Steu­er­be­ra­tungs-KG

Eine Steu­er­be­ra­tungs­ge­sell­schaft in der Form einer Kom­man­dit­ge­sell­schaft mit dem Gesell­schafts­zweck „geschäfts­mä­ßi­ge Hil­fe­leis­tung in Steu­er­sa­chen ein­schließ­lich der Treu­hand­tä­tig­keit“ kann im Han­dels­re­gis­ter ein­ge­tra­gen wer­den.

Steu­er­be­ra­tungs-KG

nach der Reform des Han­dels­ge­setz­buchs durch das Han­dels­rechts­re­form­ge­setz vom 22.06.1998 [1] steht die herr­schen­de Ansicht in Recht­spre­chung und Lite­ra­tur wei­ter­hin auf dem Stand­punkt, dass eine Gesell­schaft nur dann als Offe­ne Han­dels­ge­sell­schaft oder als Kom­man­dit­ge­sell­schaft im Han­dels­re­gis­ter ein­ge­tra­gen wer­den kann, wenn ihr Zweck auf den Betrieb eines Han­dels­ge­wer­bes gerich­tet ist (§§ 1, 105, 161 HGB). Übt die Gesell­schaft sowohl gewerb­li­che als auch nicht gewerb­li­che Tätig­kei­ten aus, soll sich die Ein­ord­nung des Geschäfts­be­triebs als Han­dels­ge­wer­be grund­sätz­lich nach dem Gesamt­bild des Betriebs, d.h. danach rich­ten, was den Schwer­punkt dar­stellt bzw. wel­che Tätig­keit wesent­lich und prä­gend ist [2]. Unter Zugrun­de­le­gung die­ser Kri­te­ri­en könn­te die Steu­er­be­ra­tungs-KG nicht im Han­dels­re­gis­ter ein­ge­tra­gen wer­den. Sie strebt unstrei­tig eine über­wie­gen­de Aus­übung der Treu­hand­tä­tig­keit nicht an.

Eben­so ist im Ein­klang mit der herr­schen­den Ansicht in Recht­spre­chung und Lite­ra­tur die Ein­tra­gungs­fä­hig­keit der Steu­er­be­ra­tungs-KG nach § 105 Abs. 2 Satz 1 HGB abzu­leh­nen [3].

§ 49 Abs. 2 StBerG ent­hält jedoch eine spe­zi­al­ge­setz­li­che Rege­lung, nach der Steu­er­be­ra­tungs­ge­sell­schaf­ten als Per­so­nen­han­dels­ge­sell­schaf­ten bereits dann im Han­dels­re­gis­ter ein­ge­tra­gen wer­den kön­nen, wenn sie nach ihrem Gesell­schafts­zweck dar­auf aus­ge­rich­tet sind, neben der sie prä­gen­den geschäfts­mä­ßi­gen Hil­fe­leis­tung in Steu­er­sa­chen (§ 1 Abs. 1 und 2 iVm § 3 Nr. 3 StBerG) auch die ihnen berufs­recht­lich nach § 57 Abs. 3 Nr. 3 iVm § 72 StBerG gestat­te­te Treu­hand­tä­tig­keit aus­zu­üben [4]. Dass der Gesetz­ge­ber mit der Rege­lung in § 49 StBerG eine im Ver­hält­nis zu § 105 Abs. 1 HGB spe­zi­al­ge­setz­li­che Rege­lung geschaf­fen hat, folgt aus der Gesetz­ge­bungs­ge­schich­te.

Das Steu­er­be­ra­tungs­ge­setz vom 16.08.1961 [5] erlaub­te in § 16 StBerG aF Steu­er­be­ra­tungs­ge­sell­schaf­ten nur in der Rechts­form der Gesell­schaft mit beschränk­ter Haf­tung, der Akti­en­ge­sell­schaft und der Kom­man­dit­ge­sell­schaft auf Akti­en. Wenn­gleich treu­hän­de­ri­sche Tätig­kei­ten mit dem Beruf des Steu­er­be­ra­ters ver­ein­bar sein soll­ten (§ 22 Abs. 3 Nr. 3 StBerG aF), ver­zich­te­te der Gesetz­ge­ber den­noch für die Steu­er­be­ra­ter auf die Rechts­for­men der Offe­nen Han­dels­ge­sell­schaft und der Kom­man­dit­ge­sell­schaft. Dies wur­de im schrift­li­chen Bericht des Wirt­schafts­aus­schus­ses zum Regie­rungs­ent­wurf des Steu­er­be­ra­tungs­ge­set­zes wie folgt begrün­det [6]:

