Vor­steu­er­ver­gü­tung – und die nach­ge­reich­ne­te Rech­nung

Für Zwe­cke der Vor­steu­er­ver­gü­tung ist es nicht mög­lich, Rech­nun­gen in elek­tro­ni­scher Form nach­zu­rei­chen.

Vor­steu­er­ver­gü­tung – und die nach­ge­reich­ne­te Rech­nung

Die in § 18 Abs. 9 UStG i.V.m. § 61 Abs. 2 Satz 3 UStDV nor­mier­te Pflicht, einem Ver­gü­tungs­an­trag die Rech­nun­gen in elek­tro­ni­scher Form bei­zu­fü­gen, ver­stößt nach Ansicht des Bun­des­fi­nanz­hofs nicht gegen euro­päi­sches Recht, weil kei­ne Mög­lich­keit einer Nach­rei­chung besteht. Dies gilt auch dann, wenn das Bun­des­zen­tral­amt für Steu­ern ‑BZSt-kei­nen Hin­weis auf das Feh­len der Rech­nun­gen erteilt hat.

Wie der Bun­des­fi­nanz­hof bereits zur frü­he­ren Fas­sung des § 62 UStDV in Über­ein­stim­mung mit der Recht­spre­chung des Gerichts­ho­fes der Euro­päi­schen Uni­on ent­schie­den hat, ist geklärt, dass es sich bei der Antrags­frist für den Ver­gü­tungs­an­trag um eine nicht ver­län­ger­ba­re Aus­schluss­frist han­delt, die nur durch einen voll­stän­di­gen, dem amt­li­chen Mus­ter in allen Ein­zel­hei­ten ent­spre­chen­den Antrag ein­schließ­lich der Vor­la­ge der Rech­nun­gen gewahrt wird, sodass feh­len­de Rech­nun­gen grund­sätz­lich nicht nach­ge­reicht wer­den kön­nen [1]. Eine Nach­rei­chung von Rech­nun­gen kann aus­nahms­wei­se nur dann zuläs­sig sein, wenn ansons­ten ein Ver­stoß gegen den Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit vor­lä­ge, wenn z.B. ein nicht zu ver­tre­ten­des Abhan­den­kom­men der Rech­nung vor­liegt oder sonst die Vor­aus­set­zun­gen für die Wie­der­ein­set­zung in den vori­gen Stand hin­sicht­lich der feh­len­den Rech­nun­gen gege­ben sind [2].

Es ist auch nicht zwei­fel­haft, dass sich am Cha­rak­ter einer Aus­schluss­frist nichts dadurch geän­dert hat, dass die Pflicht zur Bei­fü­gung der Rech­nun­gen in Papier­form nun­mehr in elek­tro­ni­scher Form zu erfol­gen hat (Ände­rung des § 62 Abs. 2 UStDV ab 2010).

Geklärt ist auch, dass ‑jeden­falls bei der Ein­rei­chung des Antra­ges kurz vor Ablauf der Aus­schluss­frist wie im Streit­fall am 15.09.2011- wegen der Viel­zahl der ein­ge­hen­den Anträ­ge das BZSt nicht ver­pflich­tet sein kann, den Antrag­stel­ler auf das Feh­len der Rech­nun­gen hin­zu­wei­sen [3].

Nicht klä­rungs­fä­hig ist im Streit­fall die Rechts­fra­ge, inwie­weit eine Pflicht zur Abga­be von Erklä­run­gen in elek­tro­ni­scher Form und der Rech­nun­gen (vgl. hier­zu Art. 10 der Richt­li­nie 2008/​9/​EG des Rates vom 12.02.2008) wegen feh­len­der Vor­rich­tun­gen nicht ver­langt wer­den darf, denn nach den Fest­stel­lun­gen des Finanz­ge­richts wur­de die Erklä­rung in elek­tro­ni­scher Form abge­ge­ben.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 18. Juli 2016 – V B 5/​16

  1. EuGH, Urteil Elsa­com vom 21.06.2012 – C‑294/​11, EU:C:2012:382; BFH, Beschlüs­se vom 24.07.2012 – V B 76/​11, BFH/​NV 2012, 1840; vom 09.01.2014 – XI B 11/​13, BFH/​NV 2014, 915[]
  2. EuGH, Urteil Socié­té géné­ra­le des gran­des sources d’eaux miné­ra­les fran­çai­ses vom 11.06.1998 – C‑361/​96, EU:C:1998:282; BFH, Urteil vom 18.01.2007 – V R 23/​05, BFHE 217, 32, BStBl II 2007, 430[]
  3. BFH, Urteil in BFHE 217, 32, BStBl II 2007, 430[]