Gesell­schaf­ter-Fremd­fi­nan­zie­rung nach dem „Korb II-Gesetz“

Eine vGA i.S. des § 8a Abs. 5 KStG 2002 n.F. (sog. Korb II-Gesetz) ist nicht erst auf der Stu­fe der Mit­un­ter­neh­mer­ka­pi­tal­ge­sell­schaft, son­dern als Teil des geson­dert und ein­heit­lich fest­zu­stel­len­den Gewinns einer Per­so­nen­ge­sell­schaft und damit auch bei der Ermitt­lung ihres Gewer­be­er­trags zu erfas­sen.

Gesell­schaf­ter-Fremd­fi­nan­zie­rung nach dem „Korb II-Gesetz“

In dem hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Fall war strei­tig, ob Zins­zah­lun­gen einer Mit­un­ter­neh­mer­schaft, die § 8a Abs. 5 KStG i.d.F. von Art. 3 des Geset­zes zur Umset­zung der Pro­to­koll­erklä­rung der Bun­des­re­gie­rung zur Ver­mitt­lungs­emp­feh­lung zum Steu­er­ver­güns­ti­gungs­ab­bau­ge­setz ‑Korb II-Gesetz- vom 22.12 2003 [1] ‑KStG 2002 n.F.- unter­fal­len, den geson­dert und ein­heit­lich fest­zu­stel­len­den Gewinn bzw. den Gewer­be­er­trag i.S. des § 7 Satz 1 GewStG 2002 der Mit­un­ter­neh­mer­schaft erhö­hen.

Kon­kret ging es um eine oHG, an der im Streit­jahr 2004 u.a. eine Kapi­tal­ge­sell­schaft mit Sitz und Geschäfts­lei­tung in den USA, die B Inc. betei­ligt war, deren Antei­le von der C Inc. – mit Sitz und Geschäfts­lei­tung eben­falls in den USA – gehal­ten wur­den. Die C Inc. gewähr­te der oHG ein Dar­le­hen, für das im Streit­jahr Zin­sen in Höhe von 10.948.381 EUR anfie­len. In ihrer Erklä­rung zur geson­der­ten und ein­heit­li­chen Fest­stel­lung des Gewinns aus Gewer­be­be­trieb und in ihrer Gewer­be­steu­er­erklä­rung setz­te die oHG die Zins­zah­lun­gen als ver­deck­te Gewinn­aus­schüt­tung (vGA) i.S. von § 8a Abs. 1, 5 KStG 2002 n.F. an und erfass­te sie als Teil ihres mit­un­ter­neh­mer­schaft­li­chen Gesamt­ge­winns bzw. Gewer­be­er­trags.

Nach § 8a Abs. 1 Satz 1 KStG 2002 n.F. sind Ver­gü­tun­gen für Fremd­ka­pi­tal, das eine Kapi­tal­ge­sell­schaft nicht nur kurz­fris­tig von einem Anteils­eig­ner erhal­ten hat, der zu einem Zeit­punkt im Wirt­schafts­jahr wesent­lich am Grund- oder Stamm­ka­pi­tal betei­ligt war, auch vGA, wenn die Ver­gü­tun­gen ins­ge­samt mehr als 250.000 EUR betra­gen und wenn eine nicht in einem Bruch­teil des Kapi­tals bemes­se­ne Ver­gü­tung ver­ein­bart ist (Nr. 1) oder eine in einem Bruch­teil des Kapi­tals bemes­se­ne Ver­gü­tung ver­ein­bart ist und soweit das Fremd­ka­pi­tal zu einem Zeit­punkt des Wirt­schafts­jahrs das Ein­ein­halb­fa­che des antei­li­gen Eigen­ka­pi­tals des Anteils­eig­ners über­steigt, es sei denn, die Kapi­tal­ge­sell­schaft hät­te die­ses Fremd­ka­pi­tal bei sonst glei­chen Umstän­den auch von einem frem­den Drit­ten erhal­ten kön­nen (Nr. 2). § 8a Abs. 5 Satz 1 KStG 2002 n.F. sieht vor, dass die Absät­ze 1 bis 4 ent­spre­chend gel­ten, wenn das Fremd­ka­pi­tal einer Per­so­nen­ge­sell­schaft über­las­sen wird, an der die Kapi­tal­ge­sell­schaft allei­ne oder zusam­men mit ihr nahe ste­hen­den Per­so­nen i.S. des § 1 Abs. 2 des Außen­steu­er­ge­set­zes unmit­tel­bar oder mit­tel­bar zu mehr als einem Vier­tel betei­ligt ist. In den Fäl­len des Sat­zes 1 gilt das Fremd­ka­pi­tal als der Kapi­tal­ge­sell­schaft über­las­sen (Abs. 5 Satz 2).

