Die Haftung des Geschäftsführers für die Einfuhrumsatzsteuer — und der Grundsatz der anteiligen Tilgung

Nach ständi­ger Recht­sprechung des BFH ist u. a. bei der Haf­tung für Umsatzs­teuer der haf­tungs­be­gren­zende Grund­satz der anteili­gen Tilgung zu beacht­en.

Die Haftung des Geschäftsführers für die Einfuhrumsatzsteuer — und der Grundsatz der anteiligen Tilgung

Dieser besagt, dass der geset­zliche Vertreter nach §§ 69, 34 AO nur in dem Umfang in Anspruch genom­men wer­den kann, in dem er bei der Tilgung der Gesamtverbindlichkeit­en das Finan­zamt gegenüber anderen Gläu­bigern benachteiligt hat1.

Denn ver­langt wird von einem GmbH-Geschäfts­führer, dass er in Erfül­lung sein­er steuer­lichen Pflicht­en die ihm zur Ver­fü­gung ste­hen­den Mit­tel zu ein­er in etwa anteili­gen Befriedi­gung des Finan­zamts und der übri­gen Gläu­biger ver­wen­det.

Der zu fordernde Kausalzusam­men­hang zwis­chen der Pflichtver­let­zung und dem Schaden­sein­tritt ent­fällt, wenn man­gels aus­re­ichen­der Zahlungsmit­tel auch bei frist­gerechter Abgabe der Steuer­an­mel­dung die geschuldete Steuer nicht hätte an das Finan­zamt abge­führt wer­den kön­nen.

Ob nach Ein­führung des ZK und des Ver­brauch­s­teuer-Bin­nen­mark­t­ge­set­zes diese Grund­sätze auch für die Ein­fuhrum­satzs­teuer gel­ten2 brauchte das Finanzgericht Meck­len­burg-Vor­pom­mern im vor­liegen­den Stre­it­fall nicht zu entschei­den, da der Geschäfts­führer keine anteilige Tilgung der GmbH-Schulden vorgenom­men hat­te.

Finanzgericht Meck­len­burg ‑Vor­pom­mern, Urteil vom 19. Okto­ber 2016 — 3 K 86/13

  1. vgl. BFH, Urteile vom 12.06.1986, — VII R 192/83, BSt­Bl II 1986, 657; vom 14.07.1987, — VII R 188/82, BSt­Bl II 1988, 172; vom 27.02.2007, — VII R 60/05, BSt­Bl II 2008, 508; vom 04.12 2007, — VII R 18/06, BFH/NV 2008, 521 []
  2. zweifel­nd Klein/Rüsken, AO, 13. Aufl., § 69 Rz. 90 []