Feuch­tig­keits­spen­den­de Kos­me­ti­ka

Die Bestim­mung des Art.20 Abs. 1 Kos­me­tik-Ver­ord­nung stellt eine Markt­ver­hal­tens­re­ge­lung im Sin­ne von § 4 Nr. 11 und § 3a UWG dar, die einen beson­de­ren Aspekt unlau­te­rer Geschäfts­prak­ti­ken regelt und des­halb gemäß Art. 3 Abs. 4 der Richt­li­nie 2005/​29/​EG über unlau­te­re Geschäfts­prak­ti­ken der in Art. 6 die­ser Richt­li­nie ent­hal­te­nen Rege­lung über irre­füh­ren­de Hand­lun­gen vor­geht.

Feuch­tig­keits­spen­den­de Kos­me­ti­ka

Nach Art.20 Abs. 1 Kos­me­tik-Ver­ord­nung liegt die Dar­le­gungs- und Beweis­last dafür, dass einem kos­me­ti­schen Mit­tel Merk­ma­le oder Funk­tio­nen feh­len, über die es nach sei­ner Auf­ma­chung oder nach der dafür betrie­be­nen Wer­bung ver­fü­gen soll, grund­sätz­lich bei dem­je­ni­gen, der dies gel­tend macht. Abwei­chen­des gilt, wenn der mit der Wer­bung ange­spro­che­ne Durch­schnitts­ver­brau­cher die Wer­bung dahin ver­steht, dass die Wirk­sam­keit des Mit­tels wis­sen­schaft­lich abge­si­chert ist.

Die Beleg­bar­keit von Wer­be­aus­sa­gen über kos­me­ti­sche Mit­tel erfor­dert im Hin­blick auf die in Nr. 3 des Anhangs der Ver­ord­nung (EU) Nr. 655/​2013 ent­hal­te­nen Rege­lun­gen nicht, dass die Aus­sa­gen als wis­sen­schaft­lich gesi­chert anzu­se­hen sind.

In dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall strit­ten die Par­tei­en dar­über, ob von dem Pul­ver, das sich bei den Nass­ra­sie­rern der Her­stel­le­rin „HYDRO 3“ und „HYDRO 5“ in einem Behäl­ter ober­halb der Klin­gen befin­det und beim Gebrauch der Rasie­rer mit Was­ser zu einem Gel ver­bin­det, eine län­ger anhal­ten­de feuch­tig­keits­spen­den­de Wir­kung für die rasier­te Haut aus­geht. Bei dem durch die Ver­bin­dung des Pul­vers mit Was­ser ent­ste­hen­den Gel han­delt es sich danach um eine Stoff­zu­sam­men­set­zung, die dazu bestimmt ist, äußer­lich mit der mensch­li­chen Haut in Berüh­rung zu kom­men, um die­se in gutem Zustand zu hal­ten, und damit um ein kos­me­ti­sches Mit­tel im Sin­ne von § 2 Abs. 5 LFGB, mit dem Art. 1 Abs. 1 der Richt­li­nie 76/​768/​EWG zur Anglei­chung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten über kos­me­ti­sche Mit­tel in das deut­sche Recht umge­setzt wor­den ist. Mit Wir­kung vom 11.07.2013 sind die Vor­schrif­ten der Richt­li­nie 76/​768/​EWG durch die Bestim­mun­gen der Kos­me­tik-Ver­ord­nung abge­löst wor­den (Art. 38 Unter­abs. 1, Art. 40 Abs. 2 Kos­me­tik-Ver­ord­nung). Nach Art. 2 Abs. 1 Buchst. a der Kos­me­tik-Ver­ord­nung sind kos­me­ti­sche Mit­tel Stof­fe oder Gemi­sche, die dazu bestimmt sind, äußer­lich mit den Tei­len des mensch­li­chen Kör­pers (Haut, Behaa­rungs­sys­tem, Nägel, Lip­pen und äuße­re inti­me Regio­nen) in Berüh­rung zu kom­men, und zwar zu dem aus­schließ­li­chen oder über­wie­gen­den Zweck, die­sen zu schüt­zen oder in einem guten Zustand zu hal­ten. Auch die­se Vor­aus­set­zun­gen erfüllt das frag­li­che Gel.

