Betrieb­li­che Übung – und die Vor­stands­ver­gü­tung

Ein Vor­stands­mit­glied kann einen Anspruch auf eine Son­der­leis­tung nicht auf eine betrieb­li­che Übung der Akti­en­ge­sell­schaft stüt­zen.

Eine betrieb­li­che Übung begrün­det für den Vor­stand kei­nen Anspruch, son­dern kann nur für die Aus­le­gung sei­nes Anstel­lungs­ver­trags von Bedeu­tung sein [1].

Der Vor­stand kann einen Anspruch auf eine Son­der­leis­tung auch nicht aus dem all­ge­mei­nen arbeits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz her­lei­ten. Die­ses rich­ter­recht­lich ent­wi­ckel­te und gewohn­heits­recht­lich aner­kann­te Insti­tut [2] fin­det bereits kei­ne Anwen­dung auf den Vor­stand einer Akti­en­ge­sell­schaft. Der Grund­satz der gleich­mä­ßi­gen Behand­lung kommt bei Ver­tre­tungs­or­ga­nen von Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten in der Regel nicht zum Zuge, weil deren Ver­trä­ge weit­ge­hend nach indi­vi­du­el­len Gesichts­punk­ten aus­ge­han­delt zu wer­den pfle­gen und mit den Ver­trä­gen sons­ti­ger Ange­stell­ter nicht ver­gleich­bar sind [3].

Aus Treu und Glau­ben kann zwar unter Umstän­den eine abge­schwäch­te Gleich­be­hand­lungs­pflicht unter Vor­stän­den bestehen [4].

Im vor­lie­gen­den Fall waren aber weder Umstän­de für eine Ungleich­be­hand­lung des Vor­stands fest­ge­stellt noch ersicht­lich: Der Vor­stand been­de­te sei­nen Vor­stands­dienst­ver­trag vor­zei­tig im lau­fen­den Geschäfts­jahr, um zu einer Kon­kur­ren­tin der Akti­en­ge­sell­schaft zu wech­seln. Allein die­ser Umstand stellt einen sach­li­chen Grund für eine Schlech­ter­stel­lung des Vor­stands gegen­über den ande­ren, wei­ter für die Akti­en­ge­sell­schaft täti­gen Vor­stän­den dar. Dass die Akti­en­ge­sell­schaft auch den Vor­stän­den, die ihre Tätig­keit auf eige­nen Wunsch wäh­rend eines Geschäfts­jah­res been­det hat­ten, stets noch, oder jeden­falls im Geschäfts­jahr 2011, einen Bonus für das Jahr ihres Aus­schei­dens gewährt habe, behaup­tet auch der Vor­stand nicht. Dass alle wei­ter amtie­ren­den Vor­stands­mit­glie­der der Akti­en­ge­sell­schaft für das Geschäfts­jahr ent­spre­chen­de Boni aus­ge­zahlt erhal­ten hät­ten, greift des­halb nicht durch.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 24. Sep­tem­ber 2019 – II ZR 192/​18

  1. vgl. BGH, Urteil vom 19.12 1994 – II ZR 244/​93, ZIP 1995, 210, 211; Münch­Komm-Akt­G/­Spind­ler, 5. Aufl., § 84 AktG Rn. 69; Hüffer/​Koch, AktG, 13. Aufl., § 84 Rn. 24[]
  2. BAG, NZA 2006, 1217 Rn. 11 mwN[]
  3. BGH, Urteil vom 08.03.1973 – II ZR 134/​71, WM 1973, 506; Urteil vom 17.02.1969 – II ZR 19/​68, WM 1969, 686, 688[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 19.12 1994 – II ZR 244/​93, ZIP 1995, 210, 211; Flei­scher in Spindler/​Stilz, AktG, 4. Aufl., § 84 Rn. 28[]