Paket­dienst­leis­ter, Sub­un­ter­neh­mer – und die Aus­kunfts­pflicht

Paket­dienst­leis­ter, die den Trans­port und die Zustel­lung von Sen­dun­gen durch Sub­un­ter­neh­mer aus­füh­ren las­sen, kön­nen nicht zur Ertei­lung von Aus­künf­ten auf der Grund­la­ge des Fahr­per­so­nal­ge­set­zes (FPersG) ver­pflich­tet wer­den.

Paket­dienst­leis­ter, Sub­un­ter­neh­mer – und die Aus­kunfts­pflicht

In dem aktu­ell vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig ent­schie­de­nen Fall hat­te ein inter­na­tio­nal täti­ges Unter­neh­men geklagt, das Dienst­leis­tun­gen im Bereich des Paket­ver­sands durch beauf­trag­te Sub­un­ter­neh­mer erbrin­gen lässt. Mit dem ange­foch­te­nen Bescheid for­der­te der beklag­te Frei­staat Bay­ern das Unter­neh­men zur Vor­la­ge einer lis­ten­mä­ßi­gen Auf­stel­lung aller Sub­un­ter­neh­mer auf, die für ein bestimm­tes Depot der Klä­ge­rin Paket- und Kurier­diens­te durch­füh­ren.

Die hier­ge­gen gerich­te­te Kla­ge hat das Baye­ri­sche Ver­wal­tungs­ge­richt Mün­chen abge­wie­sen [1]. Der Baye­ri­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof hat die Beru­fung des Unter­neh­mens mit der Begrün­dung zurück­ge­wie­sen [2], die ange­grif­fe­ne Ver­fü­gung fin­de ihre Rechts­grund­la­ge in § 4 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 FPersG. Danach sind Unter­neh­mer, Fahr­zeug­hal­ter und Mit­glie­der des Fahr­per­so­nals zur Ertei­lung von bestimm­ten, in der Vor­schrift näher bezeich­ne­ten Aus­künf­ten ver­pflich­tet.

Auf die Revi­si­on des Paket­un­ter­neh­mens hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt die Urtei­le der Mün­che­ner Vor­instanzen geän­dert und den ange­foch­te­nen Bescheid des Frei­staats Bay­ern auf­ge­ho­ben:

Der Bescheid kann, so das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, nicht auf § 4 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 FPersG gestützt wer­den. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Baye­ri­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs ist der hier kla­gen­de Unter­neh­mer kein Unter­neh­mer im Sin­ne die­ser Vor­schrift. Das wäre nur dann der Fall, wenn der Unter­neh­mer selbst Fahr­per­so­nal beschäf­ti­gen oder Güter- oder Per­so­nen­trans­por­te durch­füh­ren wür­de. Die­ses Begriffs­ver­ständ­nis folgt ins­be­son­de­re aus der Sys­te­ma­tik der fahr­per­so­nal­recht­li­chen Vor­schrif­ten und aus der Gesetz­ge­bungs­ge­schich­te. Zwar ver­folg­te der Gesetz­ge­ber das Ziel, den Auf­sichts­be­hör­den eine mög­lichst umfas­sen­de Über­wa­chung aller Unter­neh­men zu ermög­li­chen, die in der Beför­de­rungs­ket­te mit dem Trans­port von Gütern und Per­so­nen befasst sind. Im Hin­blick auf Paket­dienst­leis­ter, die – wie das hier kla­gen­de Unter­neh­men – selbst weder Fahr­per­so­nal beschäf­ti­gen noch Trans­por­te durch­füh­ren, hat der Gesetz­ge­ber die­se Absicht indes­sen nicht umge­setzt.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 17. Juni 2020 – 8 C 2.19

  1. VG Mün­chen, Urteil vom 21.02.2017 – 16 K 16.1813[]
  2. BayVGH, Urteil vom 25.10.2018 – 22 B 17.1382[]