Unterlassungsklagen der Verbraucherschutzverbände — und ihr günstiger Streitwert

Nach ständi­ger Recht­sprechung des Bun­des­gericht­shofs ori­en­tiert sich die Beschw­er in Ver­fahren nach dem Gesetz über Unter­las­sungskla­gen bei Ver­braucher­rechts- und anderen Ver­stößen (Unter­las­sungskla­genge­setz) regelmäßig an dem Inter­esse der All­ge­mein­heit am Unterbleiben des Gebrauchs der strit­ti­gen Klauseln.

Unterlassungsklagen der Verbraucherschutzverbände — und ihr günstiger Streitwert

Um die Ver­brauch­er­schutzver­bände bei der Wahrnehmung der ihnen im Gemein­in­ter­esse eingeräumten Befug­nis, den Rechtsverkehr von unwirk­samen All­ge­meinen Geschäfts­be­din­gun­gen zu befreien, vor unangemesse­nen Kosten­risiken zu schützen, hat die wirtschaftliche Bedeu­tung der Ver­bote, bes­timmte Klauseln zu ver­wen­den, bei der Bemes­sung der Beschw­er hinge­gen keine auss­chlaggebende Bedeu­tung1.

Dies gilt nicht nur für die Beschw­er eines Ver­brauch­er­schutzver­bands, son­dern auch für die Bemes­sung der Beschw­er des im Unter­las­sung­sprozess unter­liegen­den Ver­wen­ders2.

An dieser Recht­sprechung hält der Bun­des­gericht­shof auch unter Berück­sich­ti­gung der hierge­gen vorge­bracht­en Argu­mente fest. Ent­ge­gen ihrer Auf­fas­sung ste­ht diese Judikatur nicht in Wider­spruch zu § 5 UKlaG i.V.m. § 12 Abs. 4 UWG. Die hier­nach mögliche Stre­itwert­begün­s­ti­gung für eine Partei stellt keinen ver­gle­ich­baren Schutz vor unangemesse­nen Kosten­risiken dar, nach­dem diese nur auf Antrag im Einzelfall und nur bei konkreter erhe­blich­er Gefährdung der wirtschaftlichen Lage des Ver­bands zuläs­sig ist. Auch eine unter­schiedliche Bew­er­tung von Beschw­er und Gebühren­stre­itwert kommt nicht in Betra­cht, da bei­de in der Rechtsmit­telin­stanz nach dem Inter­esse des unter­lege­nen Ver­wen­ders an der Weit­er­ver­wen­dung der entsprechen­den Klausel zu bemessen sind und für eine Dif­feren­zierung deshalb keine sach­liche Recht­fer­ti­gung beste­ht. Auch kor­re­spondiert das Inter­esse des kla­gen­den Ver­ban­des an der all­ge­meinen Unter­sa­gung ein­er Klausel mit dem Inter­esse des beklagten Ver­wen­ders an deren all­ge­meinen Weit­er­ver­wen­dung.

Den Stre­itwert sowie die Beschw­er set­zt der Bun­des­gericht­shof in ständi­ger Recht­sprechung mit 2.500 Euro je ange­grif­f­en­er Teilk­lausel an3.

Allerd­ings ist es nicht von vorn­here­in aus­geschlossen, der her­aus­ra­gen­den wirtschaftlichen Bedeu­tung ein­er Klausel für die betrof­fe­nen Verkehrskreise im Einzelfall aus­nahm­sweise durch die Bemes­sung mit einem höheren Wert Rech­nung zu tra­gen, wenn die Entschei­dung über die Wirk­samkeit ein­er bes­timmten Klausel nicht nur für deren Ver­wen­der und die Ver­tragspart­ner, son­dern für die gesamte Branche von wesentlich­er Bedeu­tung ist. Dies kommt etwa in Betra­cht, wenn es um äußerst umstrit­tene ver­all­ge­meinerungs­fähige Rechts­fra­gen von großer wirtschaftlich­er Trag­weite geht, über deren Beant­wor­tung bere­its vielfältig und mit kon­tro­ver­sen Ergeb­nis­sen gestrit­ten wird4.

Bun­des­gericht­shof, Beschluss vom 23. Feb­ru­ar 2017 — III ZR 389/16

  1. st. Rspr., z.B. BGH, Beschlüsse vom 28.10.2015 — III ZR 64/15, BeckRS 2015, 19182 Rn. 5 und — III ZR 36/15, BeckRS 2015, 19181 Rn. 4; vom 08.09.2011 — III ZR 229/10, BeckRS 2011, 23098 Rn. 1; vom 28.09.2006 — III ZR 33/06, NJW-RR 2007, 497 Rn. 2; BGH, Beschlüsse vom 05.02.2015 — I ZR 106/14, BeckRS 2015, 06518 Rn. 5; vom 09.12 2014 — VIII ZR 160/14, BeckRS 2014, 23598 Rn. 5; vom 06.03.2013 — IV ZR 211/11, BeckRS 2013, 05735 Rn. 3; vom 26.09.2012 — IV ZR 203/11, BeckRS 2012, 21855 Rn.20 und — IV ZR 208/11, NJW 2013, 875 Rn.20 []
  2. st. Rspr., z.B. BGH, Beschlüsse vom 28.10.2015 jew. aaO und mwN; vom 08.09.2011 aaO Rn. 2; BGH, Beschlüsse vom 09.12 2014 aaO; und vom 06.03.2013 aaO Rn. 4 jew. mwN []
  3. z.B. BGH, Beschlüsse vom 28.10.2015 — III ZR 64/15 aaO Rn. 6 und — III ZR 36/15 aaO Rn. 5; vom 08.09.2011 aaO Rn. 1; und vom 28.09.2006 aaO Rn. 3; BGH, Beschlüsse vom 06.03.2013 aaO Rn. 3; vom 26.09.2012 — IV ZR 203/11 aaO Rn. 21 und — IV ZR 208/11 aaO Rn. 21 []
  4. BGH, Beschlüsse vom 28.10.2015 jew. aaO; BGH, Beschlüsse vom 05.02.2015 aaO Rn. 6; vom 09.12 2014 aaO Rn. 6; und vom 10.12 2013 — XI ZR 405/12, BeckRS 2013, 22513 Rn. 6 []