„Da Steu­er­be­ra­tungs­ge­sell­schaf­ten ihrem Wesen nach kei­ne Treu­hand­tä­tig­keit aus­üben und des­we­gen auch nicht als Treu­hand­ge­sell­schaf­ten in das Han­dels­re­gis­ter ein­ge­tra­gen sind, hat der Aus­schuss dar­auf ver­zich­tet, die Steu­er­be­ra­tungs­ge­sell­schaf­ten auch in der Gestalt der Offe­nen Han­dels­ge­sell­schaft oder der Kom­man­dit­ge­sell­schaft zu ermög­li­chen.“

Erst mit dem Drit­ten Gesetz zur Ände­rung des Steu­er­be­ra­tungs­ge­set­zes vom 24.06.1975 [7] wur­de Steu­er­be­ra­tern in § 49 Abs. 1 und 2 StBerG die Mög­lich­keit eröff­net, eine Steu­er­be­ra­tungs­ge­sell­schaft auch in der Rechts­form einer Per­so­nen­han­dels­ge­sell­schaft zu betrei­ben. Die­se Ände­rung wur­de wie folgt begrün­det [8]:

„Absatz 1 [des § 49] ent­spricht dem bis­he­ri­gen § 16 Abs. 1. Er ist jedoch inso­weit erwei­tert wor­den, als er in Anpas­sung an § 27 WPO für die Aner­ken­nung als Steu­er­be­ra­tungs­ge­sell­schaft neben der Rechts­form einer juris­ti­schen Per­son des Han­dels­rechts auch die einer Per­so­nen­han­dels­ge­sell­schaft zulässt. Die­se Ände­rung, die den Bedürf­nis­sen der Pra­xis Rech­nung tra­gen soll, hat ins­be­son­de­re für die soge­nann­ten Dop­pel­ge­sell­schaf­ten Bedeu­tung, d.h. für die Gesell­schaf­ten, die zugleich als Wirt­schafts­prü­fungs­ge­sell­schaft und als Steu­er­be­ra­tungs­ge­sell­schaft aner­kannt wer­den möch­ten.

Absatz 2 [des § 49] macht wie § 27 Abs. 2 WPO die Aner­ken­nung davon abhän­gig, dass die betref­fen­de offe­ne Han­dels­ge­sell­schaft oder Kom­man­dit­ge­sell­schaft wegen ihrer Treu­hand­tä­tig­keit als Han­dels­ge­sell­schaft in das Han­dels­re­gis­ter ein­ge­tra­gen wor­den ist.“

Wirt­schafts­prü­fern war die Aus­übung ihres Berufs in der Rechts­form einer Per­so­nen­han­dels­ge­sell­schaft schon mit Ein­füh­rung der Wirt­schafts­prü­ferord­nung (WPO) vom 24.07.1961 [9] gestat­tet wor­den. Die­ses Gesetz geht zurück auf Ent­wür­fe aus den Jah­ren 1954 [10] und 1958 [11]. Zur Begrün­dung der § 27 Abs. 2 WPO ent­spre­chen­den Ent­wurfs­vor­schrift ist dort fol­gen­des aus­ge­führt [12]:

„Die Form der Offe­nen Han­dels­ge­sell­schaft und der Kom­man­dit­ge­sell­schaft, bei denen der Gesichts­punkt der Ver­ant­wor­tung durch die per­sön­li­che Haf­tung betont ist, wer­den unter den beson­de­ren Vor­aus­set­zun­gen des Abs. 2 aner­kannt. Sie müs­sen ihrer Treu­hand­tä­tig­keit wegen in das Han­dels­re­gis­ter ein­ge­tra­gen sein.