Im Streit­fall sind mit Blick auf die Dar­le­hens­ver­ein­ba­rung zwi­schen der C Inc. und der oHG sowie die kon­kre­ten Betei­li­gungs­ver­hält­nis­se (B Inc. als Mit­un­ter­neh­mer-Kapi­tal­ge­sell­schaft der oHG mit einer dor­ti­gen Betei­li­gung von mehr als 25 %, C Inc. als allei­ni­ge Gesell­schaf­te­rin der B Inc.) die Tat­be­stands­vor­aus­set­zun­gen des § 8a Abs. 5 Satz 1 i.V.m. Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 KStG 2002 n.F. erfüllt. Die Ver­gü­tun­gen (als kapi­tal­be­zo­ge­ne Ver­zin­sung) für das nicht nur kurz­fris­ti­ge Dar­le­hen über­stei­gen im Streit­jahr 250.000 EUR; dar­über hin­aus über­steigt das Fremd­ka­pi­tal das Ein­ein­halb­fa­che des Eigen­ka­pi­tals der C Inc. an der B Inc. und ein Gegen­be­weis durch Dritt­ver­gleich ist nicht erbracht. In Höhe der Fremd­ka­pi­tal­ver­gü­tun­gen lie­gen daher steu­er­recht­lich vGA der Mit­un­ter­neh­mer-Kapi­tal­ge­sell­schaft (B Inc.) an ihre Anteils­eig­ne­rin C Inc. (Dar­le­hens­ge­be­rin) vor.

Nach der Begrün­dung des Gesetz­ent­wurfs zu § 8a Abs. 5 KStG 2002 n.F. [2] ist § 8a KStG in der bis­her gel­ten­den Fas­sung viel­fach durch Zwi­schen­schal­tung von Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten umgan­gen wor­den. Mit­hil­fe der Neu­re­ge­lung soll­ten auch Fäl­le erfasst wer­den, in denen nicht der Kapi­tal­ge­sell­schaft, son­dern einer Per­so­nen­ge­sell­schaft das Fremd­ka­pi­tal oder die Wirt­schafts­gü­ter über­las­sen wer­den und der der Kapi­tal­ge­sell­schaft zuzu­rech­nen­de Anteil der Ein­künf­te aus der Per­so­nen­ge­sell­schaft um die Ver­gü­tun­gen gemin­dert wur­de. Auch inso­weit soll­ten die Ver­gü­tun­gen auf Fremd­ka­pi­tal (soweit das Fremd­ka­pi­tal ein bestimm­tes Eigen-/Fremd­ka­pi­tal­ver­hält­nis über­steigt und ein Dritt­ver­gleich nicht gelingt) in vGA umqua­li­fi­ziert wer­den, so dass Gewin­ne im Inland täti­ger Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten nicht mehr der deut­schen Besteue­rung ent­zo­gen wer­den könn­ten.