Nach § 27 Abs. 1 Satz 1 LFGB ist es ver­bo­ten, kos­me­ti­sche Mit­tel unter irre­füh­ren­der Bezeich­nung, Anga­be oder Auf­ma­chung gewerbs­mä­ßig in den Ver­kehr zu brin­gen oder für kos­me­ti­sche Mit­tel all­ge­mein oder im Ein­zel­fall mit irre­füh­ren­den Dar­stel­lun­gen oder sons­ti­gen Aus­sa­gen zu wer­ben. Eine Irre­füh­rung liegt nach § 27 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 LFGB vor, wenn einem kos­me­ti­schen Mit­tel Wir­kun­gen bei­gelegt wer­den, die ihm nach den Erkennt­nis­sen der Wis­sen­schaft nicht zukom­men (Fall 1) oder die wis­sen­schaft­lich nicht hin­rei­chend gesi­chert sind (Fall 2). Die Rege­lung galt bereits beim Erschei­nen der bean­stan­de­ten Wer­bung im Jahr 2011. Sie dien­te der Umset­zung des Art. 6 Abs. 3 der Richt­li­nie 76/​768/​EWG in der durch Art. 1 Nr. 4 der Richt­li­nie 88/​667/​EWG zur vier­ten Ände­rung der Richt­li­nie 76/​768/​EWG geän­der­ten Fas­sung (zuvor: Art. 6 Abs. 2 der Richt­li­nie 76/​768/​EWG). Danach hat­ten die Mit­glied­staa­ten alle erfor­der­li­chen Maß­nah­men zu tref­fen, um sicher­zu­stel­len, dass bei der Eti­ket­tie­rung, der Auf­ma­chung für den Ver­kauf und der Wer­bung für kos­me­ti­sche Mit­tel nicht Tex­te, Bezeich­nun­gen, Waren­zei­chen, Abbil­dun­gen und ande­re bild­haf­te oder nicht bild­haf­te Zei­chen ver­wen­det wur­den, die Merk­ma­le vor­täusch­ten, die die betref­fen­den Erzeug­nis­se nicht besa­ßen.

Seit dem 11.07.2013 dür­fen nach Art.20 Abs. 1 Kos­me­tik-Ver­ord­nung bei der Kenn­zeich­nung, der Bereit­stel­lung auf dem Markt und der Wer­bung für kos­me­ti­sche Mit­tel kei­ne Tex­te, Bezeich­nun­gen, Waren­zei­chen, Abbil­dun­gen und ande­re bild­haf­te oder nicht bild­haf­te Zei­chen ver­wen­det wer­den, die Merk­ma­le oder Funk­tio­nen vor­täu­schen, die die betref­fen­den Erzeug­nis­se nicht besit­zen. Die­se Bestim­mung stellt eben­so eine Markt­ver­hal­tens­re­ge­lung im Sin­ne von § 4 Nr. 11 UWG aF und § 3a UWG nF dar wie die in § 27 Abs. 1 Satz 1 und 2 Nr. 1 LFGB ent­hal­te­ne Rege­lung [1].

Da es sich bei Art.20 Abs. 1 Kos­me­tik-Ver­ord­nung um eine Rechts­vor­schrift der Uni­on han­delt, die – jeden­falls in ihrem Zusam­men­wir­ken mit der auf der Grund­la­ge des Art.20 Abs. 2 Kos­me­tik-Ver­ord­nung ergan­ge­nen Ver­ord­nung (EU) Nr. 655/​2013 zur Fest­le­gung gemein­sa­mer Kri­te­ri­en zur Begrün­dung von Wer­be­aus­sa­gen im Zusam­men­hang mit kos­me­ti­schen Mit­teln – einen beson­de­ren Aspekt unlau­te­rer Geschäfts­prak­ti­ken regelt, geht sie gemäß Art. 3 Abs. 4 der Richt­li­nie 2005/​29/​EG über unlau­te­re Geschäfts­prak­ti­ken der in Art. 6 die­ser Richt­li­nie ent­hal­te­nen und in § 5 UWG in deut­sches Recht umge­setz­ten Rege­lung über irre­füh­ren­de Hand­lun­gen vor. Das­sel­be gilt für die der Umset­zung des Art. 6 Abs. 3 der Richt­li­nie 76/​768/​EWG in der durch die Richt­li­nie 88/​667/​EWG geän­der­ten Fas­sung in deut­sches Recht die­nen­de Vor­schrift des § 27 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 LFGB, bei deren Aus­le­gung Art. 7a Abs. 1 der Richt­li­nie 76/​768/​EWG in der durch Art. 1 Nr. 12 der Richt­li­nie 93/​35/​EWG zur sechs­ten Ände­rung der Richt­li­nie 76/​768/​EWG ergänz­ten Fas­sung zu berück­sich­ti­gen war. Seit der Ablö­sung der Richt­li­nie 76/​768/​EWG durch die Kos­me­tik-Ver­ord­nung mit Wir­kung vom 11.07.2013 sind nun­mehr Art.20 Abs. 1 und 2 Kos­me­tik-Ver­ord­nung und die Ver­ord­nung (EG) Nr. 655/​2013 ein­schlä­gig. Die­se letzt­ge­nann­te Ver­ord­nung gilt nach ihrem Art. 3 Unter­ab­satz 2 eben­falls seit dem 11.07.2013.

