Hard Rock Café Hei­del­berg

Der Bun­des­ge­richts­hof hat im Streit zwi­schen der welt­weit täti­gen „Hard Rock“-Gruppe und dem „Hard Rock Café Hei­del­berg“ ent­schie­den: Das „Hard Rock Café Hei­del­berg“ kann unter die­ser Bezeich­nung wei­ter betrie­ben wer­den, es dür­fen dort aber kei­ne mit dem inter­na­tio­nal bekann­ten „Hard-Rock-Café-Logo“ gekenn­zeich­ne­ten Arti­kel mehr ver­kauft wer­den.

Hard Rock Café Hei­del­berg

Eine Klä­ge­rin, die zur welt­weit täti­gen Hard-Rock-Grup­pe gehört, betreibt Hard-Rock-Cafés in Ber­lin, Mün­chen und Köln. Die zwei­te Klä­ge­rin ist Inha­be­rin zahl­rei­cher Wort- und Wort-/Bild­mar­ken „Hard Rock Café“. Die Beklag­ten betreibt ein Restau­rant unter der Bezeich­nung „Hard Rock Café Hei­del­berg“. Bei der Ein­rich­tung und Aus­stat­tung des Restau­rants hat­ten sich sei­ne Grün­der bewusst an dem 1971 in Lon­don eröff­ne­ten „Hard Rock Café“ ori­en­tiert. Jeden­falls seit 1978 ver­wen­det die Beklag­te das typi­sche kreis­run­de Hard-Rock-Logo der Klä­ge­rin in Spei­se- und Geträn­ke­kar­ten sowie auf Glä­sern. Sie benutzt die Wort­fol­ge „Hard Rock Café“ sowie das Logo als Ein­gangs­schild, auf der Ein­gangs­tür und in den Fens­tern ihres Restau­rants und bie­tet Mer­chan­di­sing-Arti­kel an, die eben­falls die­ses Logo tra­gen. Die Klä­ge­rin­nen mel­de­ten erst­mals Ende 1986 ihr Logo als Mar­ke für Beklei­dung in Deutsch­land an; ihr ers­tes deut­sches Hard-Rock-Café wur­de 1992 in Ber­lin eröff­net. Unmit­tel­bar danach erwirk­ten die Klä­ge­rin­nen eine einst­wei­li­ge Ver­fü­gung gegen die Beklag­te, nah­men aber den Antrag auf ihren Erlass nach Wider­spruch der Beklag­ten zurück.

Mit der Kla­ge im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren wol­len die Klä­ge­rin­nen es den Beklag­ten ver­bie­ten las­sen, unter der Bezeich­nung „Hard Rock“ und unter den Logos „Hard Rock Café Hei­del­berg“ ein Restau­rant zu betrei­ben oder zu bewer­ben, sowie Mer­chan­di­sing-Arti­kel mit dem Auf­druck „Hard Rock Café“ zu ver­trei­ben; außer­dem sol­len die Beklag­ten auf bestimm­te für sie regis­trier­te Domain­na­men mit dem Bestand­teil „hard­rock-café“ ver­zich­ten. Schließ­lich möch­ten die Klä­ge­rin­nen die Ver­ur­tei­lung der Beklag­ten zur Aus­kunfter­tei­lung und Ver­nich­tung von mit dem Hard-Rock-Logo ver­se­he­nen Mer­chan­di­sing-Arti­keln sowie die Fest­stel­lung der Scha­dens­er­satz­pflicht der Beklag­ten errei­chen.

Das erst­in­stanz­lich mit der Kla­ge befass­te Land­ge­richt Mann­heim hat die­se abge­wie­sen [1]. Die hier­ge­gen gerich­te­te Beru­fung der Klä­ge­rin­nen blieb vor dem Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he ohne Erfolg [2].