§ 8a Abs. 1 Satz 1 KStG 2002 n.F. belegt im Fal­le der Gesell­schaf­ter-Fremd­fi­nan­zie­rung die an den finan­zie­ren­den Gesell­schaf­ter der finan­zier­ten Kapi­tal­ge­sell­schaft gezahl­ten Ver­gü­tun­gen einer beson­de­ren Rechts­fol­ge – sie „sind“ (unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen) „auch ver­deck­te Gewinn­aus­schüt­tun­gen“. § 8a Abs. 5 Satz 1 KStG 2002 n.F. stellt die Fremd­ka­pi­tal­über­las­sung durch einen finan­zie­ren­den (Kapital-)Gesellschafter an eine Per­so­nen­ge­sell­schaft der (direk­ten) Gesell­schaf­ter-Fremd­fi­nan­zie­rung gleich, wenn an der Per­so­nen­ge­sell­schaft die (fik­tiv) „finan­zier­te Kapi­tal­ge­sell­schaft“ wesent­lich betei­ligt ist. In die­ser Situa­ti­on kön­nen ‑nach Maß­ga­be der ent­spre­chend anwend­ba­ren Absät­ze 1 bis 4- die gezahl­ten Ver­gü­tun­gen „vGA“ sein.

Ob und ggf. in wel­cher Höhe im Rah­men der Besteue­rung einer Kapi­tal­ge­sell­schaft eine vGA zu berück­sich­ti­gen ist, muss nach der BFH-Recht­spre­chung grund­sätz­lich im Rah­men der Besteue­rung der Kapi­tal­ge­sell­schaft ent­schie­den wer­den [3]. Etwas ande­res kann aller­dings dann gel­ten, wenn eine Kapi­tal­ge­sell­schaft an einer Per­so­nen­ge­sell­schaft betei­ligt und die Fra­ge nach dem Vor­lie­gen einer vGA untrenn­bar mit der Höhe ihres Gewinn­an­teils an der Per­so­nen­ge­sell­schaft ver­bun­den ist; in die­sem Fall ist die vGA in die Gewinn­fest­stel­lung der Per­so­nen­ge­sell­schaft ein­zu­be­zie­hen [4].

In wel­chem Ver­fah­ren bei der Dar­le­hens­aus­rei­chung an eine Per­so­nen­ge­sell­schaft über die Rechts­fol­ge des § 8a Abs. 5 KStG 2002 n.F. eine ver­bind­li­che Ent­schei­dung zu tref­fen ist, hat der Gesetz­ge­ber nicht aus­drück­lich gere­gelt. Es wer­den dazu unter­schied­li­che Rechts­auf­fas­sun­gen ver­tre­ten.

Nach einer Auf­fas­sung wird über die Rechts­fol­gen des § 8a Abs. 5 KStG 2002 n.F. unter Berück­sich­ti­gung der zivil­recht­li­chen Aus­gangs­la­ge (Par­tei­en des Dar­le­hens­ver­tra­ges) und der wirt­schaft­li­chen Belas­tung durch die Ver­gü­tun­gen im Ver­fah­ren der geson­der­ten und ein­heit­li­chen Gewinn­fest­stel­lung der Per­so­nen­ge­sell­schaft ent­schie­den [5]. Ande­re ver­wei­sen auf § 8a Abs. 5 Satz 2 KStG 2002 n.F. und lei­ten hier­aus eine „Ver­la­ge­rung“ auf die Ein­kom­mens­er­mitt­lung bzw. Ver­an­la­gung der (fik­tiv) „finan­zier­ten“ Kapi­tal­ge­sell­schaft ab [6]. Soweit ‑wie­der­um unter Hin­weis auf § 8a Abs. 5 Satz 2 KStG 2002 n.F.- auf der Grund­la­ge einer „Dop­pel­fik­ti­on“ das Dar­le­hen und die Fremd­ka­pi­tal­ver­gü­tung steu­er­recht­lich sowohl der (fik­tiv) „finan­zier­ten“ Kapi­tal­ge­sell­schaft als auch der Per­so­nen­ge­sell­schaft zuge­wie­sen wird [7], wird von die­sen Autoren wie­der­um eine Ein­bin­dung der vGA in das Fest­stel­lungs­ver­fah­ren der Mit­un­ter­neh­mer­schaft befür­wor­tet [8], eben­so von den­je­ni­gen, die § 8a Abs. 5 Satz 2 KStG 2002 n.F. die Wir­kung zuspre­chen, die Zuord­nung der Ver­gü­tun­gen (fik­ti­ver Betriebs­auf­wand der Kapi­tal­ge­sell­schaft) zu beein­flus­sen [9].