Die Bestim­mung des Art.20 Abs. 1 Kos­me­tik-Ver­ord­nung ist danach für gel­tend gemach­te Aus­kunfts- und Scha­dens­er­satz­an­sprü­che maß­geb­lich, denen seit dem 11.07.2013 vor­ge­nom­me­ne Wer­be­maß­nah­men der Her­stel­le­rin zugrun­de lie­gen. Da Art.20 Abs. 1 Kos­me­tik-Ver­ord­nung hin­sicht­lich des der Her­stel­le­rin oblie­gen­den Bewei­ses der Wirk­sam­keit des bewor­be­nen Pro­dukts auch nicht stren­ger ist als die nach dem frü­he­ren Recht anwend­ba­re Rege­lung, gilt das­sel­be für die streit­ge­gen­ständ­li­chen Unter­las­sungs­an­sprü­che. Unter­las­sungs­an­sprü­che sind in die Zukunft gerich­tet und bestehen daher nur dann, wenn die zu unter­sa­gen­den Ver­hal­tens­wei­sen zum Zeit­punkt ihrer Bege­hung und nach dem zur Zeit der gericht­li­chen Ent­schei­dung gel­ten­den Recht rechts- und wett­be­werbs­wid­rig sind [2]. Für die Fest­stel­lung der Scha­dens­er­satz­pflicht und die Ver­pflich­tung zur Aus­kunfts­er­tei­lung für die Vor­be­rei­tung der Berech­nung des Scha­dens­er­satz­an­spruchs kommt es wegen vor dem 11.07.2013 vor­ge­nom­me­ner Wer­be­maß­nah­men der Her­stel­le­rin auf die sei­ner­zeit gel­ten­de Rechts­la­ge an [3].

Die Ansicht des Ober­lan­des­ge­richts Köln [4], die Dar­le­gungs- und Beweis­last dafür, dass das Mit­tel der Her­stel­le­rin die ihm in der bean­stan­de­ten Wer­bung zuge­schrie­be­ne Wir­kung auf­wei­se, lie­ge bei der Her­stel­le­rin, erweist sich sowohl für das bis zum 11.07.2013 gel­ten­de Recht als auch jeden­falls im Ergeb­nis – für das seit­her gel­ten­de Recht als rich­tig.

Bei der Aus­le­gung des § 27 Abs. 1 Satz 1 und 2 Nr. 1 LFGB war zu berück­sich­ti­gen, dass der Her­stel­ler eines kos­me­ti­schen Mit­tels nach Art. 7a Abs. 1 Buchst. g der Richt­li­nie 76/​768/​EWG in der durch Art. 1 Nr. 12 der Richt­li­nie 93/​35/​EWG ergänz­ten Fas­sung sicher­zu­stel­len hat­te, dass den zustän­di­gen Behör­den des betref­fen­den Mit­glied­staats der Nach­weis der für das Mit­tel ange­prie­se­nen Wir­kung leicht zugäng­lich war, wenn dies auf­grund der Beschaf­fen­heit oder der ange­prie­se­nen Wir­kung gerecht­fer­tigt war. Aus die­ser Rege­lung folg­te, dass den Wer­ben­den die Ver­ant­wor­tung für die Rich­tig­keit sei­ner Wir­kungs­aus­sa­ge traf und er die­se daher im Streit­fall zu bewei­sen hat­te [5].

