Gewerb­li­che Ein­künf­te eines EDV-Bera­ters

Die Tätig­keit eines EDV-Bera­ters ohne (Fach-)Hochschulabschluss im Fach Infor­ma­tik ist nur dann als inge­nieur­ähn­lich und damit frei­be­ruf­lich zu qua­li­fi­zie­ren, wenn er nach­wei­sen kann, dass er sich das Wis­sen eines Infor­ma­ti­kers mit Bache­lor­ab­schluss in ver­gleich­ba­rer Brei­te und Tie­fe auf ande­re Wei­se im Wege der Fort­bil­dung und/​oder des Selbst­stu­di­ums oder ggf. anhand eige­ner prak­ti­scher Arbei­ten ange­eig­net hat.

Gewerb­li­che Ein­künf­te eines EDV-Bera­ters

Ste­hen die­se Tat­sa­chen nicht zur Über­zeu­gung des Gerichts fest, muss es auf­grund sei­ner Sach­auf­klä­rungs­pflicht (§ 76 Abs. 1 FGO) den vom EDV-Bera­ter gestell­ten Anträ­gen zur Erhe­bung von Bewei­sen grund­sätz­lich ent­spre­chen, die geeig­net erschei­nen, den erfor­der­li­chen Nach­weis der Kennt­nis­se zu erbrin­gen. Dazu kann auch die Vor­nah­me einer Wis­sens­prü­fung gehö­ren.

Ergibt die Wis­sens­prü­fung, dass der EDV-Bera­ter in elf von zwölf grund­le­gen­den Modu­len im Bache­lor­stu­di­en­gang Infor­ma­tik kei­ne aus­rei­chen­den Kennt­nis­se besitzt, ist der Nach­weis nicht geführt und kommt es auf die prak­ti­sche Arbeit des EDV-Bera­ters nicht an.

Der Gewer­be­steu­er unter­liegt nach § 2 Abs. 1 Satz 1 GewStG jeder ste­hen­de Gewer­be­be­trieb, soweit er im Inland betrie­ben wird. Unter Gewer­be­be­trieb ist ein gewerb­li­ches Unter­neh­men i. S. des § 15 Abs. 2 EStG zu ver­ste­hen (§ 2 Abs. 1 Satz 2 GewStG). Danach ist Gewer­be­be­trieb eine selb­stän­di­ge nach­hal­ti­ge Betä­ti­gung, die mit der Absicht, Gewinn zu erzie­len, unter­nom­men wird und sich als Betei­li­gung am wirt­schaft­li­chen Ver­kehr dar­stellt, wenn die Betä­ti­gung weder als Aus­übung von Land- und Forst­wirt­schaft noch als Aus­übung eines frei­en Berufs noch als eine selb­stän­di­ge Arbeit anzu­se­hen ist.

Nach § 18 Abs. 1 Nr. 1 Satz 1 EStG gehö­ren zu den Ein­künf­ten aus selb­stän­di­ger Arbeit die Ein­künf­te aus frei­be­ruf­li­cher Tätig­keit. Hier­zu gehört nach Satz 2 der Vor­schrift u. a. die selb­stän­di­ge Berufs­tä­tig­keit der Inge­nieu­re und ähn­li­cher Beru­fe. Der ähn­li­che Beruf muss dem Beruf des Inge­nieurs sowohl hin­sicht­lich der erfor­der­li­chen Berufs­aus­bil­dung als auch hin­sicht­lich der tat­säch­lich ent­fal­te­ten Tätig­keit im Wesent­li­chen glei­chen [1].

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs übt ein Diplom-Infor­ma­ti­ker einen inge­nieur­ähn­li­chen Beruf i. S. des § 18 Abs. 1 Nr. 1 Satz 2 EStG aus, weil sei­ne Tätig­keit durch Wahr­neh­mung von für den Inge­nieur­be­ruf typi­schen Auf­ga­ben geprägt wird [2] und das Stu­di­um der Infor­ma­tik an einer (Fach-)Hoch­schu­le dem der tra­di­tio­nel­len Inge­nieur­wis­sen­schaf­ten gleich­wer­tig ist, auch wenn das Inge­nieur­stu­di­um im Grund­satz all­ge­mei­ner sein kann [3].

