Aus­tausch aller GbR-Gesell­schaf­ter

Bei einer Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts kön­nen eben­so wie bei einer Per­so­nen­han­dels­ge­sell­schaft [1] unter Wah­rung der Gesell­schafts­iden­ti­tät gleich­zei­tig sämt­li­che Gesell­schaf­ter im Wege der Anteils­über­tra­gung aus­ge­wech­selt wer­den.

Aus­tausch aller GbR-Gesell­schaf­ter

Der Bun­des­ge­richts­hof hat bereits ent­schie­den, dass bei einer Per­so­nen­han­dels­ge­sell­schaft alle Gesell­schaf­ter gleich­zei­tig durch Abtre­tung ihrer Gesell­schafts­an­tei­le aus der Gesell­schaft aus­schei­den und an ihre Stel­le die Erwer­ber der Gesell­schafts­an­tei­le tre­ten kön­nen, ohne dass dadurch der Fort­be­stand der Gesell­schaft berührt wird [1]. Dies hat in der Lite­ra­tur all­ge­mei­ne Zustim­mung gefun­den [2].

Für die – als rechts­fä­hig aner­kann­te – (Außen)Gesellschaft bür­ger­li­chen Rechts kann nichts ande­res gel­ten [3].

Der Gegen­an­sicht ist zwar zuzu­ge­ben, dass bei einer Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts, die nicht in einem öffent­li­chen Regis­ter ein­ge­tra­gen ist, die Namen der Gesell­schaf­ter eine bedeut­sa­me Iden­ti­fi­zie­rungs­hil­fe sind (sie­he auch § 47 Abs. 2 S. 1 GBO). Gleich­wohl ist auch in einer Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts ein Gesell­schaf­ter­wech­sel bei iden­ti­schem Fort­be­stand der Gesell­schaft nach all­ge­mei­ner Ansicht mög­lich [4], obwohl jeder Wech­sel eines oder meh­re­rer Gesell­schaf­ter die Funk­ti­on des Gesell­schaf­ter­be­stan­des als Iden­ti­fi­zie­rungs­hil­fe im Rechts­ver­kehr beein­träch­ti­gen kann.

Eine quan­ti­ta­ti­ve Begren­zung des Gesell­schaf­ter­wech­sels auf ein noch zuläs­si­ges Maß lässt sich nicht sinn­voll vor­neh­men. Schon des­halb kann auch ein voll­stän­di­ger Aus­tausch des gesam­ten Gesell­schaf­ter­be­stan­des nicht unter­sagt wer­den, der je nach Lage des Fal­les kei­ne erheb­lich grö­ße­re Irri­ta­ti­on des Rechts­ver­kehrs her­vor­ru­fen muss als der Wech­sel eines (gro­ßen) Teils der Gesell­schaf­ter. Im Übri­gen bleibt es Auf­ga­be der (neu­en) Gesell­schaf­ter, mög­li­che Zwei­fel an dem iden­ti­schen Fort­be­stand der Gesell­schaft aus­zu­räu­men.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 3. Novem­ber 2015 – II ZR 446/​13

  1. BGH, Urteil vom 08.11.1965 – II ZR 223/​64, BGHZ 44, 229, 231[][]
  2. s. nur Wer­ten­bruch in Ebenroth/​Boujong/​Joost/​Strohn, HGB, 3. Aufl., § 105 Rn. 222; Oetker/​Weitemeyer, HGB, 4. Aufl., § 105 Rn. 65; Roth in Baumbach/​Hopt, HGB, 36. Aufl., § 105 Rn. 69[]
  3. vgl. dazu Münch­Komm-BGB/­Schä­fer, 6. Aufl., § 719 Rn. 23, 26; Kili­an in Henssler/​Strohn, GesR, 2. Aufl., § 719 BGB Rn. 13[]
  4. vgl. nur BGH, Urteil vom 29.01.2001 – II ZR 331/​00, BGHZ 146, 341, 345; Münch­Komm-BGB/­Schä­fer, 6. Aufl., § 719 Rn. 17 ff.[]