Nach Art.20 Abs. 1 Kos­me­tik-Ver­ord­nung liegt die Dar­le­gungs­last [6] wie auch die Beweis­last dafür, dass einem kos­me­ti­schen Mit­tel Merk­ma­le oder Funk­tio­nen feh­len, über die es nach sei­ner Auf­ma­chung oder nach der dafür betrie­be­nen Wer­bung ver­fü­gen soll, aller­dings grund­sätz­lich bei dem­je­ni­gen, der dies gel­tend macht [7]. Abwei­chen­des gilt, wenn der mit der Wer­bung ange­spro­che­ne Durch­schnitts­ver­brau­cher die Wer­bung dahin ver­steht, dass die Wirk­sam­keit des Mit­tels wis­sen­schaft­lich abge­si­chert ist [8].

Die vom Ober­lan­des­ge­richt Köln [9] vor­ge­nom­me­ne Zuwei­sung der Dar­le­gungs- und Beweis­last für die Beleg­bar­keit der von der Klä­ge­rin bean­stan­de­ten Wer­be­aus­sa­gen erweist sich nach dem neu­en Recht jedoch im Blick auf die Rege­lung im Anhang der Ver­ord­nung (EU) Nr. 655/​2013 als im Ergeb­nis rich­tig. Nach der Num­mer 3 des Anhangs der Ver­ord­nung (EU) Nr. 655/​2013 müs­sen Wer­be­aus­sa­gen über kos­me­ti­sche Mit­tel durch hin­rei­chen­de und über­prüf­ba­re Nach­wei­se belegt wer­den, die den Stand der Tech­nik berück­sich­ti­gen (Nrn. 1 und 2), und müs­sen als Nach­weis her­an­ge­zo­ge­ne Stu­di­en für das Pro­dukt und den behaup­te­ten Nut­zen rele­vant sein, auf ein­wand­frei ent­wi­ckel­ten und ange­wand­ten Metho­den basie­ren und ethi­schen Erwä­gun­gen Rech­nung tra­gen (Nr. 3); außer­dem muss die Beweis­kraft der Nach­wei­se bzw. Bele­ge mit der Art der getä­tig­ten Wer­be­aus­sa­ge in Ein­klang ste­hen (Nr. 4). Die­se Kri­te­ri­en set­zen ersicht­lich durch­weg vor­aus, dass der Wer­ben­de in der Lage sein muss, die Rich­tig­keit sei­ne Behaup­tun­gen zu bele­gen [10].

Das Ober­lan­des­ge­richt Köln [9] ist bei sei­ner wei­te­ren Beur­tei­lung mit der Anfor­de­rung, die Nach­wei­se für die Rich­tig­keit der streit­ge­gen­ständ­li­chen Wer­be­an­ga­ben müss­ten denen ent­spre­chen, die für die Zuläs­sig­keit gesund­heits­be­zo­ge­ner Wer­be­an­ga­ben ent­wi­ckelt wor­den sei­en, und müss­ten daher als wis­sen­schaft­lich gesi­chert anzu­se­hen sein, aller­dings sowohl für das seit 11.07.2013 gel­ten­de Recht als auch für das bis dahin gel­ten­de frü­he­re Recht von einem zu stren­gen Maß­stab aus­ge­gan­gen.

Soweit es – für gel­tend gemach­te Aus­kunfts- und Scha­dens­er­satz­an­sprü­che, denen seit dem 11.07.2013 vor­ge­nom­me­ne Wer­be­maß­nah­men der Her­stel­le­rin zugrun­de lie­gen, und für die streit­ge­gen­ständ­li­chen Unter­las­sungs­an­sprü­che – allein oder zumin­dest auch auf das seit­her gel­ten­de Recht ankommt, folgt dies aus der Ver­ord­nung (EU) Nr. 655/​2013. Nach der Num­mer 3 ihres Anhangs müs­sen Wer­be­aus­sa­gen über kos­me­ti­sche Mit­tel (ledig­lich) durch hin­rei­chen­de und über­prüf­ba­re Nach­wei­se belegt wer­den, wobei neben Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten auch ande­re Arten von Nach­wei­sen her­an­ge­zo­gen wer­den kön­nen, sofern die­se Nach­wei­se den Stand der Tech­nik berück­sich­ti­gen (Nrn. 1 und 2). Da die Beweis­kraft der Nach­wei­se bzw. Bele­ge mit der Art der getä­tig­ten Wer­be­aus­sa­ge in Ein­klang ste­hen muss, gel­ten für Aus­sa­gen, bei denen eine feh­len­de Wirk­sam­keit ein Sicher­heits­pro­blem ver­ur­sa­chen könn­te, höhe­re Beweis­an­for­de­run­gen als für Wer­be­aus­sa­gen, bei denen dies nicht der Fall ist (Nrn. 4 und 7). Damit konn­te im Streit­fall ent­ge­gen der Ansicht des Ober­lan­des­ge­richts Köln nicht ver­langt wer­den, dass die von der Klä­ge­rin bean­stan­de­ten Wer­be­aus­sa­gen als wis­sen­schaft­lich gesi­chert anzu­se­hen waren [11].