Der Bun­des­fi­nanz­hof hält es für zutref­fend, die dar­le­hens­be­zo­ge­ne Ent­schei­dung zu § 8a Abs. 5 KStG 2002 n.F. im Fest­stel­lungs­ver­fah­ren der Mit­un­ter­neh­mer­schaft zu tref­fen. Es besteht eine ver­gleich­ba­re Lage zur Situa­ti­on der Betei­li­gung einer Kapi­tal­ge­sell­schaft an einer Per­so­nen­ge­sell­schaft, wenn inso­weit die Fra­ge nach dem Vor­lie­gen einer vGA untrenn­bar mit der Höhe ihres Gewinn­an­teils an der Per­so­nen­ge­sell­schaft ver­bun­den ist.

Aus dem Geset­zes­wort­laut, der die „ent­spre­chen­de“ Anwen­dung der Absät­ze 1 bis 4 anord­net, sowie der Geset­zes­be­grün­dung, die aus­drück­lich dar­auf hin­weist, dass „der der Kapi­tal­ge­sell­schaft zuzu­rech­nen­de Anteil der Ein­künf­te aus der Per­so­nen­ge­sell­schaft um die Ver­gü­tun­gen gemin­dert wur­de“ [10], ist zu schlie­ßen, dass die durch die Fremd­ka­pi­tal­ver­gü­tun­gen aus­ge­lös­te Ein­kom­mens­min­de­rung auch bei einer Fremd­ka­pi­tal­über­las­sung an eine Per­so­nen­ge­sell­schaft „neu­tra­li­siert“ wer­den soll. Dem­ge­mäß ist § 8a Abs. 5 KStG 2002 n.F. jeden­falls dar­auf gerich­tet, eine Ein­künf­te­min­de­rung in dem Maße aus­zu­schlie­ßen, in dem die von der Per­so­nen­ge­sell­schaft geleis­te­te Fremd­ka­pi­tal­ver­gü­tung den Gewinn­an­teil der Mit­un­ter­neh­mer-Kapi­tal­ge­sell­schaft (der wirt­schaft­lich dem finan­zie­ren­den Gesell­schaf­ter der Mit­un­ter­neh­mer-Kapi­tal­ge­sell­schaft zusteht) an der Per­so­nen­ge­sell­schaft geschmä­lert hat [11]. Hier­aus ergibt sich nicht nur ein so enger Zusam­men­hang zur Gewinn­ermitt­lung der (zivil­recht­lich dar­le­hens­schul­den­den) Per­so­nen­ge­sell­schaft, dass die vGA in die geson­der­te Gewinn­fest­stel­lung ein­zu­be­zie­hen ist. Dar­über hin­aus ist § 8a Abs. 5 Satz 2 KStG 2002 n.F. zugleich die Grund­la­ge dafür, bei der zur ent­spre­chen­den Anwen­dung des Abs. 1 bis 4 erfor­der­li­chen Ermitt­lung des bei der Mit­un­ter­neh­mer-Kapi­tal­ge­sell­schaft zuläs­si­gen Fremd­ka­pi­tals das über­las­se­ne Kapi­tal voll­um­fäng­lich die­ser Kapi­tal­ge­sell­schaft zuzu­rech­nen [12] und anschlie­ßend ‑wenn die Tat­be­stands­vor­aus­set­zun­gen einer „schäd­li­chen Fremd­fi­nan­zie­rung“ vor­lie­gen- einen der „schäd­li­chen Ver­gü­tung“ ent­spre­chen­den Teil der Ein­künf­te aus der Per­so­nen­ge­sell­schaft als vGA zu qua­li­fi­zie­ren, die wie­der­um der Anteils­eig­ne­rin (hier: C Inc.) der (fik­tiv) „finan­zier­ten Kapi­tal­ge­sell­schaft“ in Gestalt der Ver­gü­tun­gen zufließt.

