Preis­an­ga­ben und Ser­vice­pau­scha­len

Eine Ser­vice­pau­scha­le, die Kun­den nur im Fal­le der Wahl eines von meh­re­ren mög­li­chen Zah­lungs­mit­teln (hier: einer bestimm­ten Kre­dit­kar­te) erlas­sen wird und die bei Bezah­lung mit ande­ren Zah­lungs­mit­teln ent­rich­tet wer­den muss, ist ein unver­meid­ba­res und vor­her­seh­ba­res Ent­gelt, das gemäß Art. 23 Abs. 1 Satz 2 der Ver­ord­nung (EG) 1008/​2008 in den End­preis ein­zu­rech­nen ist. Ent­gel­te sind nicht nur dann unver­meid­bar im Sin­ne die­ser Vor­schrift, wenn jeder Kun­de sie auf­zu­wen­den hat, son­dern grund­sätz­lich bereits dann, wenn nicht jeder Kun­de sie ver­mei­den kann.

Preis­an­ga­ben und Ser­vice­pau­scha­len

In dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall war die Buchungs­mas­ke so gestal­tet, dass, wenn der Nut­zer nach güns­ti­gen Flü­gen zu einem bestimm­ten Ziel­ort sucht, die Tref­fer­lis­te in einem ers­ten Buchungs­schritt Prei­se aus­weist, denen die auto­ma­ti­sche Vor­ein­stel­lung „Gewähl­te Zah­lungs­art Ame­ri­can Express“ zugrun­de liegt. Dies wird in einem soge­nann­ten Zah­lungs­fil­ter auf der lin­ken Sei­te des Bild­schirms ange­zeigt. Unter­halb des jewei­li­gen Such­ergeb­nis­ses befin­det sich der Hin­weis „Der güns­tigs­te Gesamt­preis wur­de für Sie aus­ge­wählt. Die­ser gilt bei Zah­lung mit der güns­tigs­ten Zah­lungs­art. Der ‚Zah­lungs­fil­ter’ zeigt Prei­se mit ande­ren Zah­lungs­ar­ten.“ Zahlt der Kun­de nicht mit der Kre­dit­kar­te Ame­ri­can Express, fal­len ein zusätz­li­ches Zah­lungs­ent­gelt und eine Ser­vice­ge­bühr an. Wählt der Nut­zer eine ande­re Zah­lungs­art als Ame­ri­can Express und wählt er das Feld „Neue Preis­be­rech­nung“, wer­den die Such­ergeb­nis­se zu den Prei­sen ein­schließ­lich Zah­lungs­ent­gelt und Ser­vice­pau­scha­le ange­zeigt.

Der hier vom Bun­des­ge­richts­hof bejah­te Unter­las­sungs­an­spruch folgt aus § 8 Abs. 1 Satz 1 und Abs. 3 Nr. 3, § 3a UWG in Ver­bin­dung mit Art. 23 Abs. 1 Satz 2 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 1008/​2008.

Nach Art. 23 Abs. 1 Satz 2 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 1008/​2008 ist der zu zah­len­de End­preis stets aus­zu­wei­sen und muss den anwend­ba­ren Flug­preis bezie­hungs­wei­se die anwend­ba­re Luft­fracht­ra­te sowie alle anwend­ba­ren Steu­ern und Gebüh­ren, Zuschlä­ge und Ent­gel­te, die unver­meid­bar und zum Zeit­punkt der Ver­öf­fent­li­chung vor­her­seh­bar sind, ein­schlie­ßen. Die­se Bestim­mung stellt eine Markt­ver­hal­tens­re­ge­lung im Sin­ne von § 3a UWG und § 4 Nr. 11 UWG aF dar [1]. Sie soll die Infor­ma­ti­on und Trans­pa­renz in Bezug auf die Prei­se für Flug­diens­te gewähr­leis­ten und damit zum Schutz des Kun­den bei­tra­gen, der die­se Diens­te in Anspruch nimmt [2].

Bei der „Ser­vice­pau­scha­le“ han­delt es sich auch nicht um ein in den End­preis ein­zu­rech­nen­des unver­meid­ba­res und zum Zeit­punkt der Ver­öf­fent­li­chung vor­her­seh­ba­res Ent­gelt im Sin­ne des Art. 23 Abs. 1 Satz 2 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 1008/​2008.

Eine bei der Buchung regel­mä­ßig anfal­len­de Bear­bei­tungs­ge­bühr („Ser­vice Char­ge“, „Ser­vice­pau­scha­le“) stellt ein im Sin­ne des Art. 23 Abs. 1 Satz 2 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 1008/​2008 unver­meid­ba­res und im Zeit­punkt der Ver­öf­fent­li­chung vor­her­seh­ba­res Ent­gelt dar, das in den bei jeder Preis­an­ga­be anzu­ge­ben­den End­preis ein­zu­be­zie­hen ist [3].