Der Bun­des­ge­richts­hof hat zu § 27 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 Fall 2 LFGB ent­schie­den, dass sich eine hin­rei­chen­de wis­sen­schaft­li­che Absi­che­rung im Sin­ne die­ser Vor­schrift schon aus einer ein­zel­nen Arbeit erge­ben kann, sofern die­se auf über­zeu­gen­den Metho­den und Fest­stel­lun­gen beruht [12]. Der Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit, den die Mit­glied­staa­ten bei Maß­nah­men zur Durch­füh­rung von Art. 6 Abs. 3 der Richt­li­nie 76/​768/​EWG zu wah­ren hat­ten [13], gilt auch für die Anfor­de­run­gen, die an den Nach­weis zu stel­len sind, ob ein kos­me­ti­sches Mit­tel eine vom Wer­ben­den behaup­te­te Wir­kung besitzt [14]. Inso­weit stellt die unter – II 4 a ange­führ­te Rege­lung im Anhang der Ver­ord­nung (EU) Nr. 655/​2013 ledig­lich eine Kon­kre­ti­sie­rung des­sen dar, was bereits nach Art. 6 Abs. 3 der Richt­li­nie 768/​76/​EWG gegol­ten hat und daher bei richt­li­ni­en­kon­for­mer Aus­le­gung des § 27 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 Fall 2 LFGB eben­falls zu berück­sich­ti­gen war [15].

Das Ober­lan­des­ge­richt Köln [9] hat ange­nom­men, die Rich­tig­keit der umstrit­te­nen Wer­be­be­haup­tung, die „HYDRO“-Rasierer mit Gel-Reser­voir führ­ten der Haut wäh­rend der Rasur Feuch­tig­keit zu, sei nicht als wis­sen­schaft­lich gesi­chert anzu­se­hen, weil schon nicht fest­ge­stellt wer­den kön­ne, dass sich aus den von der Her­stel­le­rin in Auf­trag gege­be­nen Stu­di­en zwei­fels­frei eine signi­fi­kant höhe­re Feuch­tig­keit der obe­ren Haut­schich­ten nach einer Anwen­dung ihrer Rasie­rer erge­be. Ins­be­son­de­re kön­ne dem in der Beru­fungs­ver­hand­lung erör­ter­ten und von der Her­stel­le­rin beson­ders her­vor­ge­ho­be­nen Rese­arch-Report S10119 der Cyber­Derm Cli­ni­cal Stu­dies noch kein metho­disch unan­fecht­ba­rer Nach­weis ent­nom­men wer­den, dass unter den Bedin­gun­gen einer nor­ma­len Rasur eine deut­lich höhe­re Feuch­tig­keit in den obe­ren Haut­schich­ten vor­han­den sei, wenn die Rasie­rer der Her­stel­le­rin mit gefüll­tem Gel-Reser­voir ange­wen­det wür­den.

Nach die­sen Aus­füh­run­gen hat das Ober­lan­des­ge­richt Köln [9] den der Her­stel­le­rin oblie­gen­den Beweis der Wirk­sam­keit ihres Pro­dukts in dem Sin­ne, in dem der Durch­schnitts­ver­brau­cher die Wer­bung der Her­stel­le­rin ver­steht, mit der Begrün­dung als nicht erbracht ange­se­hen, die Her­stel­le­rin habe für eine sol­che Wirk­sam­keit kei­nen „zwei­fels­frei­en“ bzw. „noch nicht metho­disch unan­fecht­ba­ren Nach­weis“ erbracht. Danach lässt sich zumin­dest nicht aus­schlie­ßen, dass das Ober­lan­des­ge­richt Köln unter Zugrun­de­le­gung des weni­ger stren­gen Beweis­ma­ßes, das nach der Ver­ord­nung (EU) Nr. 655/​2013 inso­weit maß­geb­lich ist, zur gegen­tei­li­gen Beur­tei­lung gelangt wäre.

