Vorsteuerabzug bei unrichtigem Steuerausweis — und die Rechnungsberichtigung

Der Wirk­samkeit der Berich­ti­gung der Steuer­be­träge ste­ht es nicht ent­ge­gen, dass der Leis­tende weit­er­hin das vorherige zivil­rechtliche Ent­gelt fordert1. Die zivil­rechtliche Befug­nis zur Rech­nungs­berich­ti­gung ist umsatzs­teuer­rechtlich grund­sät­zlich nicht zu prüfen2.

Vorsteuerabzug bei unrichtigem Steuerausweis — und die Rechnungsberichtigung

Für die Berich­ti­gung der Vors­teuer beim Leis­tungsempfänger nach Rech­nungs­berich­ti­gung ist auch nicht erforder­lich, dass der Rech­nungsaussteller die vom Leis­tungsempfänger an ihn bezahlte Umsatzs­teuer bere­its an den Let­zteren zurück­gezahlt hat3. Rück­zahlungsansprüche des Leis­tungsempfängers sind auf dem Zivil­rechtsweg zu ver­fol­gen4. Hier­an hält der Bun­des­fi­nanzhof jeden­falls für Sachver­halte fest, in denen ‑wie im hier entsch­iede­nen Stre­it­fall- die Änderung der ursprünglichen Steuerbeschei­de entsprechend dem BFH-Urteil in BFHE 185, 536, BSt­Bl II 1998, 695 nach § 176 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 AO aus­geschlossen ist und die Vors­teuer nach den Grund­sätzen des BFH-Urteils in BFHE 172, 163, BSt­Bl II 1993, 779 zu berichti­gen ist.

Wurde ein zu hoch aus­gewiesen­er Rech­nungs­be­trag bere­its vere­in­nahmt und ste­ht dem Leis­tungsempfänger aus der Rech­nungs­berich­ti­gung ein Rück­forderungsanspruch zu, ist nach Auf­fas­sung der Finanzver­wal­tung die Berich­ti­gung des geschulde­ten Mehrbe­trags erst nach ein­er entsprechen­den Rück­zahlung an den Leis­tungsempfänger zuläs­sig (Abschn. 14c.1 Abs. 5 Satz 4 UStAE((Umsatzsteuer-Anwendungserlass i.d.F. vom 07.10.2015, BSt­Bl I 2015, 782))).

Die Finanzver­wal­tung geht dabei mit der Recht­sprechung seit dem BFH, Urteil in BFHE 185, 536, BSt­Bl II 1998, 695 davon aus, dass der Leis­tungsempfänger die zu hoch aus­gewiesene Steuer nicht als Vors­teuer abziehen kann (vgl. Abschn. 14c.1 Abs. 1 Satz 6 UStAE). Diese Recht­sprechung fand allerd­ings in dem hier vom Bun­des­fi­nanzhof entsch­iede­nen Stre­it­fall keine Anwen­dung. Der Bun­des­fi­nanzhof muss daher nicht entschei­den, ob sich aus ihr Gründe ergeben, die Berich­ti­gung der Rech­nung nur nach Rück­zahlung des Mehrbe­trags an den Leis­tungsempfänger zuzu­lassen.

Bun­des­fi­nanzhof, Urteil vom 2. März 2016 — V R 16/15

  1. BFH, Urteil vom 25.02.1993 — V R 112/91, BFHE 171, 373, BSt­Bl II 1993, 643, unter II. 2.c []
  2. BFH, Urteil in BFHE 219, 266, BSt­Bl II 2008, 438, unter II. 1.a bb (4), m.w.N. []
  3. BFH, Urteil in BFHE 219, 266, BSt­Bl II 2008, 438, unter II. 5., m.w.N.; a.A. Nieder­säch­sis­ches FG, Urteil vom 25.09.2014 — 5 K 99/13, EFG 2015, 780; Stadie in Rau/Dürrwächter, Umsatzs­teuerge­setz, § 14c Rz 210 ff., m.w.N.; Robisch, Umsatzs­teuer-Rund­schau 2009, S. 343, 344 []
  4. BFH, Urteil in BFHE 219, 266, BSt­Bl II 2008, 438, unter II. 6.b []