Ansprüche zwischen GmbH-Gesellschaftern wegen verdeckter Gewinnausschüttung

Ansprüche zwis­chen Gesellschaftern ein­er GmbH wegen verdeck­ter Gewin­nauss­chüt­tung ergeben sich nicht aus ein­er analo­gen Anwen­dung von § 31 Abs. 1 Gmb­HG.

Ansprüche zwischen GmbH-Gesellschaftern wegen verdeckter Gewinnausschüttung

Die Auf­fas­sung, auf verdeck­te Gewin­nauss­chüt­tun­gen sei ohne Rück­sicht auf das Vor­liegen der Voraus­set­zun­gen des § 30 Gmb­HG, ins­beson­dere ein­er Unter­bilanz, die Vorschrift des § 31 Abs. 1 Gmb­HG ana­log anwend­bar, wird auch in der — meist älteren — Lit­er­atur vertreten1.

Das Ober­lan­des­gericht Stut­gart fol­gt dieser Auf­fas­sung jedoch im Ein­klang mit der — soweit ersichtlich — ein­hel­li­gen Auf­fas­sung in der oberg­erichtlichen Recht­sprechung2 sowie der ganz herrschen­den Mei­n­ung in der Lit­er­atur3 nicht. Die Gegen­mei­n­ung geht ins­beson­dere auf die Über­legun­gen Flumes4 zurück, die wiederum maßgebend davon geprägt waren, mit der befür­worteten Analo­gie ver­jährungsrechtliche Frik­tio­nen zu ver­mei­den, konkret die dama­lige fün­fjährige objek­tive Ver­jährung, die § 31 Abs. 5 Gmb­HG bis zum Jahr 2004 vor­sah5, nicht durch Anwen­dung der bis zur Schul­drechtsmod­ernisierung im Jahr 2002 gel­tenden dreißigjähri­gen objek­tiv­en Ver­jährung für Bere­icherungsansprüche zu kon­terkari­eren, also die Begün­s­ti­gung durch die kurze spezialge­set­zliche Ver­jährung nicht leer­laufen zu lassen6.

Unter dem jet­zt gel­tenden § 31 Abs. 5 Gmb­HG sowie der für Bere­icherungsansprüche anwend­baren §§ 195, 199 BGB ist die ver­jährungsrechtliche Lage hinge­gen eine ganz andere, für die früher befür­wortete Analo­gie beste­ht schon deshalb wed­er Raum noch Bedürf­nis (vgl. Ekken­ga, in: Münch­en­er Kom­men­tar zum Gmb­HG, 1. Aufl., § 29 Rn. 268). Aus der Diver­genz beim Schutz des gut­gläu­bi­gen Empfängers nach § 31 Abs. 2 Gmb­HG ein­er­seits und nach § 818 Abs. 3 BGB ander­er­seits ergibt sich nichts anderes7.

Ober­lan­des­gericht Stuttgart, Beschluss vom 15. Feb­ru­ar 2013 — 14 U 5/13

  1. etwa Flume, All­ge­mein­er Teil des Bürg­er­lichen Rechts, Erster Band, Zweit­er Teil, Die juris­tis­che Per­son, 1983, S. 295; Win­ter, ZHR 148 [1984], 579, 589; Stengel/Scholderer, ZGR 1997, 41, 43; Hom­mel­hoff, in Lutter/Hommelhoff, Gmb­HG, 18. Aufl., § 29 Rn. 54; früher auch Goerdeler/Müller, in: Hachen­burg, Gmb­HG, 8. Aufl., § 29 Rn. 134 m. w. N. in Fn. 244, doch mit­tler­weile aufgegeben [Müller, in: Großkom­men­tar zum GmbH, Gmb­HG, 1. Aufl., § 29 Rn. 169] []
  2. OLG Bran­den­burg, GmbHR 1997, 750; OLG Frank­furt, GmbHR 2005, 550, 558 []
  3. s. nur etwa Verse, in: Scholz, Gmb­HG, 11. Aufl., § 29 Rn. 123 ff. m. w. N.; Ekken­ga, in: Münch­en­er Kom­men­tar zum Gmb­HG, 1. Aufl., § 29 Rn. 268; Fas­trich, in: Baumbach/Hueck, Gmb­HG, 20. Aufl., § 29 Rn. 76; Müller, in: Großkom­men­tar zum GmbH, Gmb­HG, 1. Aufl., § 29 Rn. 169; Pentz, in: Rowed­der/Schmidt-Lei­thoff, Gmb­HG, § 29 Rn. 169 []
  4. Flume, a.a.O., S. 295 []
  5. s. dazu etwa OLG Stuttgart, Urteil vom 27.09.2006 — 14 U 11/06, Tz. 60 []
  6. eben­so etwa Win­ter, ZHR 148 [1984], 579, 589; Stengel/Scholderer, ZGR 1997, 41, 43 []
  7. vgl. nur MünchKomm-Gmb­HG/Ekken­ga, 1. Aufl., § 29 Rn. 268; gegen die Her­anziehung von § 31 Abs. 2 Gmb­HG im Übri­gen auch Hom­mel­hoff, in Lutter/Hommelhoff, Gmb­HG, 18. Aufl., § 29 Rn. 54 []