Wirk­sam­keits­be­haup­tun­gen in der Werbung

Stützt sich der Wer­ben­de bei sei­ner Wer­be­aus­sa­ge bewusst auf eine fach­lich umstrit­te­ne Behaup­tung, ohne begrün­de­te Zwei­fel zu erwäh­nen, hat er damit auch die Ver­ant­wor­tung für die objek­ti­ve Rich­tig­keit sei­ner Anga­be über­nom­men und muss sie daher im Streit­fall bewei­sen [1].

Wirk­sam­keits­be­haup­tun­gen in der Werbung

Das Ver­bot einer irre­füh­ren­den und damit unlau­te­ren Wer­bung setzt gem. § 3 UWG fer­ner eine spür­ba­re Beein­träch­ti­gung von Mit­be­wer­bern, Ver­brau­chern oder sons­ti­gen Markt­teil­neh­mern vor­aus. Gegen­über Ver­brau­chern ist inso­weit ent­schei­dend, ob die Hand­lung der für den Unter­neh­mer gel­ten­den fach­li­chen Sorg­falt ent­spricht und geeig­net ist, die Fähig­kei­ten des Ver­brau­chers, sich auf­grund von Infor­ma­tio­nen zu ent­schei­den, spür­bar beein­träch­tigt und ihn damit zu einer geschäft­li­chen Ent­schei­dung ver­an­lasst, die er andern­falls nicht getrof­fen hät­te. Dabei ist auf den durch­schnitt­lich infor­mier­ten und ver­stän­di­gen Ver­brau­cher abzu­stel­len, der einer Wer­bung die der Situa­ti­on ange­mes­se­ne Auf­merk­sam­keit ent­ge­gen­bringt. In die­sem Sin­ne ist eine Wer­bung dann irre­füh­rend, wenn sie geeig­net ist, bei einem erheb­li­chen Teil der umwor­be­nen Ver­kehrs­krei­se irri­ge Vor­stel­lun­gen über die Eigen­schaf­ten des Pro­dukts und die zutref­fen­de Ent­schlie­ßung in wett­be­werb­lich rele­van­ter Wei­se zu beein­flus­sen [2]

Imm vor­lie­gend ent­schie­de­nen Fall der Wer­bung für ein elek­tro­phy­si­ka­li­sches Mau­er­trock­nungs­sys­tem ent­neh­men die inso­weit ange­spro­che­nen Ver­brau­cher­krei­se den Wer­be­aus­sa­gen auf der Inter­net­sei­te der Beklag­ten, dass die ange­prie­se­ne Tro­cken­le­gungs­tech­nik und die Mau­er­ent­feuch­tungs­sys­te­me ohne grö­ße­ren Arbeits- und Kos­ten­auf­wand und ohne nach­hal­ti­gen Sub­stanz­ein­griff in das Gebäu­de zu der erwünsch­ten nach­hal­ti­gen Tro­cken­le­gung des feuch­ten Mau­er­werks führt. Dabei setzt der inter­es­sier­te Ver­brau­cher vor­aus, dass die von der Beklag­ten ange­bo­te­ne Metho­de in der Pra­xis nach bestimm­ten Stan­dards erprobt ist, tat­säch­lich funk­tio­niert und die ihr zuge­schrie­be­ne Wir­kung ent­fal­tet und damit den all­ge­mein aner­kann­ten Regeln der Bau­tech­nik ent­spricht [3]. Lässt das bewor­be­ne Sys­tem hin­ge­gen eine fun­dier­te, tech­nisch bzw. phy­si­ka­lisch nach­voll­zieh­ba­re Grund­la­ge ver­mis­sen, wird der inter­es­sier­te Kun­de in den durch die Wer­be­aus­sa­gen her­vor­ge­ru­fe­nen Erwar­tun­gen an das Pro­dukt getäuscht. Ins­be­son­de­re ist dabei zu berück­sich­ti­gen, dass die Beklag­te viel­fach von einer Garan­tie spricht und damit die Wirk­sam­keit des von ihr bewor­be­nen Pro­dukts aus­drück­lich zusichert.

Ober­lan­des­ge­richt Cel­le, Urteil vom 19. Dezem­ber 2013 – 13 U 119/​13

  1. OLG Naum­burg, Urteil vom 29.05.2009, a. a. O. 69; OLG Hamm, Urteil vom 25.09.2008 – 4 U 91/​08 35; OLG Stutt­gart, Beschluss vom 18.07.2012, a. a. O. 13; Born­kamm in Köhler/​Bornkamm, a. a. O., § 5 Rn.03.26[]
  2. std. Rspr.; BGH, Urteil vom 08.03.2012 – I ZR 202/​10 – Markt­füh­rer Sport19[]
  3. vgl. nur OLG Naum­burg, Urteil vom 29.05.2009, a. a. O. 65[]