Treuhänder — und gleichzeitig Mitunternehmer

Der an ein­er Gesellschaft zivil­rechtlich allein beteiligte Treuhän­der kann dem Treuge­ber aus ertrag­s­teuer­lich­er Sicht als mit­tel­barem Mitun­ternehmer dessen Mitun­ternehmer­stel­lung ver­mit­telt und daneben selb­st unmit­tel­bar­er Mitun­ternehmer der Gesellschaft sein.

Treuhänder — und gleichzeitig Mitunternehmer

er für Rech­nung des Treuge­bers an ein­er Per­so­n­enge­sellschaft zivil­rechtlich als Gesellschafter beteiligte Treuhän­der muss zur Begrün­dung ein­er Mitun­ternehmer­stel­lung des Treuge­bers in einem rechtlichen und tat­säch­lichen Ver­hält­nis zur Per­so­n­enge­sellschaft und ihren Gesellschaftern ste­hen, das ihn selb­st als Mitun­ternehmer erscheinen ließe, wenn er auf eigene Rech­nung han­deln würde. Ist dies der Fall, ver­mit­telt der Treuhän­der dem Treuge­ber Einkün­fte als (mit­tel­barem) Mitun­ternehmer, weil der Treuge­ber unter diesen Voraus­set­zun­gen einem unmit­tel­bar an der Gesellschaft beteiligten Mitun­ternehmer gle­ichzustellen ist1. Die zivil­rechtliche Stel­lung des Treuhän­ders als Gesellschafter wird steuer­rechtlich dem Treuge­ber zugerech­net, soweit der Treuhän­der für Rech­nung des Treuge­bers beteiligt ist2. Der Treuhän­der ist daneben als Gesellschafter selb­st Mitun­ternehmer, soweit er auf eigene Rech­nung Mitun­ternehmer­risiko trägt und ‑ini­tia­tive ent­fal­tet.

Dem Treuge­ber sind die durch den treuhän­derisch gehal­te­nen Mitun­ternehmer­an­teil auf ihn ent­fal­l­en­den aktiv­en und pas­siv­en Wirtschafts­güter im Gesamthandsver­mö­gen der Per­so­n­enge­sellschaft steuer­rechtlich zuzurech­nen3. Veräußert der Treuhän­der den treuhän­derisch gehal­te­nen Gesellschaft­san­teil, erzielt unmit­tel­bar der Treuge­ber den Gewinn aus der Veräußerung des Mitun­ternehmer­an­teils i.S. des § 16 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG. Nur ver­fahren­srechtlich ist im ersten Fest­stel­lungsver­fahren auf Ebene der Gesellschaft dem Treuhän­der der Gewinn zuzurech­nen. In ein­er zweit­en Fest­stel­lung ist dieser Veräußerungs­gewinn für den Treuge­ber als laufend­er Gewinn oder Anteilsveräußerungs­gewinn festzustellen und über die Anwen­dung der Tar­if­begün­s­ti­gung zu entschei­den4. Hier­von ist im Ergeb­nis auch das Finanzgericht auf Seite 10 bis 13 der Vorentschei­dung aus­ge­gan­gen.

Bun­des­fi­nanzhof, Beschluss vom 19. Jan­u­ar 2016 — VIII B 75/14

  1. BFH, Beschluss vom 25.06.1984 — GrS 4/82, BFHE 141, 405, BSt­Bl II 1984, 751, unter C.V.03.b bb; BFH, Urteile vom 21.04.1988 — IV R 47/85, BFHE 153, 543, BSt­Bl II 1989, 722, m.w.N.; vom 16.05.2013 — IV R 35/10, BFH/NV 2013, 1945 []
  2. BFH, Beschluss vom 25.02.1991 — GrS 7/89, BFHE 163, 1, BSt­Bl II 1991, 691, unter C.III. 3.b cc []
  3. vgl. z.B. die BFH, Entschei­dun­gen vom 03.02.2010 — IV R 26/07, BFHE 228, 365, BSt­Bl II 2010, 751 zum sog. Treuhand­mod­ell; in BFHE 163, 1, BSt­Bl II 1991, 691 []
  4. zutr­e­f­fend Patt in Herrmann/Heuer/Raupach ‑HHR‑, § 16 EStG Rz 285 []