellen.

Sollte der Gewer­be­treibende selb­st nicht in der Lage sein, den Aufze­ich­nungspflicht­en nachzukom­men, hat er sich ander­er Per­so­n­en zu bedi­enen. Diese Hil­fe sachgerecht zu organ­isieren, gehört zu seinen Pflicht­en als gewerblich Tätiger.

Bun­des­fi­nanzhof, Urteil vom 9. März 2016 — X R 10/13

  1. vgl. nur Drüen in Tipke/Kruse, Abgabenord­nung, Finanzgericht­sor­d­nung, § 143 AO Rz 1, m.w.N. []