Der Anspruch auf eine Rechnung — mit Umsatzsteuerausweis

Führt der Unternehmer eine Liefer­ung oder eine son­stige Leis­tung nach § 1 Abs. 1 Nr. 1 UStG aus, ist er gemäß § 14 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 Satz 2 UStG verpflichtet, inner­halb von sechs Monat­en nach Aus­führung der Leis­tung eine Rech­nung (§ 14 Abs. 1, 4 UStG) auszustellen, soweit er einen Umsatz an einen anderen Unternehmer für dessen Unternehmen oder an eine juris­tis­che Per­son, die nicht Unternehmer ist, aus­führt.

Der Anspruch auf eine Rechnung — mit Umsatzsteuerausweis

Dieser Anspruch ist Aus­druck ein­er Nebenpflicht aus dem bürg­er­lichrechtlichen Ver­tragsver­hält­nis zwis­chen dem Leis­ten­den und dem Leis­tungsempfänger, der sich anson­sten aus dem Gesicht­spunkt von Treu und Glauben ergäbe1.

Da das Inter­esse des Leis­tungsempfängers an ein­er zum Zweck des Vors­teuer­abzugs aus­gewiese­nen Umsatzs­teuer (§ 15 Abs. 1 Nr. 1 Satz 2 UStG) nur schutzwürdig ist, wenn eine Steuer für den berech­neten Umsatz tat­säch­lich geschuldet wird, kann er die Ausstel­lung ein­er Rech­nung mit geson­dert­er Angabe der Umsatzs­teuer nur im Falle ein­er — vor­liegend nicht erfol­gten — bestand­skräfti­gen Besteuerung oder aber bei objek­tiv­er Steuerpflicht der erbracht­en Leis­tung ver­lan­gen2.

Um einen wirkungsvollen Rechtss­chutz zu gewährleis­ten, sind steuer­rechtliche Vor­fra­gen dabei nicht der Beurteilung durch die Zivil­gerichte ent­zo­gen, son­dern grund­sät­zlich von diesen selb­ständig zu beant­worten3. Etwas anderes gilt nur dann, wenn eine endgültige Beurteilung der Steuer­frage auf erhe­bliche Schwierigkeit­en tat­säch­lich­er oder rechtlich­er Art stößt und damit ern­sthaft die Gefahr beste­ht, dass die Finanzbe­hör­den die Frage abwe­ichend von der Ein­schätzung der Zivil­gerichte beurteilen4. Die von den Umstän­den des jew­eils gegebe­nen Einzelfalls abhängige Frage, ob die Prü­fung steuer­rechtlich­er Vor­fra­gen beson­dere Schwierigkeit­en tat­säch­lich­er oder rechtlich­er Art bere­it­et, entzieht sich dabei ein­er generellen Bew­er­tung.

Die ver­tragliche Vere­in­barung der Parteien ist zwar nicht steuer­be­grün­dend, denn das Umsatzs­teuer­recht knüpft an tat­säch­liche Leis­tungsvorgänge an; sie ermöglicht aber die Bes­tim­mung des umsatzs­teuer­rechtlichen Leis­tungsaus­tauschver­hält­niss­es5. Die Revi­sion verken­nt, dass sich regelmäßig aus den geschlosse­nen zivil­rechtlichen Vere­in­barun­gen — hier dem Kaufver­trag zwis­chen dem Kläger und der Beklagten — ergibt, wer bei einem Umsatz als Leis­ten­der anzuse­hen ist6.

Liefer­un­gen eines Unternehmers sind nach § 3 Abs. 1 UStG Leis­tun­gen, durch die er oder in seinem Auf­trag ein Drit­ter den Abnehmer oder in dessen Auf­trag einen Drit­ten befähigt, im eige­nen Namen über einen Gegen­stand zu ver­fü­gen. Umsatzs­teuer­rechtliche Leis­tungs­beziehun­gen zwis­chen dem leis­ten­den Unternehmer und dem Abnehmer wer­den durch die Ein­schal­tung eines Drit­ten in den for­malen Leis­tungsvol­lzug nicht berührt7. Der leis­tende Unternehmer kann dem Abnehmer die Ver­fü­gungs­macht an dem Gegen­stand auch dadurch ver­schaf­fen, dass er einen Drit­ten, der die Ver­fü­gungs­macht bis­lang innehat, mit dem Vol­lzug dieser Maß­nahme beauf­tragt, so dass mit der Über­gabe des Gegen­standes zugle­ich eine Liefer­ung des Drit­ten an den leis­ten­den Unternehmer und eine Liefer­ung durch diesen an seinen Abnehmer stat­tfind­et8.

Bun­des­gericht­shof, Beschluss vom 10. Mai 2016 — VIII ZR 179/15

  1. BGH, Urteile vom 24.02.1988 — VIII ZR 64/87, BGHZ 103, 284, 287; vom 10.11.1988 — VII ZR 137/87, NJW 1989, 302 unter I; vom 02.11.2001 — V ZR 224/00, NJW-RR 2002, 376 unter — II 1; vom 10.03.2010 — VIII ZR 65/09, NJW-RR 2010, 1579 Rn. 13; vom 27.10.2011 — I ZR 125/10, GRUR 2012, 711 Rn. 44; BFHE 135, 118, 123 []
  2. BGH, Urteile vom 24.02.1988 — VIII ZR 64/87, aaO S. 288, 297; vom 10.11.1988 — VII ZR 137/87, aaO unter II; vom 02.11.2001 — V ZR 224/00, aaO []
  3. BGH, Urteile vom 14.01.1980 — II ZR 76/79, NJW 1980, 2710 unter 1; vom 02.11.2001 — V ZR 224/00, aaO unter — II 2 b bb []
  4. BGH, Urteile vom 02.11.2001 — V ZR 224/00, aaO; vom 26.06.2014 — VII ZR 247/13, NJW-RR 2014, 1520 Rn. 13; Beschluss vom 11.03.2015 — IV ZR 444/13 22 []
  5. BFHE 239, 526 Rn. 31; BFH, BFH/NV 2005, 1160, 1162 []
  6. BFHE 198, 208, 212; 203, 389, 393; 213, 144, 146; 241, 459 Rn. 22; BFHE 251, 443 Rn. 14; jew­eils mwN; siehe auch BGH, Urteil vom 10.03.2010 — VIII ZR 65/09, aaO []
  7. vgl. BGH, Beschluss vom 29.04.2008 — VIII ZB 61/07, BGHZ 176, 222 Rn. 27 mwN []
  8. BFHE 203, 389, 394 mwN; siehe auch Rau/Dürrwächter/Nieskens, UStG, 164. Liefer­ung 10.2015, § 3 Rn. 931, 941, 2023 ff.; Sölch/Ringleb/Martin, UStG, 75. Ergänzungsliefer­ung 2015, § 3 Rn. 156 ff.; zum Streck­engeschäft siehe BGH, Urteile vom 22.03.1982 — VIII ZR 92/81, NJW 1982, 2371 unter — II 1 c; vom 08.11.1972 — VIII ZR 79/71, NJW 1973, 141 unter 4 b []