Der enge Zusam­men­hang zur Gewinn­ermitt­lung der Per­so­nen­ge­sell­schaft erweist sich auch dar­an, dass die Tat­be­stands­vor­aus­set­zun­gen des § 8a Abs. 5 Satz 1 i.V.m. Abs. 1 bis 4 KStG 2002 n.F. nicht aus­schließ­lich bei der Kapi­tal­ge­sell­schaft geprüft wer­den kön­nen. Jeden­falls ist der sog. Dritt­ver­gleich gemäß § 8a Abs. 5 Satz 1 i.V.m. Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 KStG 2002 n.F. bei der „tat­säch­lich dar­leh­ens­emp­fan­gen­den“ Per­so­nen­ge­sell­schaft zu füh­ren [13].

Die von der oHG vor­ge­tra­ge­nen Ein­wen­dun­gen grei­fen nicht durch.

Die Anwen­dung des § 8a Abs. 5 KStG 2002 n.F. ist nicht durch abkom­mens­recht­li­che Maß­ga­ben „gesperrt“. Zwar hat der Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­den, dass der abkom­mens­recht­li­che Grund­satz des „dealing at arm’s length“ (Art. 9 Abs. 1 des Mus­ter­ab­kom­mens der Orga­ni­sa­ti­on for Eco­no­mic Coö­pe­ra­ti­on and Deve­lo­p­ment ‑OECD-Mus­ter­ab­kom­men‑, hier: Art. 9 Abs. 1 des Abkom­mens zwi­schen der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land und den Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka zur Ver­mei­dung der Dop­pel­be­steue­rung und zur Ver­hin­de­rung der Steu­er­ver­kür­zung auf dem Gebiet der Steu­ern vom Ein­kom­men; und vom Ver­mö­gen und eini­ger ande­rer Steu­ern vom 29.08.1989 [14]) bei ver­bun­de­nen Unter­neh­men eine Sperr­wir­kung gegen­über den sog. Son­der­be­din­gun­gen ent­fal­tet, denen beherr­schen­de Unter­neh­men im Rah­men der Ein­kom­mens­kor­rek­tur nach § 8 Abs. 3 Satz 2 KStG bei Annah­me einer vGA unter­wor­fen sind [15]. § 8a KStG 2002 n.F. ent­hält aber kei­ne ent­spre­chen­den „Son­der­be­din­gun­gen“. Die Vor­schrift ist viel­mehr in den Maß­stab des Fremd­ver­gleichs ‑wenn auch bezo­gen auf den Umstand der Fremd­ka­pi­tal­über­las­sung „als sol­cher“- ein­ge­bun­den. Letz­te­res erweist sich ins­be­son­de­re an § 8a Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 letz­ter Halb­satz KStG 2002 n.F. (Dritt­ver­gleich), der die Mög­lich­keit eröff­net, der gesetz­li­chen Typi­sie­rung einer „unan­ge­mes­se­nen Finan­zie­rung“ bei ergeb­nis­un­ab­hän­gi­gen Ver­gü­tun­gen durch den Nach­weis zu begeg­nen, dass die Kapi­tal­ge­sell­schaft die­ses Fremd­ka­pi­tal bei sonst glei­chen Umstän­den auch von einem frem­den Drit­ten hät­te erhal­ten kön­nen [16]. Dar­über hin­aus betrifft die Belas­tungs­ent­schei­dung des Streit­falls in ihrer Grund­la­ge (§ 8a Abs. 1 KStG 2002 n.F.) das Betei­li­gungs­ver­hält­nis zwi­schen den Gesell­schaf­ten B Inc. und C Inc., die bei­de in den USA ansäs­sig sind, so dass es an dem für die Sperr­wir­kung ent­schei­den­den grenz­über­schrei­ten­den Anknüp­fungs­punkt fehlt.