Die Per­so­nen­ge­sell­schaft des Han­dels­rechts setzt im all­ge­mei­nen die gewerbs­mä­ßi­ge Aus­übung eines Han­dels­ge­schäfts vor­aus (§§ 105, 161, 1, 2 HGB). Der Wirt­schafts­prü­ferbe­ruf ist nach den Vor­schrif­ten des Ent­wurfs kein Gewer­be (§ 1 Abs. 2). Allein die mit ihm ver­bun­de­ne Treu­hand­tä­tig­keit, die nach § 55 Abs. 4 mit dem Wirt­schafts­prü­ferbe­ruf ver­ein­bar ist, kann jedoch die Mög­lich­keit einer Ein­tra­gung einer Per­so­nen­ge­sell­schaft im Han­dels­re­gis­ter begrün­den. Eine so ein­ge­tra­ge­ne Gesell­schaft darf dann auch als Wirt­schafts­prü­fungs­ge­sell­schaft aner­kannt wer­den.“

Die­ser Begrün­dung ist zu ent­neh­men, dass Wirt­schafts­prü­fer-Per­so­nen­han­dels­ge­sell­schaf­ten schon dann für ein­tra­gungs­fä­hig gehal­ten wur­den, wenn sie ledig­lich unter­ge­ord­ne­te Treu­hand­tä­tig­kei­ten ent­fal­ten.

Wirt­schafts­prü­fungs­ge­sell­schaf­ten sind aus Treu­hand­ge­sell­schaf­ten her­vor­ge­gan­gen. Treu­hand­ge­sell­schaf­ten wur­den (u.a. in Form der Per­so­nen­han­dels­ge­sell­schaf­ten) erst­mals Ende des 19. Jahr­hun­derts gegrün­det. Ihr Tätig­keits­ge­biet ent­wi­ckel­te sich bereits ab Anfang des 20. Jahr­hun­derts mehr und mehr von der Treu­hand­tä­tig­keit hin zum Revi­si­ons­ge­schäft [13]. Dabei ging die Revi­si­ons­tä­tig­keit inhalt­lich aus der Treu­hand­auf­ga­be zumin­dest teil­wei­se her­vor, so dass die Ver­knüp­fung von Revi­si­on und Treu­hand als nicht nur zufäl­lig bezeich­net wird [14]. Bereits um das Jahr 1906 war das Revi­si­ons­ge­schäft in den Mit­tel­punkt der Tätig­keit der Treu­hand­ge­sell­schaf­ten gerückt; Mit­te der 20er Jah­re lag der Anteil der Revi­si­ons­tä­tig­keit bei bis zu 60 % [15]. Gleich­wohl wur­den sie als Per­so­nen­han­dels­ge­sell­schaf­ten im Han­dels­re­gis­ter ein­ge­tra­gen, obwohl auch zu die­ser Zeit in Recht­spre­chung und Lite­ra­tur für sog. Misch­be­trie­be die Pro­ble­ma­tik der Prä­gung einer Han­dels­ge­sell­schaft durch die gewerb­li­che Tätig­keit, als die die Treu­hand­tä­tig­keit bereits damals ange­se­hen wur­de [16], schon bekannt war und all­ge­mein gefor­dert wur­de, dass für die Ein­tra­gung der Schwer­punkt der Tätig­keit auf dem Gebiet eines Han­dels­ge­wer­bes lie­gen müs­se [17]. An die­ser Situa­ti­on hat­te sich bis zur Schaf­fung der Wirt­schafts­prü­ferord­nung im Jah­re 1961 nichts geän­dert: Wirt­schafts­prü­fer-Per­so­nen­han­dels­ge­sell­schaf­ten, bei denen die Revi­si­ons­tä­tig­keit die Treu­hand­tä­tig­keit deut­lich über­wog, wur­den nach wie vor im Han­dels­re­gis­ter ein­ge­tra­gen, obwohl die han­dels­recht­li­che Lite­ra­tur und Recht­spre­chung für die Ein­tra­gung als Han­dels­ge­sell­schaft wei­ter­hin ver­lang­te, dass der Schwer­punkt der Tätig­keit der Gesell­schaft im gewerb­li­chen Bereich lie­gen muss­te.

Vor die­sem Hin­ter­grund, den man gera­de ange­sichts des lan­gen, sich über zwei Legis­la­tur­pe­ri­oden hin­zie­hen­den, sehr inten­siv dis­ku­tier­ten Gesetz­ge­bungs­pro­zes­ses bei der Ein­füh­rung der Wirt­schafts­prü­ferord­nung als beim Gesetz­ge­ber bekannt vor­aus­set­zen muss, kann man die For­mu­lie­rung in der Geset­zes­be­grün­dung, dass allein die mit dem frei­en Beruf ver­bun­de­ne Treu­hand­tä­tig­keit die Mög­lich­keit einer Ein­tra­gung im Han­dels­re­gis­ter begrün­den kön­ne, nur so ver­ste­hen, dass der Gesetz­ge­ber den Wirt­schafts­prü­fern nicht nur berufs­recht­lich, son­dern auch han­dels­recht­lich die Berufs­aus­übung in der Rechts­form einer Per­so­nen­han­dels­ge­sell­schaft in der bis­lang aus­ge­üb­ten Form, d.h. bei unter­ge­ord­ne­ter Treu­hand­tä­tig­keit, (wei­ter­hin) eröff­nen woll­te.