Ver­fügt der Steu­er­pflich­ti­ge nicht über eine ent­spre­chen­de Hoch­schul­aus­bil­dung, muss er nach­wei­sen, dass er sich das Wis­sen eines Diplom-Infor­ma­ti­kers in ver­gleich­ba­rer Brei­te und Tie­fe auf ande­re Wei­se im Wege der Fort­bil­dung und/​oder des Selbst­stu­di­ums oder ggf. anhand eige­ner prak­ti­scher Arbei­ten ange­eig­net hat [4].

Ste­hen die­se Tat­sa­chen nicht zur Über­zeu­gung des Gerichts fest, muss es auf­grund sei­ner Sach­auf­klä­rungs­pflicht (§ 76 Abs. 1 FGO) den vom EDV-Bera­ter gestell­ten Anträ­gen zur Erhe­bung von Bewei­sen grund­sätz­lich ent­spre­chen, die geeig­net erschei­nen, den erfor­der­li­chen Nach­weis der Kennt­nis­se zu erbrin­gen. Dazu kann auch die Vor­nah­me einer Wis­sens­prü­fung gehö­ren, wenn sich aus den vor­ge­tra­ge­nen Tat­sa­chen zum Erwerb und Ein­satz der Kennt­nis­se bereits erken­nen lässt, dass der EDV-Bera­ter über hin­rei­chen­de Kennt­nis­se ver­fü­gen könn­te, und ein Nach­weis anhand prak­ti­scher Arbei­ten nicht zu füh­ren ist [5].

Die Fest­stel­lungs­last für das Vor­lie­gen eines frei­en Berufs trägt der Steu­er­pflich­ti­ge [6].

Danach hat der EDV-Bera­ter in dem hier vom Finanz­ge­richt Ham­burg ent­schie­de­nen Fall kei­ne inge­nieur­ähn­li­che, frei­be­ruf­li­che Tätig­keit aus­ge­übt:

Dabei konn­te es das Finanz­ge­richt Ham­burg offen las­sen, ob die prak­ti­sche Arbeit des EDV-Bera­ters im Streit­jahr der eines frei­be­ruf­li­chen Infor­ma­ti­kers ent­sprach oder nicht. Denn jeden­falls hat der EDV-Bera­ter nicht nach­ge­wie­sen, dass sei­ne Kennt­nis­se in der Brei­te und Tie­fe denen eines an einer Fach­hoch­schu­le oder Hoch­schu­le aus­ge­bil­de­ten Diplom-Infor­ma­ti­kers bzw. eines Infor­ma­ti­kers mit Bache­lor-Abschluss ent­spre­chen.

Der vom Gericht beauf­trag­te Sach­ver­stän­di­ge Prof. Dr. E hat die vom EDV-Bera­ter bean­trag­te Wis­sens­prü­fung in der münd­li­chen Ver­hand­lung durch­ge­führt. Im Anschluss hat er erläu­tert, dass er in der Prü­fung Fra­gen aus zwölf von ins­ge­samt 30 „Modu­len“ (The­men­ge­bie­ten) gestellt habe, die im Bache­lor­stu­di­en­gang Infor­ma­tik behan­delt wür­den. Dabei habe es sich um die ein­fa­che­ren Grund­la­gen­mo­du­le gehan­delt und um Wis­sen, das den Absol­ven­ten des Stu­di­en­gangs auch nach vie­len Jah­ren noch geläu­fig sein sol­le. Die Prü­fung habe erge­ben, dass die Kennt­nis­se des EDV-Bera­ters in elf Modu­len – Grund­la­gen der Infor­ma­tik, Pro­gram­mier­me­tho­dik I und II, Pro­gram­mier­tech­nik, Auto­ma­ten­theo­rie und For­ma­le Spra­chen, Daten­ban­ken, Betriebs­sys­te­me, Algo­rith­men und Daten­struk­tu­ren, Soft­ware Engi­nee­ring I und II, Ver­teil­te Sys­te­me – nicht aus­rei­chend gewe­sen sei­en. Ledig­lich im Modul Rech­ner­net­ze sei­en die Kennt­nis­se des EDV-Bera­ters als aus­rei­chend zu bewer­ten.

