Besonders schwerer Fall der Steuerhinterziehung — in Altfällen

Wurde die Steuer­hin­terziehung vor dem 1.01.2008 been­det, ist im Rah­men der Prü­fung eines beson­ders schw­eren Fall­es (§ 370 Abs. 3 Satz 2 Nr. 1 AO aF, § 2 Abs. 1, 2 StGB) erforder­lich, dass grob eigen­nützig gehan­delt wurde.

Besonders schwerer Fall der Steuerhinterziehung — in Altfällen

Dies ist der Fall, wenn der Täter sein Ver­hal­ten von dem Streben nach Vorteil in beson­ders anstößigem Maße hat leit­en lassen. Dabei muss das Gewinnstreben des Täters das bei jedem Steuer­straftäter vorhan­dene Gewinnstreben deut­lich über­steigen1.

Erforder­lich ist eine vom Tat­gericht vorzunehmende Gesamt­be­tra­ch­tung sämtlich­er Tatum­stände, namentlich der vom Täter gezo­ge­nen Vorteile, der Art, Häu­figkeit und Inten­sität der Tat­bege­hung und des Ver­wen­dungszwecks der erlangten Vorteile.

Diese Umstände müssen im Zusam­men­hang gese­hen und daraufhin über­prüft wer­den, ob sie den Schluss auf groben Eigen­nutz des Täters recht­fer­ti­gen2.

Sollte grober Eigen­nutz im Sinne von § 370 Abs. 3 Satz 2 Nr. 1 AO aF nicht fest­gestellt wer­den kön­nen, kann ein unbe­nan­nter beson­ders schw­er­er Fall der Steuer­hin­terziehung in Betra­cht kom­men3.

Bun­des­gericht­shof, Beschluss vom 30. Juni 2016 — 1 StR 99/16

  1. vgl. BGH, Urteile vom 01.08.1984 – 2 StR 220/84, BGHSt 33, 35 [nicht abge­druckt]; vom 20.11.1990 – 1 StR 548/90, wis­tra 1991, 106; vom 23.01.1991 – 3 StR 365/90, BGHR AO § 370 Abs. 3 Nr. 1 Eigen­nutz 4; und vom 24.07.1985 – 3 StR 191/85, wis­tra 1985, 228 []
  2. vgl. BGH, Beschlüsse vom 22.06.1990 – 3 StR 471/89, BGHR AO § 370 Abs. 3 Nr. 1 Eigen­nutz 3; und vom 13.06.2013 – 1 StR 226/13, BGHR AO § 370 Abs. 3 Nr. 1 Eigen­nutz 5 []
  3. vgl. BGH, Urteil vom 21.08.2012 – 1 StR 257/12, wis­tra 2013, 28, 30; Beschluss vom 22.09.2008 – 1 StR 323/08, NStZ 2009, 159; Jäger in Klein, AO, 13. Aufl., § 370 Rn. 277 []