Wertansatz beim Anteilstausch — und die Klage der aufnehmenden Gesellschaft

Nach der Recht­sprechung des Bun­des­fi­nanzhofs zum Umwand­lungss­teuerge­setz 1995 kann im Fall der Ein­bringung eines (Teil-)Betriebs oder Mitun­ternehmer­an­teils i.S. des § 20 Umw­StG 1995/2002 die aufnehmende Kap­i­talge­sellschaft man­gels Beschw­er nicht durch Anfech­tungsklage gel­tend machen, die ihrer Steuer­fest­set­zung zu Grunde gelegten Werte des einge­bracht­en Ver­mö­gens seien zu hoch1.

Wertansatz beim Anteilstausch — und die Klage der aufnehmenden Gesellschaft

Diese Recht­sprechung ist wegen der im Wesentlichen gle­ichen Aus­gangslage auch auf die im Umwand­lungss­teuerge­setz 2006 geregel­ten Ein­bringungstatbestände, also auch auf den hier ein­schlägi­gen Fall des Anteil­stauschs nach § 21 Umw­StG 2006, anzuwen­den. Wed­er die Klägerin noch das Finanzgericht ‑welch­es im Hin­blick auf die grund­sät­zliche Bedeu­tung dieser Frage die Revi­sion zuge­lassen hat- haben sach­liche Gesicht­spunk­te ange­führt, die es angezeigt erscheinen lassen kön­nten, die Grund­sätze der Bun­des­fi­nanzhof­s­recht­sprechung nicht auf das Umwand­lungss­teuerge­setz 2006 zu über­tra­gen. Auch der Bun­des­fi­nanzhof erken­nt der­ar­tige Gründe nicht.

Da sich der im hier entsch­iede­nen Stre­it­fall gel­tend gemachte zu hohe Wer­tansatz der einge­bracht­en Aktien für die Besteuerung der Klägerin nicht nachteilig auswirkt, war ihr danach insoweit die erforder­liche Klage­befug­nis (§ 40 Abs. 2 FGO) für die erhobene Anfech­tungsklage abzus­prechen.

Da dem Ein­brin­gen­den ein eigenes Anfech­tungsrecht gegen die Steuer­fest­set­zung der übernehmenden Kap­i­talge­sellschaft zuste­ht2, beste­ht daneben kein Fest­stel­lungsin­ter­esse der aufnehmenden Gesellschaft3.

Bun­des­fi­nanzhof, Urteil vom 30. Sep­tem­ber 2015 — I R 77/13

  1. BFH, Urteile vom 08.06.2011 — I R 79/10, BFHE 234, 101, BSt­Bl II 2012, 421; vom 25.04.2012 — I R 2/11, BFH/NV 2012, 1649; BFH, Beschluss vom 06.02.2014 — I B 168/13, BFH/NV 2014, 921; vgl. auch [zur Ver­schmelzung] BFH, Urteil vom 21.10.2014 — I R 1/13, BFH/NV 2015, 690 []
  2. BFH, Urteile in BFHE 234, 101, BSt­Bl II 2012, 421; in BFH/NV 2012, 1649; BFH, Beschluss in BFH/NV 2014, 921 []
  3. BFH, Urteil in BFHE 234, 101, BSt­Bl II 2012, 421 []