Gegen die Ein­ord­nung der Ser­vice­pau­scha­le als unver­meid­ba­res Ent­gelt spricht nicht der Umstand, dass mit der Ame­ri­can Express-Kre­dit­kar­te zah­len­de Kun­den die­se Pau­scha­le nicht ent­rich­ten müs­sen. Nach Erwä­gungs­grund 16 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 1008/​2008 dient die Pflicht zur Aus­wei­sung des End­prei­ses ein­schließ­lich aller Steu­ern, Gebüh­ren und Ent­gel­te dem Zweck, den Kun­den in die Lage zu ver­set­zen, die Prei­se ver­schie­de­ner Luft­fahrt­un­ter­neh­men für Flug­diens­te effek­tiv zu ver­glei­chen. Die­ser Zweck, der bei der Aus­le­gung der Richt­li­nie zu berück­sich­ti­gen ist [4], wür­de ver­fehlt, wenn der Anbie­ter der Ein­be­zie­hung der Ser­vice­pau­scha­le in den End­preis gemäß Art. 23 Abs. 1 Satz 2 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 1008/​2008 dadurch ent­ge­hen könn­te, dass er ein­zel­ne Kun­den­grup­pen, die ein bestimm­tes Zah­lungs­mit­tel nut­zen, durch den Erlass der Pau­scha­le bevor­zugt. Für Kun­den, die das pri­vi­le­gier­te Zah­lungs­mit­tel nicht nut­zen, ist ein effek­ti­ver Preis­ver­gleich nicht mög­lich, wenn der ange­zeig­te End­preis die von ihnen zu ent­rich­ten­de Ser­vice­pau­scha­le nicht ent­hält. Nach dem am Schutz­zweck der Vor­schrift ori­en­tier­ten Ver­ständ­nis sind Ent­gel­te nicht nur dann unver­meid­bar im Sin­ne des Art. 23 Abs. 1 Satz 2 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 1008/​2008, wenn jeder Kun­de sie auf­zu­wen­den hat, son­dern grund­sätz­lich bereits dann, wenn nicht jeder Kun­de sie ver­mei­den kann.

Auch kann nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs nicht ein­ge­wandt wer­den, der von der Port­al­be­trei­be­rin vor­ge­se­he­ne „Zah­lungs­fil­ter“ ermög­li­che den gebo­te­nen Preis­ver­gleich, weil dem Kun­den nach Ein­ga­be des von ihm gewünsch­ten Zah­lungs­mit­tels und Betä­ti­gen des Fel­des „Neue Preis­be­rech­nung“ der für sein Zah­lungs­mit­tel gel­ten­de End­preis ange­zeigt wer­de.

Nach Art. 23 Abs. 1 Satz 2 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 1008/​2008 ist der zu zah­len­de End­preis im Rah­men eines elek­tro­ni­schen Buchungs­sys­tems bei jeder Anga­be von Prei­sen für Flug­diens­te, ein­schließ­lich ihrer erst­ma­li­gen Anga­be, aus­zu­wei­sen, um einen effek­ti­ven Preis­ver­gleich zu ermög­li­chen [5]. Eine Gestal­tung, bei der der End­preis erst­mals am Beginn des eigent­li­chen Buchungs­vor­gangs aus­ge­wie­sen wird, ist unzu­läs­sig [6].

Danach genügt der von der Port­al­be­trei­be­rin vor­ge­hal­te­ne „Preis­fil­ter“ nicht den Anfor­de­run­gen des Art. 23 Abs. 1 Satz 2 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 1008/​2008. Die erst­ma­li­ge Preis­an­zei­ge erfolgt hier­bei mit der Vor­ein­stel­lung des Zah­lungs­mit­tels Ame­ri­can Express, bei des­sen Ver­wen­dung die Ser­vice­pau­scha­le nicht anfällt. Ein Kun­de, der die­ses Zah­lungs­mit­tel nicht nutzt, ver­mag auf der Grund­la­ge der ange­zeig­ten Prei­se einen effek­ti­ven Preis­ver­gleich nicht vor­zu­neh­men.

Die­ser wei­te­re Ver­stoß gegen Art. 23 Abs. 1 Satz 2 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 1008/​2008 ist eben­falls spür­bar im Sin­ne des § 3 Abs. 2 UWG aF sowie des § 3a UWG nF.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 29. Sep­tem­ber 2016 – I ZR 160/​15

  1. vgl. BGH, GRUR 2016, 392 Rn. 15 – Buchungs­sys­tem II[]
  2. vgl. EuGH, Urteil vom 15.01.2015 C573/​13, GRUR 2015, 281 Rn. 33 = WRP 2015, 326 – Air Berlin/​Bundesverband; BGH, GRUR 2016, 392 Rn. 15 – Buchungs­sys­tem II[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 18.09.2009 – I ZR 29/​12, GRUR 2013, 1247 Rn. 9 = WRP 2013, 1593 – Buchungs­sys­tem I; BGH, GRUR 2016, 392 Rn.20 – Buchungs­sys­tem II[]
  4. EuGH, GRUR 2015, 281 Rn. 34 – Air Berlin/​Bundesverband[]
  5. EuGH, GRUR 2015, 281 Rn. 34 f. – Air Berlin/​Bundesverband[]
  6. BGH, GRUR 2016, 392 Rn. 18 – Buchungs­sys­tem II[]