Wer­bung für ein Kine­sio­lo­gie-Tape

Die Wer­be­aus­sa­ge „ein Kine­sio­lo­gie-Tape unter­stützt die Ver­bes­se­rung von Mikro­zir­ku­la­ti­on und akti­viert das Lymph- und endo­ge­ne analge­ti­sche Sys­tem“ ist irre­füh­rend und stellt einen Wett­be­werbs­ver­stoß gem. §§ 3, 4 Nr. 11 UWG i.V.m. § 3 Satz 2 Nr. 1 HWG dar, sofern für die­se Behaup­tun­gen kei­ne hin­rei­chen­de wis­sen­schaft­li­che Absi­che­rung besteht.

Wer­bung für ein Kine­sio­lo­gie-Tape

Die bean­stan­de­ten Wer­be­aus­sa­gen zu den bei­den ange­bo­te­nen Pro­duk­ten C. und C. ver­sto­ßen gegen § 4 Abs. 11 UWG i. V. mit § 3 Satz 2 Nr. 1 HWG bzw. § 4 Abs. 2 Satz 1 MPG.

Gemäß §§ 1 Abs. 1 Nr. 1a, 3 Satz 1 HWG i. V. mit § 3 Nr. 1a und b MPG bzw. § 4 Abs. 2 Satz 1 MPG ist eine irre­füh­ren­de Wer­bung für Medi­zin­pro­duk­te ver­bo­ten. Eine Irre­füh­rung liegt nach § 3 Satz 2 Nr. 1 HWG bzw. § 4 Abs. 2 Satz 2 Nr. 1 MPG ins­be­son­de­re vor, wenn Medi­zin­pro­duk­te eine the­ra­peu­ti­sche Wirk­sam­keit oder Wir­kun­gen bzw. eine Leis­tung bei­gelegt wer­den, die sie nicht haben. Bei § 3 HWG han­delt es sich um eine gesetz­li­che Rege­lung, die auch dazu bestimmt ist, im Inter­es­se der Markt­teil­neh­mer das Markt­ver­hal­ten i. S. des § 4 Nr. 11 UWG zu regeln [1]. Dies gilt gleich­falls für das Medi­zin­pro­duk­te­ge­setz [2].

Eine Irre­füh­rung ist dann gege­ben, wenn in der Wer­bung einem Pro­dukt eine the­ra­peu­ti­sche Wirk­sam­keit als objek­tiv rich­tig bei­gemes­sen wird, die­se Wirk­sam­keit aber fach­lich (noch) umstrit­ten ist [3]. Stützt sich der Wer­ben­de auf eine – wie hier glaub­haft gemacht – fach­lich umstrit­te­ne Behaup­tung, ohne die Gegen­an­sicht zu erwäh­nen, hat er damit auch die Ver­ant­wor­tung für die fach­li­che Rich­tig­keit sei­ner Anga­ben über­nom­men; er muss sie im Streit­fall auch bewei­sen [4]. Trägt der Ver­fü­gungs­klä­ger das Feh­len einer wis­sen­schaft­li­chen Grund­la­ge einer gesund­heits­be­zo­ge­nen Wer­be­aus­sa­ge sub­stan­ti­iert vor, so ist es Auf­ga­be des Ver­fü­gungs­be­klag­ten, die wis­sen­schaft­li­che Absi­che­rung zu bewei­sen [5]. So liegt es hier.

Ober­lan­des­ge­richt Cel­le – Urteil vom 05. Dezem­ber 2013 – 13 W 77/​13

  1. BGH, Urteil vom 21.07.2005 – I ZR 94/​02 – Gin­seng-Päpa­rat. 24; Ober­lan­des­ge­richt, Urteil vom 04.10.2012 – 13 U 36/​12. 16[]
  2. Link in Ull­mann juris­PK-UWG, 3. Aufl., § 4 Nr. 11 UWG Rn. 249[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 07.12 2000 – I ZR 260/​98 – Euso­vit. 33[]
  4. OLG Cel­le, Urteil vom 04.10.2012, a. a. O.. 17[]
  5. OLG Cel­le, Urteil vom 04.10.2012, a. a. O.[]