Jener gera­de beschrie­be­ne Aspekt der „Escape-Mög­lich­keit“ (§ 8a Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 letz­ter Halb­satz KStG 2002 n.F.) steht auch einem Erfolg der Ein­wen­dung der oHG ent­ge­gen, die ver­fas­sungs­recht­li­chen Zwei­fel des Bun­des­fi­nanz­hofs an der sog. Zins­schran­ke des § 4h EStG 2002 i.d.F. des Geset­zes zur ver­bes­ser­ten steu­er­li­chen Berück­sich­ti­gung von Vor­sor­ge­auf­wen­dun­gen ‑Bür­ger­ent­las­tungs­ge­setz Kran­ken­ver­si­che­rung- vom 16.07.2009 [17] i.V.m. § 8 Abs. 1 und § 8a KStG 2002 i.d.F. des Unter­neh­men­steu­er­re­form­ge­set­zes ‑UntS­tRefG- 2008 vom 14.08.2007 [18] ‑s. inso­weit Vor­la­ge­be­schluss vom 14.10.2015 – I R 20/​15 [19]- müss­ten erst recht auf § 8a KStG 2002 n.F. zu bezie­hen sein [20]. Dies gilt mit Blick auf den typi­sie­ren­den Zweck der Rege­lung auch für den Fall, dass die kon­kre­te wirt­schaft­li­che Situa­ti­on der oHG einen sol­chen „Escape“ nicht gestat­tet. Auch ist es in die­sem Zusam­men­hang ohne Bedeu­tung, dass § 8a KStG 2002 n.F. ‑im Gegen­satz zur sog. Zins­schran­ke (§ 4h EStG 2002 i.d.F. des UntS­tRefG 2008)- einen „Zins­vor­trag“ nicht vor­sieht.

Das Finanz­amt hat die Ein­kom­mens­er­hö­hung im Fest­stel­lungs­be­scheid den lau­fen­den Ein­künf­ten zuge­ord­net. Auch die Begrün­dung des Gesetz­ent­wurfs bezieht sich ‑wie aus­ge­führt- all­ge­mein auf die gesetz­ge­be­ri­sche Absicht, den „der Kapi­tal­ge­sell­schaft zuzurechnende(n) Anteil der Ein­künf­te aus der Per­so­nen­ge­sell­schaft“ ‑wohl i.S. der lau­fen­den Ein­künf­te, soweit um die Ver­gü­tun­gen gemin­dert- zu erhö­hen [21]. Da die­se Ein­künf­te aus­schließ­lich der oHG zuzu­rech­nen sind, muss im anhän­gi­gen Ver­fah­ren nicht ent­schie­den wer­den, ob in ande­ren Sach­ver­halts­kon­stel­la­tio­nen eine Zuord­nung zum Bereich des Son­der­be­triebs­ver­mö­gens in Betracht kommt [22].