Das Ober­lan­des­ge­richt Köln [9] hat wei­ter­hin ange­nom­men, dass selbst dann, wenn fest­stün­de, dass die obe­ren Haut­schich­ten nach Benut­zung der „HYDRO“-Rasierer mit gefüll­tem Gel-Reser­voir bis zu zehn Minu­ten lang erkenn­bar höhe­re Feuch­tig­keits­wer­te auf­wie­sen als nach einer Rasur mit Rasie­rern ohne ein sol­ches Reser­voir, es damit noch nicht als wis­sen­schaft­lich gesi­chert anzu­se­hen wäre, dass die­se Wir­kung nicht ledig­lich auf einer pas­si­ven Ver­min­de­rung des natür­li­chen Feuch­tig­keits­ver­lusts der Haut durch das auf­lie­gen­de Gel oder ande­re Ursa­chen, son­dern jeden­falls auch auf einer akti­ven Zufuhr von Feuch­tig­keit aus dem Gel in die Haut beruh­te.

Auch in die­ser Hin­sicht ist das Ober­lan­des­ge­richt Köln [9] von einem zu stren­gen Maß­stab für den der Her­stel­le­rin oblie­gen­den Beweis der Wirk­sam­keit ihres Pro­dukts aus­ge­gan­gen. In die­ser Hin­sicht kann eben­falls nicht davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass das Ober­lan­des­ge­richt Köln [9] den der Her­stel­le­rin oblie­gen­den Beweis der Wirk­sam­keit ihres Pro­dukts auch auf der Grund­la­ge des nied­ri­ge­ren Beweis­ma­ßes als nicht geführt ange­se­hen und der Kla­ge des­halb statt­ge­ge­ben hät­te.

Das vor­ste­hend für die bei Art.20 Abs. 1 Kos­me­tik-Ver­ord­nung gel­ten­den Beweis­an­for­de­run­gen Aus­ge­führ­te gilt ent­spre­chend auch schon für die in § 27 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 Fall 2 LFGB ent­hal­te­ne Rege­lung.

Die Beur­tei­lung der Fra­ge, ob die Her­stel­le­rin die in der ange­grif­fe­nen Wer­bung aus Sicht des Durch­schnitts­ver­brau­chers beschrie­be­ne Wir­kung des Gels, die sich aus der Ver­bin­dung des in dem Behäl­ter ober­halb der Klin­gen ihrer Nass­ra­sie­rer ent­hal­te­nen Pul­vers mit Was­ser ergibt, nach den vor­ste­hend dar­ge­stell­ten Maß­stä­ben hin­rei­chend nach­ge­wie­sen hat, erfor­dert eine noch­ma­li­ge Beur­tei­lung der Sache durch den Tatrich­ter. Damit ist dem Bun­des­ge­richts­hof die abschlie­ßen­de Beur­tei­lung der Sache ver­wehrt und die­se daher zur neu­en Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das Ober­lan­des­ge­richt Köln [9] zurück­zu­ver­wei­sen (§ 563 Abs. 3, Abs. 1 Satz 1 ZPO).