An die Rege­lung des § 27 Abs. 2 WPO hat der Gesetz­ge­ber mit § 49 Abs. 1 und 2 StBerG idF des Drit­ten Geset­zes zur Ände­rung des Steu­er­be­ra­tungs­ge­set­zes vom 24.06.1975 [7] aus­weis­lich der Ent­wurfs­be­grün­dung ange­knüpft und die Mög­lich­keit der Berufs­aus­übung in Form der Per­so­nen­han­dels­ge­sell­schaf­ten auch für Steu­er­be­ra­ter eröff­net. Ersicht­lich bestand damals eben­so wenig wie heu­te „in der Pra­xis“ ein Bedürf­nis, Steu­er­be­ra­tern mit einem Schwer­punkt in der Aus­übung von Treu­hand­tä­tig­kei­ten die Rechts­form der Offe­nen Han­dels­ge­sell­schaft oder der Kom­man­dit­ge­sell­schaft zu eröff­nen. Der­ar­ti­ge Gesell­schaf­ten gab es damals wenn über­haupt in allen­falls nur so gerin­ger Zahl wie heu­te [18]. Ein „Bedürf­nis der Pra­xis“ bestand wie bei den Wirt­schafts­prü­fern nur für Gesell­schaf­ten, die neben der ihr Berufs­bild und ihre Berufs­aus­übung prä­gen­den Hil­fe­leis­tung in Steu­er­sa­chen zusätz­lich eine gemäß § 57 Abs. 3 Nr. 3 StBerG ver­ein­ba­re Treu­hand­tä­tig­keit in der Rechts­form einer Per­so­nen­han­dels­ge­sell­schaft aus­üben woll­ten. Dem­entspre­chend wur­de in Auf­sät­zen und Kom­men­tie­run­gen nach 1975 auch davon gespro­chen, die Treu­hand­tä­tig­keit sei somit die „Brü­cke“ über die Vor­schrift des § 105 HGB, nach der nur sol­che Gesell­schaf­ten als Offe­ne Han­dels­ge­sell­schaf­ten oder Kom­man­dit­ge­sell­schaf­ten gebil­det wer­den könn­ten, deren Zweck auf ein Han­dels­ge­wer­be gerich­tet sei [19].

In die­se Linie des Gesetz­ge­bers, mit den berufs­recht­li­chen Vor­schrif­ten des § 27 WPO und des § 49 StBerG gegen­über § 105 (i.V.m. § 161) HGB vor­ran­gi­ge Rege­lun­gen zu schaf­fen, fügt sich die durch das Gesetz zur Stär­kung der Berufs­auf­sicht und zur Reform berufs­recht­li­cher Rege­lun­gen der Wirt­schafts­prü­ferord­nung Berufs­auf­sichts­re­form­ge­setz vom 03.09.2007 [20] mit Wir­kung vom 06.09.2007 und durch das Ach­te Gesetz zur Ände­rung des Steu­er­be­ra­tungs­ge­set­zes vom 08.04.2008 [21] mit Wir­kung vom 12.04.2008 für Wirt­schafts­prü­fer und Steu­er­be­ra­ter eröff­ne­te Mög­lich­keit ein, ihren Beruf in der Rechts­form der GmbH & Co. KG aus­zu­üben.