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 7. Juni 2016 – I R 51/​14

  1. BGBl I 2003, 2840, BStBl I 2004, 14[]
  2. BT-Drs. 15/​1518, S. 14 [Zu Num­mer 1, All­ge­mei­nes] und 15 [Zu Absatz 6][]
  3. BFH, Urtei­le vom 29.10.1991 – VIII R 2/​86, BFHE 167, 316, BStBl II 1992, 832; vom 23.03.1995 – IV R 94/​93, BFHE 177, 408, BStBl II 1995, 637[]
  4. BFH, Urteil vom 15.09.2004 – I R 7/​02, BFHE 207, 429, BStBl II 2005, 867; BFH, Beschluss vom 29.11.2006 – I R 78–80/05, BFH/​NV 2007, 1091; s. zur ver­gleich­ba­ren Situa­ti­on bei einer GmbH & aty­pisch Still BFH, Urteil vom 18.06.2015 – IV R 5/​12, BFHE 250, 121, BStBl II 2015, 935[]
  5. z.B. BMF, Schrei­ben in BStBl I 2004, 593 Rz 51; Busch, JbFStR 2004/​2005, 188, 194 f.; Gosch, KStG, 1. Aufl., § 8a Rz 318; Hick, FR 2015, 285, 287 f.; Prinz zu Hohenlohe/​Rautenstrauch in Erle/​Sauter, KStG, 3. Aufl., § 8a KStG Anh 2/​§ 8a aF Rz 628; Krö­ner in Ernst & Young, KStG, § 8a Rz 301 f.; Pung/​Dötsch in Dötsch/​Pung/​Möhlenbrock, Die Kör­per­schaft­steu­er, § 8a KStG nF Rz 492 i.V.m. Rz 488; Wochin­ger, JbFStR 2004/​2005, 160[]
  6. z.B. Beh­rens, DStR 2004, 398, 400 f.; Neumann/​Stimpel, GmbH-Rund­schau 2004, 392, 398; Piltz, JbFStR 2004/​2005, 153[]
  7. z.B. Wacker, DStR 2004, 1066, 1069 f.[]
  8. Wacker, DStR 2004, 1066, 1070[]
  9. Widmann/​Füger/​Rieger, Gesell­schaf­ter-Fremd­fi­nan­zie­rung, 2004, Rz 372 bis 374[]
  10. BT-Drs. 15/​1518, S. 15[]
  11. s.a. Benecke/​Schnitger, Inter­na­tio­na­les Steu­er­recht 2004, 475, 478; Prinz zu Hohenlohe/​Heurung/​Rautenstrauch, Betriebs-Bera­ter 2004, 2220, 2224; BMF, Schrei­ben in BStBl I 2004, 593 Rz 51[]
  12. so BMF, Schrei­ben in BStBl I 2004, 593, Bei­spiel Rz 51[]
  13. BMF, Schrei­ben in BStBl I 2004, 593 Rz 50 [dort Satz 2]; Gosch, a.a.O., § 8a Rz 318; Prinz zu Hohenlohe/​Rautenstrauch in Erle/​Sauter, a.a.O., § 8a KStG Anh 2/​§ 8a aF Rz 608[]
  14. BGBl II 1991, 355, BStBl I 1991, 95[]
  15. BFH, Urteil vom 11.10.2012 – I R 75/​11, BFHE 239, 242, BStBl II 2013, 1046; inso­weit von der ver­wal­tungs­be­zo­ge­nen wei­te­ren Anwen­dungs­sper­re laut BMF, Schrei­ben vom 30.03.2016, BStBl I 2016, 455 aus­ge­spart[]
  16. s.a. Pung/​Dötsch in Dötsch/​Pung/​Möhlenbrock, a.a.O., § 8a KStG nF Rz 72; Gosch, a.a.O., § 8a Rz 37; Was­ser­mey­er in Was­ser­mey­er, MA Art. 9 Rz 107; Krö­ner in Ernst & Young, a.a.O., § 8a Rz 28; Hick, FR 2015, 285, 286[]
  17. BGBl I 2009, 1959, BStBl I 2009, 782[]
  18. BGBl I 2007, 1912, BStBl I 2007, 630[]
  19. BFHE 252, 44[]
  20. wie hier im Ergeb­nis auch Hick, FR 2015, 285, 287[]
  21. s. inso­weit auch z.B. Gosch, a.a.O., § 8a Rz 300; Hick, FR 2015, 287[]
  22. s. inso­weit z.B. Prinz zu Hohenlohe/​Rautenstrauch in Erle/​Sauter, a.a.O., § 8a KStG Anh 2/​§ 8a aF Rz 603[]