Der EDV-Bera­ter kann sich nicht dar­auf beru­fen, das es im Streit­jahr 2010 im Bereich der Infor­ma­tik einen aka­de­mi­schen Abschluss mit gerin­ge­ren Anfor­de­run­gen als bei dem jetzt gän­gi­gen Bache­lor­ab­schluss gege­ben habe. Nach den Aus­füh­run­gen des Sach­ver­stän­di­gen wur­de im Streit­jahr an einer Berufs­aka­de­mie in Baden-Würt­tem­berg zwar noch das „Diplom (BA)“ ver­lie­hen, doch waren die Anfor­de­run­gen mit denen des Bache­lor­ab­schlus­ses ver­gleich­bar. Dies wird vom EDV-Bera­ter nicht in Abre­de gestellt. Im Übri­gen wäre, selbst wenn die Anfor­de­run­gen dort etwas nied­ri­ger gewe­sen wären und es sich bei die­sem Abschluss um einen aus­rei­chen­den Abschluss für die Annah­me eines ähn­li­chen Beru­fes i. S. des § 18 Abs. 1 Nr. 1 Satz 2 EStG han­del­te, was der Sach­ver­stän­di­ge nicht bestä­ti­gen konn­te, nicht vor­stell­bar, dass jemand, der in elf von zwölf grund­le­gen­den Modu­len des Infor­ma­tik­stu­di­ums an einer Fach­hoch­schu­le kei­ne aus­rei­chen­den Kennt­nis­se besitzt, eine Abschluss­prü­fung mit gering­fü­gig nied­ri­ge­ren Anfor­de­run­gen bestehen könn­te.

Da auf­grund der Wis­sens­prü­fung fest­steht, dass der EDV-Bera­ter in der Brei­te und Tie­fe nicht über die erfor­der­li­chen Kennt­nis­se ver­fügt, kann er sich auch nicht dar­auf beru­fen, das Vor­han­den­sein die­ser Kennt­nis­se durch sei­ne prak­ti­sche Tätig­keit nach­ge­wie­sen zu haben. Hier­zu hat der Sach­ver­stän­di­ge im Übri­gen erklärt, der EDV-Bera­ter ver­fü­ge zwar über hin­rei­chen­des Wis­sen auf dem Gebiet, auf dem er tätig sei, jedoch umfas­se das Infor­ma­tik­stu­di­um wesent­lich mehr Berei­che.

Finanz­ge­richt Ham­burg, Urteil vom 14. Juli 2015 – 3 K 207/​14

  1. BFH, Urtei­le vom 11.11.2014 – VIII R 17/​12; vom 22.09.2009 – VIII R 63/​06, BFHE 227, 386, BStBl II 2010, 466; vom 09.02.2006 – IV R 27/​05, BFH/​NV 2006, 1270, m. w. N.[]
  2. BFH, Urtei­le vom 16.09.2014 – VIII R 8/​12; vom 22.09.2009 – VIII R 63/​06, BFHE 227, 386, BStBl II 2010, 466, m. w. N.[]
  3. BFH, Urteil vom 16.12.2008 – VIII R 27/​07, HFR 2009, 898[]
  4. BFH, Urtei­le vom 16.09.2014 – VIII R 8/​12, juris; vom 16.12.2008 – VIII R 27/​07, HFR 2009, 898; vom 18.04.2007 – XI R 29/​06, BFHE 218, 65, BStBl II 2007, 781[]
  5. BFH, Beschluss vom 07.03.2013 – III B 134/​12, BFH/​NV 2013, 930[]
  6. BFH, Urteil vom 08.10.2008 – VIII R 74/​05, BFHE 223, 261, BStBl II 2009, 238[]