Steu­er­hin­ter­zie­hung, Urkun­den­fäl­schung – und die Geld­stra­fe neben einer Frei­heits­stra­fe

Für die Ver­hän­gung einer Geld­stra­fe neben einer Frei­heits­stra­fe, die im Übri­gen nach der Vor­schrift des § 41 StGB Aus­nah­me­cha­rak­ter hat [1], ist erfor­der­lich, dass der Täter sich berei­chert hat oder ver­sucht hat, sich zu berei­chern, er also eine güns­ti­ge­re Ver­mö­gens­la­ge für sich ange­strebt hat [2].

Steu­er­hin­ter­zie­hung, Urkun­den­fäl­schung – und die Geld­stra­fe neben einer Frei­heits­stra­fe

Hier­für genügt jedoch auch, wenn der Täter eine Ver­mö­gens­min­de­rung ver­hin­dert [3], wie es bei Urkun­den­fäl­schun­gen der Fall ist, die gera­de der Ver­schleie­rung der Steu­er­hin­ter­zie­hun­gen und damit dem Erhalt des dar­aus resul­tie­ren­den Ver­mö­gens­vor­teils die­nen soll­ten.

Beden­ken begeg­net für den Bun­des­ge­richts­hof auch – ohne dass es hier­auf im vor­lie­gen­den Fall noch tra­gend ankä­me – die Erwä­gung, dass der Ange­klag­te über kein Ver­mö­gen und nur gerin­ges Ein­kom­men ver­fü­ge, wes­halb eine kumu­la­ti­ve Geld­stra­fe nicht ange­zeigt sei.

Ein Bedürf­nis für die Ver­hän­gung einer Geld­stra­fe neben einer Frei­heits­stra­fe wur­de ins­be­son­de­re im Wirt­schafts­straf­recht gese­hen, weil ver­mö­gen­de Täter häu­fig gera­de gegen­über Geld­stra­fen beson­ders emp­find­lich sei­en [4]. Der Bun­des­ge­richts­hof hat dem­entspre­chend die Anwen­dung von § 41 StGB gegen ein­kom­mens- und ver­mö­gens­lo­se Täter bean­stan­det, wenn die­se nicht wenigs­tens siche­re Erwerbs­aus­sich­ten hat­ten [5].

Es bestehen Zwei­fel, ob dar­an unein­ge­schränkt fest­ge­hal­ten wer­den kann. Eine vor allem an den Ein­kom­mens- und Ver­mö­gens­ver­hält­nis­sen des Ange­klag­ten aus­ge­rich­te­te Aus­le­gung des Merk­mals „ange­bracht“ in § 41 StGB kann zu mit dem ver­fas­sungs­recht­li­chen Schuld­grund­satz und dem in § 40 StGB zum Aus­druck kom­men­den Grund­ge­dan­kens des ein­kom­mens­un­ab­hän­gi­gen Stra­fens [6] schwer ver­ein­ba­ren Kon­se­quen­zen füh­ren.

Die nach § 41 StGB zusätz­lich ver­häng­te Geld­stra­fe ist kei­ne kon­fis­kato­ri­sche Maß­nah­me [7]. Sie ist viel­mehr eine „kom­bi­nier­te Übel­zu­fü­gung“ [8], wobei sich die im Ent­zug von Geld zu bestim­men­de Sank­ti­on nach den Ein­künf­ten des Ange­klag­ten rich­tet. Der Schuld­grund­satz gebie­tet, bei der Ver­hän­gung von Geld­stra­fe neben einer Frei­heits­stra­fe das Gesamt­stra­f­ü­bel inner­halb des durch das Maß der Ein­zel­tat­schuld eröff­ne­ten Rah­mens fest­zu­le­gen. Die zusätz­li­che Geld­stra­fe muss des­halb bei der Bemes­sung der Frei­heits­stra­fe straf­mil­dernd berück­sich­tigt wer­den [9]. Dürf­te gerin­ges oder feh­len­des Ein­kom­men bzw. Ver­mö­gen als Dif­fe­ren­zie­rungs­kri­te­ri­um dafür her­an­ge­zo­gen wer­den, ob einem Ange­klag­ten über­haupt die Wohl­tat einer kumu­la­ti­ven Geld­stra­fe zuteil wird, kann dies mit den im vor­ste­hen­den Absatz genann­ten Grund­sät­zen in Wider­spruch gera­ten.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 26. Novem­ber 2015 – 1 StR 389/​15

  1. vgl. BGH, Urtei­le vom 24.08.1983 – 3 StR 89/​83, BGHSt 32, 60, 65; und vom 28.04.1976 – 3 StR 8/​76, BGHSt 26, 325, 330; Stree/​Kinzig in Schönke/​Schröder, StGB, 29. Aufl., § 41 Rn. 1; Rad­tke in Münch­Komm-StGB, 2. Aufl., § 41 Rn. 32[]
  2. so schon RG, Urteil vom 27.02.1917 – – V 1/​17, RGSt 50, 277, 279[]
  3. BGH, Urteil vom 18.12 1975 – 4 StR 472/​75, NJW 1976, 525, 526; Rad­tke in Münch­Komm-StGB, 2. Aufl., § 41 Rn. 18; Häger in LK-StGB, 12. Aufl., § 41 Rn. 7[]
  4. BT-Drs. V/​4095 S. 21 f.; sie­he dazu auch BGH, Urteil vom 24.08.1983 – 3 StR 89/​83, BGHSt 32, 60, 62[]
  5. etwa BGH, Urteil vom 21.03.1985 – 4 StR 53/​85, wis­tra 1985, 147 f.; BGH, Beschluss vom 24.07.2014 – 3 StR 176/​14, NStZ-RR 2014, 338 f.[]
  6. vgl. BT-Drs. V/​4095 S.20[]
  7. BGH, Beschluss vom 15.11.2002 – 2 StR 302/​02, NStZ 2003, 198[]
  8. Fischer, StGB, 63. Aufl., § 41 Rn. 3[]
  9. sie­he nur BGH, Urteil vom 24.08.1983 – 3 StR 89/​83, BGHSt 32, 60, 66[]