Bis dahin waren infol­ge der Wirt­schafts­prü­ferord­nung von 1961 und des Steu­er­be­ra­tungs­ge­set­zes von 1975 zahl­rei­che Wirt­schafts­prü­fungs- und Steu­er­be­ra­tungs­ge­sell­schaf­ten in Form der Per­so­nen­han­dels­ge­sell­schaf­ten, die nach ihrem Gesell­schafts­ver­trag „auch“ die Aus­übung von Treu­hand­tä­tig­kei­ten im befug­ten (§ 2 Abs. 3 Nr. 4 WPO) bzw. im ver­ein­ba­ren (§ 57 Abs. 3 Nr. 3 StBerG) Rah­men aus­üben woll­ten, gegrün­det und unbe­an­stan­det im Han­dels­re­gis­ter ein­ge­tra­gen wor­den. In der ver­öf­fent­lich­ten Recht­spre­chung und Lite­ra­tur aus die­ser Zeit fin­det sich kein Nach­weis dazu, dass in irgend­ei­ner Form die Ein­tra­gungs­fä­hig­keit die­ser Gesell­schaf­ten in Fra­ge gestellt wur­de. Ganz im Gegen­teil ging gera­de auch die Recht­spre­chung selbst­ver­ständ­lich von der Rechts­be­stän­dig­keit der sol­cher­ma­ßen gegrün­de­ten und ein­ge­tra­ge­nen Gesell­schaf­ten aus [22]. Per­so­nen­han­dels­ge­sell­schaf­ten von Wirt­schafts­prü­fern und Steu­er­be­ra­tern mit Schwer­punkt auf einer Treu­hand­tä­tig­keit bestan­den wenn über­haupt in völ­lig unbe­deu­ten­dem Umfang, zumal durch­aus in Fra­ge gestellt wird, ob der­ar­ti­ge Gesell­schaf­ten mit schwer­punkt­mä­ßi­ger Treu­hand­tä­tig­keit über­haupt berufs­recht­lich aner­ken­nungs­fä­hig sind [23].

Wenn dann der Gesetz­ge­ber in Kennt­nis die­ser seit mehr als 40 Jah­ren bestehen­den Grün­dungs- und Ein­tra­gungs­pra­xis Wirt­schafts­prü­fern und wenig spä­ter auch Steu­er­be­ra­tern den Weg zur Berufs­aus­übung in Form der GmbH & Co. KG mit der Begrün­dung eröff­net, für die­se „Libe­ra­li­sie­rung“ sei „auf­grund steu­er­recht­li­cher und haf­tungs­recht­li­cher Vor­tei­le … ein Bedarf im Berufs­stand durch­aus gege­ben“ [24], so kann das nicht anders ver­stan­den wer­den, als dass er es wei­ter­hin für die Ein­tra­gung nach §§ 105, 161 HGB als aus­rei­chend und als durch § 27 WPO und § 49 StBerG legi­ti­miert ansieht, dass im Gesell­schafts­zweck einer Wirt­schafts­prü­fungs- oder Steu­er­be­ra­tungs­ge­sell­schaft in der Form einer Per­so­nen­han­dels­ge­sell­schaft Treu­hand­tä­tig­kei­ten ledig­lich als unter­ge­ord­ne­te Tätig­kei­ten ent­hal­ten sind. Alles ande­re lie­fe dar­auf hin­aus, dem Gesetz­ge­ber die Schaf­fung einer inhalts­lee­ren Rege­lung zu unter­stel­len [25]. Es gab und gibt kei­ne jeden­falls kei­ne nen­nens­wer­te Zahl von Wirt­schafts­prü­fungs- und Steu­er­be­ra­tungs­ge­sell­schaf­ten, die schwer­punkt­mä­ßig eine Treu­hand­tä­tig­keit ent­fal­ten, und des­halb auch kei­nen „Bedarf im Berufs­stand“ für eine auf sol­che Gesell­schaf­ten beschränk­te und dann inhalts­lee­re Rege­lung. Dage­gen bestand unter steu­er­recht­li­chen und haf­tungs­recht­li­chen Aspek­ten ein Bedürf­nis der Wirt­schafts­prü­fer und Steu­er­be­ra­ter, für ihre Wirt­schafts­prü­fungs- und Steu­er­be­ra­tungs­ge­sell­schaf­ten mit unter­ge­ord­ne­ter Treu­hand­tä­tig­keit die Rechts­form der GmbH & Co. KG wäh­len zu kön­nen.

