Steuerhinterziehung — und eine nachvollziehbare Steuerbe-rechnung

Bei ein­er Verurteilung wegen Steuer­hin­terziehung (§ 370 AO) reicht es regelmäßig nicht aus, dass die den Straftatbe­stand aus­fül­lende steuer­rechtliche Norm beze­ich­net und die Summe der verkürzten Steuern in den Urteils­grün­den mit­geteilt wird.

Steuerhinterziehung — und eine nachvollziehbare Steuerbe-rechnung

Vielmehr müssen die Urteils­gründe gemäß § 267 Abs. 1 Satz 1 StPO für jede Steuer­art und jeden Besteuerungszeitraum unter Schuld­gesicht­spunk­ten so klare Fest­stel­lun­gen tre­f­fen, dass sowohl die dem Schuld­spruch zugrunde liegen­den steuer­rechtlichen Gesicht­spunk­te als auch die Berech­nung der verkürzten Steuern der Höhe nach erkennbar wer­den1.

Dazu gehören jeden­falls diejeni­gen Tat­sachen, die den staatlichen Steuer­anspruch begrün­den, und diejeni­gen Tat­sachen, die für die Höhe der geschulde­ten und der verkürzten Steuern von Bedeu­tung sind2.

Die auf den fest­gestell­ten Besteuerungs­grund­la­gen auf­bauende Steuer­berech­nung ist Recht­san­wen­dung und daher Auf­gabe des Tat­gerichts3, die für das Revi­sion­s­gericht nachvol­lziehbar sein muss.

Den der Berech­nungs­darstel­lung zuk­om­menden Auf­gaben kann nicht durch Bezug­nah­men auf Betrieb­sprü­fungs­berichte, Steuer­erk­lärun­gen o.ä. entsprochen wer­den.

Bun­des­gericht­shof, Urteil vom 28. Okto­ber 2015 — 1 StR 465/14

  1. st. Rspr.; vgl. BGH, Beschlüsse vom 19.08.2015 – 1 StR 178/15, wis­tra 2015, 476; und vom 24.06.2009 – 1 StR 229/09, wis­tra 2009, 396 f.; aus­führl. und mwN Urteil vom 12.05.2008 – 1 StR 718/08, NJW 2009, 2546 f.; Beschluss vom 15.03.2005 – 5 StR 469/04, wis­tra 2005, 307 f.; BGHR AO § 370 Abs. 1 Berech­nungs­darstel­lung 2 bis 8, jew­eils mwN []
  2. vgl. BGH, Beschlüsse vom 01.09.2015 – 1 StR 12/15, wis­tra 2015, 477; vom 19.08.2015 – 1 StR 178/15, wis­tra 2015, 476; und vom 13.07.2011 – 1 StR 154/11; BGH, Urteil vom 12.05.2009 – 1 StR 718/08, NJW 2009, 2546 mwN []
  3. vgl. BGH, BGHR AO § 370 Abs. 1 Berech­nungs­darstel­lung 9; BGH, Beschluss vom 25.10.2000 – 5 StR 399/00, NStZ 2001, 200 f. []