Der Bun­des­ge­richts­hof hat in sei­nem jetzt ver­kün­de­ten Revi­si­ons­ur­teil die Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Karls­ru­he bestä­tigt, Ansprü­che gegen den Betrieb des Hei­del­ber­ger Restau­rants unter der Bezeich­nung „Hard Rock“ sei­en ver­wirkt, weil die Klä­ge­rin­nen die­se Fir­mie­rung nach Rück­nah­me des Antrags auf einst­wei­li­ge Ver­fü­gung mehr als 14 Jah­re gedul­det haben. Im Übri­gen hat der Bun­des­ge­richts­hof das Beru­fungs­ur­teil auf­ge­ho­ben, der Kla­ge hin­sicht­lich des Ver­triebs kon­kret bezeich­ne­ter Mer­chan­di­sing-Arti­kel statt­ge­ge­ben und die Sache im übri­gen Umfang der Auf­he­bung an das Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he zurück­ver­wie­sen.

Rechts­fol­ge der Ver­wir­kung im Mar­ken- und Lau­ter­keits­recht ist allein, dass ein Mar­ken­in­ha­ber sei­ne Rech­te wegen bestimm­ter, bereits began­ge­ner oder noch andau­ern­der Rechts­ver­let­zun­gen nicht mehr durch­set­zen kann. Bei wie­der­hol­ten, gleich­ar­ti­gen Ver­let­zungs­hand­lun­gen lässt jede Ver­let­zungs­hand­lung einen neu­en Unter­las­sungs­an­spruch ent­ste­hen. Auch län­ge­re Untä­tig­keit des Mar­ken­in­ha­bers kann inso­weit kein berech­tig­tes Ver­trau­en dar­auf begrün­den, der­ar­ti­ges Ver­hal­ten wer­de wei­ter­hin gedul­det. Jedes Ange­bot und jeder Ver­kauf eines Mer­chan­di­sing-Arti­kels, jede neue Wer­bung und jeder neue Inter­net­auf­tritt sind für die Fra­ge der Ver­wir­kung daher geson­dert zu betrach­ten.

Der Ver­trieb der Mer­chan­di­sing-Arti­kel durch die Beklag­ten ver­letzt die Mar­ken­rech­te der Klä­ge­rin. Er ver­stößt auch gegen das wett­be­werbs­recht­li­che Irre­füh­rungs­ver­bot. Dabei kommt es nicht dar­auf an, dass die Beklag­ten den Ver­trieb der­ar­ti­ger Pro­duk­te in Deutsch­land mög­li­cher­wei­se schon vor der Klä­ge­rin auf­ge­nom­men haben. Das Restau­rant der Beklag­ten befin­det sich in bes­ter tou­ris­ti­scher Lage Hei­del­bergs. Ein erheb­li­cher Teil sei­ner Kun­den sind orts­frem­de Gäs­te, denen die Hard-Rock-Cafés der Klä­ger­grup­pe bekannt sind, die aber nicht wis­sen, dass das Restau­rant der Beklag­ten nicht dazu gehört. Die­se Irre­füh­rung müs­sen die Beklag­ten unter­bin­den.

Über die wei­te­ren Ansprü­che der Klä­ge­rin­nen konn­te der Bun­des­ge­richts­hof nicht abschlie­ßend ent­schei­den. Inso­weit wird es unter ande­rem dar­auf ankom­men, ob die Beklag­ten für die Bezeich­nung „Hard Rock Café Hei­del­berg“ schon einen Schutz als Unter­neh­mens­kenn­zei­chen im Raum Hei­del­berg erwor­ben hat­ten, bevor für die Klä­ge­rin Mar­ken in Deutsch­land ange­mel­det wor­den sind. Soweit den Beklag­ten die wei­te­re Ver­wen­dung der Logos „Hard Rock Café“ zu gestat­ten sein soll­te, müss­ten sie durch klar­stel­len­de Zusät­ze Ver­wechs­lun­gen mit den Restau­rants der Klä­ge­rin aus­schlie­ßen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 15. August 2013 – I ZR 188/​11 – Hard Rock Café

  1. LG Mann­heim, Urteil vom 07.05.2010 – 7 O 275/​09[]
  2. OLG Karls­ru­he, Urteil vom 14.092011 – 6 U 94/​10[]