Auch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt jeden­falls ver­steht der Bun­des­ge­richts­hof den Nicht­an­nah­me­be­schluss vom 06.12 2011 [26] in die­sem Sin­ne [27] geht davon aus, dass § 49 Abs. 2 StBerG und § 27 Abs. 2 WPO spe­zi­el­le Rege­lun­gen gegen­über § 105 Abs. 1, § 161 HGB dar­stel­len. In dem die­sem Beschluss zugrun­de lie­gen­den Fall bil­de­te die von den betrof­fe­nen Rechts­an­wäl­ten beab­sich­tig­te Treu­hand­tä­tig­keit in der von ihnen gegrün­de­ten GmbH & Co. KG gera­de kei­nen Schwer­punkt der Tätig­keit [28]. Gleich­wohl hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt [29] ange­nom­men, dass es der GmbH & Co. KG frei­ste­he, statt als Rechts­an­walts GmbH & Co. KG „im Rah­men der berufs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen eine Zulas­sung als Steu­er­be­ra­tungs- oder Wirt­schafts­prü­fungs-Kom­man­dit­ge­sell­schaft zu erhal­ten, wenn sie sich wegen ihrer Treu­hand­tä­tig­keit in das Han­dels­re­gis­ter ein­tra­gen lässt“ [30].

Einer Diver­genz­vor­la­ge nach § 132 Abs. 2 GVG im Hin­blick auf das Urteil des Senats für Anwalts­sa­chen des Bun­des­ge­richts­hofs vom 18.07.2011 [31] bedarf es nicht. Soweit dort zur Aus­le­gung des § 49 Abs. 2 StBerG und des § 27 Abs. 2 WPO die Auf­fas­sung ver­tre­ten wird, nach die­sen Vor­schrif­ten sei nur die auf eine über­wie­gen­de Treu­hand­tä­tig­keit ein­ge­schränk­te Mög­lich­keit des Betriebs einer Wirt­schafts­prü­fungs- oder Steu­er­be­ra­tungs­ge­sell­schaft in der Rechts­form der Offe­nen Han­dels­ge­sell­schaft oder der Kom­man­dit­ge­sell­schaft eröff­net wor­den, war die­se Rechts­an­sicht für die ergan­ge­ne Ent­schei­dung nicht tra­gend.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 15. Juli 2014 – II ZB 2/​13

