Pre­mi­um­mi­ne­ral­was­ser in Bio Qualität

Von einem als „Pre­mi­um­mi­ne­ral­was­ser in Bio Qua­li­tät“ wird nicht nur erwar­tet, dass es deut­lich rei­ner ist als her­kömm­li­ches Mine­ral­was­ser, son­dern auch unbe­han­delt. Der Ver­kehr rech­net nicht damit, dass das Mine­ral­was­ser mit einen so hohen Arsen­an­teil geför­dert wird, dass es schon den Anfor­de­run­gen an die Mine­ral- und Tafel­was­ser­ver­ord­nung (MTVO) nicht genügt und des­halb nach­be­han­delt wer­den muss.

Pre­mi­um­mi­ne­ral­was­ser in Bio Qualität

Die Durch­lei­tung des geför­der­ten Roh­was­sers durch Man­gan­sand zur Anbin­dung des Arsens stellt eine der­ar­ti­ge Nach­be­hand­lung dar. Das Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main hat des­halb sowohl der Impor­teu­rin die­ses Was­sers zahl­rei­che auf die “Bio-Qua­li­tät“ bezo­ge­ne Wer­be­aus­sa­gen verboten:

Die Impor­teu­rin ver­treibt in Deutsch­land das Mine­ral­was­ser als „Pre­mi­um­mi­ne­ral­was­ser in Bio-Qua­li­tät“ mit einem von einem drit­ten Unter­neh­men ver­ge­be­nen Qua­li­täts­sie­gel. Sie bewirbt es u.a. als „rei­nes Natur­pro­dukt, das im Ver­gleich zu vie­len ande­ren Was­ser­ar­ten nicht behan­delt wird“. Das Was­ser ent­hält bei För­de­rung aus der Quel­le einen Arsen­ge­halt, der nach der MTVO zu hoch ist. Zur Redu­zie­rung des Arsen­ge­halts wird das Roh­was­ser vor Abfül­lung für etwa 10–30 Minu­ten durch einen man­gan­hal­ti­gen Sand gelei­tet. Anschlie­ßend fin­det noch eine mecha­ni­sche Par­ti­kel­fil­te­rung statt. Die kla­gen­de Geträn­ke­her­stel­le­rin hält u.a. wegen die­ser Behand­lung die auf die Bio-The­ma­tik bezo­ge­nen Wer­be­aus­sa­gen und die Ver­wen­dung des Qua­li­täts­sie­gels für wettbewerbswidrig.

Das erst­in­stanz­lich hier­mit befass­te Land­ge­richt Frank­furt hat­te der Kla­ge ledig­lich hin­sicht­lich eines Teils der Unter­las­sungs­an­trä­ge gegen­über der Impor­teu­rin statt­ge­ge­ben und sie im Übri­gen abge­wie­sen[1]. Die hier­ge­gen gerich­te­te Beru­fung der Kon­kur­ren­tin hat­te vor dem Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt ganz über­wie­gend Erfolg:

Die auf die „Bio-Qua­li­tät“ des Mine­ral­was­sers bezo­ge­nen Wer­be­aus­sa­gen sei­en irre­füh­rend. Gemäß höchst­rich­ter­li­cher Recht­spre­chung erwar­te der Ver­brau­cher bei einem mit dem Zusatz „Bio“ bezeich­ne­ten Mine­ral­was­ser nicht nur, dass es deut­lich rei­ner sei als her­kömm­li­che Mine­ral­was­ser, son­dern auch unbe­han­delt, da es von Natur aus bestimm­te Rein­heits­er­for­der­nis­se erfülle.

Ent­ge­gen der durch die Wer­bung ver­ur­sach­ten Ver­kehrs­er­war­tung han­de­le es sich hier jedoch nicht um ein unbe­han­del­tes natür­li­ches Pro­dukt. Das geför­der­te Roh­was­ser wei­se viel­mehr einen nach der MTVO unzu­läs­sig hohen Arsen­an­teil auf, wel­cher die Durch­lei­tung durch Man­gan­sand erfor­de­re. Ob es sich bei der Durch­lei­tung um einen phy­si­ka­li­schen oder – wohl nahe­lie­gen­der – che­mi­schen Vor­gang han­de­le, kön­ne offen­blei­ben. Jeden­falls gehe die Behand­lung über das blo­ße Her­aus­fil­tern von gelös­ten Schwe­be­teil­chen hin­aus, so dass kein unbe­han­del­tes Natur­pro­dukt mehr vorliege.

Sei die Bewer­bung als Mine­ral­was­ser mit „Bio-Qua­li­tät“ irre­füh­rend, tref­fe dies auch auf das Sie­gel „Pre­mi­um­mi­ne­ral­was­ser in Bio Qua­li­tät“ zu.

Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main, Urteil vom 29. April 2021 – Az. 6 U 200/​19

  1. LG Frank­furt am Main, Urteil vom 04.09.2019 – 2/​6 O 407/​18[]