Nach allem wird das Ober­lan­des­ge­richt Köln [9] in der wie­der­eröff­ne­ten Beru­fungs­in­stanz unter Beach­tung der vor­ste­hend dar­ge­stell­ten Gesichts­punk­te der Fra­ge nach­zu­ge­hen haben, ob die Kla­ge­an­sprü­che aus §§ 8, 9, 3, 4 Nr. 11 UWG und § 3a UWG in Ver­bin­dung mit den zeit­lich jeweils anwend­ba­ren Bestim­mun­gen des Kos­me­tik­rechts sowie aus § 242 BGB begrün­det sind. Es wird dabei ins­be­son­de­re zu berück­sich­ti­gen haben, dass nach Art. 2 der Ver­ord­nung (EU) Nr. 655/​2013 die ver­ant­wort­li­che Per­son im Sin­ne von Art. 4 Kos­me­tik-Ver­ord­nung dafür zu sor­gen hat, dass For­mu­lie­run­gen von Wer­be­an­ga­ben in Bezug auf kos­me­ti­sche Mit­tel die gemein­sa­men Kri­te­ri­en in Anhang – I der Ver­ord­nung (EU) Nr. 655/​2013 erfül­len und mit der Doku­men­ta­ti­on zum Nach­weis der für das kos­me­ti­sche Mit­tel ange­prie­se­nen Wir­kung in Ein­klang ste­hen, die Teil der Pro­dukt­in­for­ma­ti­on gemäß Art. 11 Kos­me­tik-Ver­ord­nung ist. Die Rege­lung des Art. 2 der Ver­ord­nung (EU) Nr. 655/​2013 spricht dafür, dass Nach­wei­se für Anga­ben über Wir­kun­gen, die für den Kauf­ent­schluss rele­vant und nicht bereits seit lan­gem bekannt und unum­strit­ten oder offen­sicht­lich sind, im Rah­men der dem Schutz vor Täu­schung die­nen­den Vor­schrift des Art.20 Abs. 1 Kos­me­tik-Ver­ord­nung nur dann zu berück­sich­ti­gen sind, wenn sie bereits in der Pro­dukt­in­for­ma­ti­ons­da­tei gemäß Art. 11 Abs. 2 Buchst. d Kos­me­tik-Ver­ord­nung ent­hal­ten sind [16].

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 28. Janu­ar 2016 – I ZR 36/​14

  1. vgl. dazu Köh­ler in Köhler/​Bornkamm, UWG, 33. Aufl., § 4 Rn. 11.132 und 11.136; MünchKomm-.UWG/Schaffert, 2. Aufl., § 4 Nr. 11 Rn. 226 und 276 f., jeweils mwN[]
  2. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Urteil vom 06.11.2014 – I ZR 26/​13, GRUR 2015, 504 Rn. 8 = WRP 2015, 565 Kos­ten­lo­se Zweit­bril­le, mwN[]
  3. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Urteil vom 24.09.2014 – I ZR 35/​11, GRUR 2015, 264 Rn. 27 = WRP 2015, 347 – Hi Hotel II, mwN[]
  4. OLG Köln, Urteil vom 31.01.2014 – 6 U 119/​12, GRUR-RR 2014, 303[]
  5. BGH, Urteil vom 21.01.2010 – I ZR 23/​07, GRUR 2010, 359 Rn. 17 = WRP 2010, 522 – Vor­beu­gen mit Cof­fe­in!; Rein­hart in Meyer/​Streinz, LFGB Basis­VO HCVO, 2. Aufl., § 27 LFGB Rn. 48 mwN[]
  6. vgl. Nat­te­rer in Rein­hart, Kos­me­tik­VO, 2014, Art.20 Rn. 27[]
  7. Brugg­mann, LMuR 2010, 141, 145 mwN; Nat­te­rer in Rein­hart aaO Art.20 Rn. 28[]
  8. Brugg­mann, LMuR 2010, 141, 145; Nat­te­rer in Rein­hart aaO Art.20 Rn. 29[]
  9. OLG Köln, aaO[][][][][][][][][]
  10. Nat­te­rer in Rein­hart aaO Art.20 Rn. 27 mwN[]
  11. vgl. auch Nat­te­rer in Rein­hart aaO Art.20 Rn. 30[]
  12. BGH, GRUR 2010, 359 Rn. 18 Vor­beu­gen mit Cof­fe­in![]
  13. vgl. EuGH, Urteil vom 13.01.2000 C220/​98, Slg. 2000, I117 = GRUR Int.2000, 354 Rn. 26 ff. Estée Lau­der; Urteil vom 24.10.2002 C99/​01, Slg. 2002, I9375 = ZLR 2003, 63 Rn. 26 Lin­hart und Biffl[]
  14. BGH, GRUR 2010, 359 Rn.19 Vor­beu­gen mit Cof­fe­in![]
  15. vgl. Erwä­gungs­grund 6 der Ver­ord­nung [EU] Nr. 655/​2013 mit Hin­weis auf das Urteil „Estée Lau­der“ [EuGH, Urteil „Estée Lau­der“ in Slg. 2000, I117 Rn. 29] in Fn. 5[]
  16. vgl. Rein­hart in Rein­hart aaO Art. 11 Rn.20 ff., 22 f.[]