  1. BGBl. I, 1474[]
  2. BGH, Urteil vom 18.07.2011 – AnwZ (Brfg) 18/​10, ZIP 2011, 1664 Rn. 9 mwN; Bay­O­bLG, NZG 2002, 718; Oetker/​Körber, HGB, 3. Aufl., § 1 Rn. 46; Keß­ler in Heidel/​Schall, HGB, § 1 Rn. 24; BeckOKHGB/​Schwartze, § 1 Rn. 28; Kind­ler in Ebenroth/​Boujong/​Joost/​Strohn, HGB, 3. Aufl., § 1 Rn. 39; Roth in Koller/​Roth/​Morck, HGB, 7. Aufl., § 1 Rn. 15; ein­schrän­kend etwa Hopt in Baumbach/​Hopt, HGB, 36. Aufl., § 1 Rn. 28[]
  3. vgl. hier­zu BGH, Urteil vom 18.07.2011 – AnwZ (Brfg) 18/​10, ZIP 2011, 1664 Rn. 11 mwN; Potsch, NZG 2012, 329, 330; Ters­tee­gen, NZG 2010, 651, 652; a.A. Arens, DStR 2011, 1825, 1826; K. Schmidt, DB 2009, 271, 273 und DB 2011, 2477, 2478[]
  4. vgl. Arens, DStR 2011, 1825, 1827; ders., DStR 2013, 1103 f.; Juret­zek, DStR 2013, 2792, 2793; Will­wer­scheid in Kuhls u.a., StBerG, 3. Aufl., § 49 Rn. 4; Tim­mer in Hense/​Ulrich/​Maxl, WPO, 2. Aufl., § 27 Rn. 6 ff.; vgl. hier­zu auch schon BGH, Beschluss vom 04.03.1985 AnwZ (B) 43/​84, BGHZ 94, 65, 69 f.; aA Ters­tee­gen, NZG 2010, 651, 652[]
  5. BGBl. I, 1301[]
  6. BT-Drs. 3/​zu 2859 S. 7[]
  7. BGBl. I, 1509[][]
  8. BT-Drs. 7/​2852 S. 35[]
  9. BGBl. I, 1049[]
  10. BT-Drs. 2/​784[]
  11. BT-Drs. 3/​201[]
  12. BT-Drs. 3/​201 S. 50, wort­gleich schon in BT-Drs. 2/​784 S. 62 f.[]
  13. vgl. dazu aus­führ­lich Haibt, Die Kapi­tal­be­tei­li­gung Berufs­frem­der an Wirt­schafts­prü­fungs­ge­sell­schaf­ten, 1998, S. 31 ff.; Wey­ers­haus, Wirt­schafts­prü­fung in Deutsch­land und ers­ter euro­päi­scher Zusam­men­schluss (19311961), 2012, S. 77 f.[]
  14. so Schäub­le, Die berufs­recht­li­che Stel­lung der Wirt­schafts­prü­fer in Wirt­schafts­prü­fungs­ge­sell­schaf­ten, 1971, S. 84 ff., 89 f.; vgl. auch Hagen, Revi­si­on und Treu­hand­we­sen, 1978, S. 174, 194 ff., 196[]
  15. vgl. Mei­sel, Geschich­te der deut­schen Wirt­schafts­prü­fer, 1992, S. 116, 120[]
  16. vgl. KG, HRR 1932 Nr. 249[]
  17. vgl. nur RGZ 64, 155, 157; 109, 73, 75 f.; Cosack, Lehr­buch des Han­dels­rechts, 7. Aufl., S. 32; Wie­land, Han­dels­recht, I. Band, 1921, S. 131 f.; Mül­ler-Erz­bach, Deut­sches Han­dels­recht, 2. u.03. Aufl., S. 53 f.; Staub/​Bondi, HGB, 12. und 13. Aufl., § 1 Anm. 9[]
  18. vgl. Potsch, NZG 2012, 329, 330; Ters­tee­gen, NZG 2010, 651, 652; Arens, DStR 2011, 1825, 1827; Hens­s­ler, NZG 2011, 1121, 1128; Schüp­pen, BB 2012, 783, 785[]
  19. Ger­hard, Der Steu­er­be­ra­ter 1975, 109, 115; Charlier/​Peter, StBerG, 3. Aufl., § 49 Rn. 8; s. auch Mittelsteiner/​Gehre/​Rohweder, StBerG, 2. Aufl., § 49 Ziff. 2, die offen­sicht­lich die Tat­sa­che der „Ver­ein­bar­keit“ als aus­rei­chend für die Ein­tra­gung nach § 105 HGB anse­hen[]
  20. BGBl. I, 2178[]
  21. BGBl. I, 666[]
  22. vgl. nur BGH, Urteil vom 04.03.1985 AnwZ (B) 43/​84, BGHZ 94, 65 ff.[]
  23. zwei­felnd etwa Hens­s­ler, NZG 2011, 1121, 1129; Potsch, NZG 2012, 329, 330; Römer­mann, GmbHR, 2012, 64, 67; vgl. hier­zu fer­ner BGH, Urteil vom 04.03.1996 StbSt® 4/​95, BGHSt 42, 55, 63; Urteil vom 12.05.2011 – III ZR 107/​10, ZIP 2011, 1367 Rn. 17; s. aber auch Maxl in Kuhls u.a., StBerG, 3. Aufl., § 57 Rn. 299; Settele/​v. Eich­born, DStR 2010, 1444[]
  24. Begrün­dung des Regie­rungs­ent­wurfs des Berufs­auf­sichts­re­form­ge­set­zes zur ent­spre­chen­den Erwei­te­rung des § 28 Abs. 1 WPO, BT-Drs. 16/​2858, S. 24[]
  25. vgl. Hens­s­ler, NZG 2011, 1121, 1129; Arens, DStR 2011, 1825, 1827; ders., DStR 2013, 1103[]
  26. BVerfG, Beschluss vom 06.12.2011 – 1 BvR 2280/​11, ZIP 2012, 367 ff.[]
  27. eben­so Tim­mer in Hense/​Ulrich/​Maxl, WPO, 2. Aufl., § 27 Rn. 10[]
  28. vgl. BGH, Urteil vom 18.07.2011 AnwZ (Brfg) 18/​10, ZIP 2011, 1664 Rn. 8 f.[]
  29. im Gegen­satz zu BGH, Urteil vom 18.07.2011 AnwZ (Brfg) 18/​10, ZIP 2011, 1664 Rn. 25[]
  30. BVerfG, Beschluss vom 06.12 2011 – 1 BvR 2280/​11, ZIP 2012, 367 Rn. 16 aE[]
  31. BGH, Beschluss vom 18.07.2011 – AnwZ (Brfg) 18/​10, ZIP 2011, 1664[]